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Wann wird dein Material zu alt?
Wann wird dein Material zu alt?
Christian Wörndle -

Wer seine Skiausrüstung liebt, der pflegt sie – mit einem regelmäßigen Service beim Sportfachhändler, der richtigen Lagerung und einem sicheren Transport.

Dennoch lässt sich der Alterungsprozess zwar reduzieren, aber nicht gänzlich aufhalten. Nach acht bis zehn Jahren büßt die Skiausrüstung aufgrund eines Materialverschleißes vor allem auch an Sicherheit ein. Spätestens dann müssen neue Ski, Skischuhe, Bindungen, Helme, Protektoren und Skibrillen her: DSV-Sicherheitsexperte Andreas König bezieht Stellung.

Materialverschleiß...

...beim Ski

„Sind meine Ski zehn Jahre alt, sollte ich mir neue Modelle zulegen. Durch einen starken Gebrauch über mehrere Jahre verliert der Ski an Spannung. Das wirkt sich negativ auf die Fahreigenschaften aus: Der Ski ist nicht mehr so spritzig und büßt an Agilität und Kantengrip ein. Das ist dann wie mit defekten oder ausgeschlagenen Stoßdämpfern Auto zu fahren. Je schwerer der Fahrer und je stärker die Nutzung, desto größer ist der Spannungsverlust. Außerdem nutzen sich Kanten und Belag mit der Zeit ab. Wenn Ski schon viele Servicearbeiten hinter sich haben, können die Kanten mit der Zeit so stark abgeschliffen sein, dass sie unter Umständen nicht mehr nachgeschliffen werden können. Beim Service wird in der Regel auch vom Belag eine dünne Schicht abgenommen, um kleine Risse und Macken zu entfernen. Dadurch verliert die Lauffläche allmählich an Stärke und wird dünn. Somit besteht die Gefahr des Durchschleifens. Ein regelmäßiger Skiservice – mindestens einmal jährlich – muss allein aus Sicherheitsgründen trotzdem sein!

Schlussendlich ist auch die technische Weiterentwicklung enorm, wie die Carving- und Rockertechnologie zeigen! Die Carving-Technik hat das Skifahren revolutioniert. Etwa genau zehn Jahre später kamen die ersten Rocker-Ski in die Läden und machten das Skifahren noch einfacher, sicherer und attraktiver.“

...bei der Bindung

„Das Bindungsgehäuse der Skibindung besteht aus Kunststoff, der mit der Zeit altert, der Weichmacher entweicht. Mit zunehmendem Alter der Ausrüstung steigt deshalb die Gefahr eines Kunststoff- bzw. Gehäusebruchs. Wenn das beim Skifahren passiert, wäre es fatal! Mitunter kann es aber auch bei der Überprüfung der Bindungseinstellung passieren. Bei dieser wird die Bindung mit einem elektronischen Prüfgerät einem Belastungstest ausgesetzt, bei dem ähnlich hohe Kräfte wie auf der Piste wirken. Es spricht für einen qualifizierten Fachservice, wenn der Sportfachhändler den Kunden auf einen festgestellten Materialverschleiß hinweist. Das ist in der Regel kein Verkaufs-, sondern vielmehr ein Sicherheitsargument!

Neben dem Kunststoffgehäuse altert auch das mechanische Federsystem, das die Funktion der Bindung sicherstellt. Mit einer steigenden Anzahl an Nutzungstagen ermüdet dieses Federsystem, die für das Skifahren so wichtigen Haltekräfte verringern sich. Deshalb ist die jährliche Überprüfung der Einstellwerte und der Funktionstüchtigkeit durch den qualifizierten Sportfachhandel allein aus Sicherheitsgründen absolut notwendig. Natürlich kann auch die Feder brechen – je älter, desto größer ist die Gefahr. Die Bindung sollte nach acht bis zehn Jahren erneuert werden!“

...beim Skischuh

„Der Skischuh ist das wichtigste Sicherheitsbindeglied des ganzen Systems „Ski-Bindung-Schuh“. Auch hier liegt die Altersgrenze bei acht bis zehn Jahren. Wie die Bindung besteht auch der Skischuh aus Kunststoff und Weichmachern. Wird der Schuh über die Jahre weich, ist keine optimale Kraftübertragung mehr möglich. Die Gefahr eines Schalenbruchs während des Skifahrens wird immer größer. Tatsächlich passiert es gar nicht so selten: Viele Skifahrer sind mit zu alten Modellen in den Skigebieten unterwegs. Klar, nur ungern trennt man sich von einem passenden Schuh. Viele missachten dabei aber den Sicherheitsaspekt. Ist die Skischuhsohle stark abgelaufen, kann sie nicht mehr optimal funktionieren. Das büßt enorm an Sicherheit ein! Und die Sohle ist im Laufe eines Skitags einer starken Beanspruchung ausgesetzt, insbesondere beim Laufen über Asphalt. Rennfahrer achten akribisch auf den Zustand der Sohle: Sie verwenden einen Gummiüberzug (Sohlenschoner) für den Weg vom Auto zum Lift.

Letztendlich ist es auch eine Frage der Hygiene, den Skischuh nach einigen Jahren durch einen neuen zu ersetzen. Auch wenn es draußen eisig kalt ist, soll es im Skischuh schön warm sein. Das fördert die Bildung von Kondenswasser zwischen Außenschale und Innenschuh. Feuchte Innenschuhe sind ein wahres Paradies für Schimmel und Co.

Wer sich für ein neues Paar Skischuhe entscheidet, wird schnell feststellen: Gerade im Skischuh-Segment hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel getan. Nicht zuletzt auch in Sachen individueller Passgenauigkeit und Komfort!“

...bei der Schutzausrüstung

„Helm und Protektoren können nicht neu genug sein! Auch der Skihelm besteht aus Kunststoff, insbesondere die Helmschale. Ebenso unterliegt aber auch das so wichtige Dämmmaterial im Inneren des Helms einem Alterungsprozess. Ähnlich wie eine Styroporplatte besteht die Molekularstruktur des Dämmmaterials aus kleinen, miteinander verklebten Kügelchen. Mit der Zeit verlieren sie an Verbindung und beginnen sich zu lösen: Das Dämmmaterial wird porös und bricht mit zunehmendem Alter auf. Nicht zuletzt deshalb erlischt die Schutzfunktion der Ausrüstung laut Herstellerangaben nach spätestens acht Jahren. Das steht explizit in den Sicherheitshinweisen, die jeder Schutzausrüstung beiliegen. Das Herstellungsdatum finden Verbraucher in der Regel an der Innenschale des Helms. Wenn es nicht ersichtlich ist, sollte der Rat des Fachhändlers angenommen werden. Die Experten in den Sportfachgeschäften, etwa der 1500 DSV aktiv-Partnersportgeschäfte, können die Funktionstüchtigkeit von Helmen, Protektoren sowie der gesamten Skiausrüstung fundiert beurteilen. Generell gilt: Nach einem heftigen Sturz sind Helme und Protektoren immer auszutauschen!“

...bei der Skibrille

„Ein Großteil der Skiunfälle passiert aufgrund von Wahrnehmungsfehlern! Skifahrer stürzen, weil sie Buckel oder ähnliche Hindernisse nicht rechtzeitig erkennen und die Situation nicht richtig einschätzen können. Zwei Dinge sind für die Funktion der Skibrille grundlegend: die UV-Beschichtung und die Anti-Beschlag-Beschichtung. Beides löst sich über die Jahre allmählich ab. Die Zeitspanne von acht bis zehn Jahren ist auch hierfür ein guter Richtwert. Dann sind die Augen nicht mehr ausreichend vor den gefährlichen UV-Strahlen geschützt. Inwieweit die Gläser mit den Jahren schneller beschlagen, hängt davon ab, wie die Brille behandelt und gepflegt wird. Unter Umständen kann der Prozess schon nach ein bis zwei Jahren beginnen. Mit der Zeit kann außerdem der Schaumstoffrand zwischen Brille und Gesicht bröseln. Schweiß, Feuchtigkeit und Hautabsonderungen setzen dem Schaumstoff stark zu. Liegt der Kunststoffrahmen frei, kann er bei einem Sturz Verletzungen im Gesicht verursachen. Der konkrete Zustand der Brille lässt sich gut selbst kontrollieren.“

DSV-Skiversicherung: für den Ernstfall vorsorgen

Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Gefahr eines Materialbruchs – auch ohne Sturz. Eine DSV aktiv-Mitgliedschaft inklusive Skiversicherung ist nicht zuletzt deshalb für jeden Skisportler sinnvoll. Sie greift bei Unfall und Krankheit sowie bei Schäden an Ski, Schuhen und Helm. Mehr Informationen dazu finden Interessierte im Netz unter www.ski-online.de.

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