vergrößernverkleinern
Zu Besuch bei Mammut
Zu Besuch bei Mammut
Roman Lachner -

Dieses Mal hat es uns in die Schweiz geführt, um bei Mammut hinter die ­Kulissen blicken zu dürfen. Als Exil-Bayern hat es Fabian Erhard in die PR-Abteilung des ­Outdoor-Giganten verschlagen.

Hi Fabian, du bist aus dem Münchner Raum nach Seon gezogen. Wie kommst du in der Schweiz zurecht? Manch ein zu­ge­reister Gummihals tut sich mit den Eid­g­e­nossen etwas schwer – und umgekehrt genauso.

Das mit den Zugereisten kenn ich ja aus Bay­ern noch, nur von der anderen Seite. Nein, ich hatte nie Integrationsprobleme, da ich von Anfang an viele Schweizer Freunde hatte. Wenn man zusammen beim Klettern, Skifahren oder Biken unterwegs ist, verbindet das mehr als ein gemeinsamer Pass. Bei Mammut sind wir ja eh eine sehr interna­tionale Truppe und abseits des Schreibtischs ist es dann manchmal auch ein kleiner Bonus, wenn man aus Bayern ist und Dialekt sprechen kann.

mammutErzähl uns doch mal, wie du überhaupt bei Mammut gelandet bist. 90 Prozent al­ler Beschäftigten in der Outdoor-Branche haben in irgendeiner Art und Weise ihr Hobby zum Beruf gemacht. Bei eurer Brand hat man bekanntlich viele Einstiegsmöglichkeiten – vom Klettern über Touren bis hin zum Trailrunning und Skifahren.

Mit 13 Jahren habe ich mit dem Klettern an­ge­fangen und das hat sich – sehr zum Leid­wesen meiner Eltern und Lehrer – ir­gend­wann zum Vollzeit-Hobby entwickelt. Irgendwann war ich dann beim DAV recht en­gagiert, hab Wettkämpfe organisiert, moderiert und sogar mal eine Kletterhalle als Stellvertreten­der Geschäftsführer und sport­li­cher Leiter geführt. Der Bergsport und die Outdoor-Branche haben mich eigentlich immer begleitet und daher war es immer mein Wunsch, das Schreiben und PR mit dem Job zu verbinden. Bei Mammut passt das alles so ziemlich wie Arsch auf Eimer.

Was genau ist denn nun deine Aufgabe bei Mammut? 

Ich bin PR-Manager und zusammen mit mei­nem Team für die ganze Öffent­lich­keits­ar­beit verantwortlich. Das fängt bei der Pro­dukt-PR an, geht über die interne Kom­mu­­ni­kation mit unserem Mutterunternehmen und über die mediale Aufbereitung von Athletenprojekten sowie Kampagnen und endet dann bei Messen, dem Betreuen von Journalisten und Medienpartnern und der Unterstützung der Geschäftsleitung bei Interviewfragen. Ein recht bunter Strauß also.

Welche Abteilungen sind noch in Seon ansässig und wie viele Leute sind hier überhaupt beschäftigt?

In Seon ist das Head Office mit Produktentwicklung, Design, Innen- und Außendienst, Channel Management, Innovation, Marketing, Buchhaltung etc. Wir haben in Seon sogar noch eine Schuhwerkstatt und einen Customer Service, der fast alle ­Reparaturen selbst macht. Zurzeit arbeiten gut 250 Personen im Mammut-Hauptquartier.

mammut_03

Lass uns doch mal beim Skisport bleiben. Worin sieht Mammut seine Kernkompetenz – also eher in der Outerwear oder bei der Lawinenausrüstung? Gerade der Markt an Lawinenrucksäcken ist in den letzten Jahren extrem stark gewachsen.

Das stimmt, der Freeride-, aber auch Skitourenmarkt ist sicher dichter geworden. Mammut war schon immer führend bei den Snow-Safety-Produkten, also LVS, Schaufel, Sonde und seit ein paar Jahren natürlich auch Lawinenairbags. Neben dem Barryvox gehören unsere Avalanche Airbags sicher zu den besten auf dem Markt. Unsere Freeride- und Skitouren-Kollektionen sind zwar noch relativ junge Produktbereiche, die jedoch gut angenommen werden. Wir sind weniger die Brand, die die jungen Wilden im Funpark tragen. Doch eine „Alyeska Realization“-Skihose mit integriertem Klettergurt sieht man dafür in Chamonix, wenn es darum geht, sich in steilen Rinnen abzuseilen, um die ersten Turns zu ziehen.

Und im Vergleich vom Sommer zum Winter? Mit dem Boom von Hiking, Trekking und anderen sommerlichen Outdoor-Aktivitäten tut sich der kränkelnde Winter sicher schwer, da mithalten zu können.

Das würde ich gar nicht so sagen, da wir im Winter ja nicht nur Freeride- und Skitouren-Produkte im Portfolio haben, sondern vieles unserer Hardware und Bekleidung auch für das Bergsteigen und Klettern entwickelt wird – und das geht ja ganzjährig. Zum Eisklettern und auf (Ski-)Hochtour brauche ich gute Hardshells, Handschuhe, Gurte, Seile etc. Diese Produkte laufen daher das ganze Jahr durch.

Wie siehst du die Entwicklung, dass anscheinend alle Produkte immer leichter konstruiert werden? Gerade bei den Lawinenrucksäcken ist ja fast eine Battle um den leichtesten Backpack entbrannt.

Ganz ehrlich, wir finden es sehr gut, dass auch andere Brands gute Lawinenairbags her­stellen und damit das Thema Schnee­sport­sicherheit auf die Agenda bringen. Unter den Freeridern gehört der Airbag bei den meisten eh schon zum erweiterten Si­cher­heitspaket, aber viele Tourengeher den­ken immer noch, dass ein Avalanche Airbag gar nicht leicht und bequem sein kann. Unser „Ultralight Removable Airbag 3.0“ checkt komplett mit System, Rucksack und Kartusche bei 1,5 Kilo ein – da muss kei­ner mehr sagen, das sei zu schwer, auch nicht für eine 2.000-Höhenmeter-Skitour. Dann sag ich: lieber mehr trainieren und die Schenkel quälen als den Pack zu Hau­se zu lassen! Aber ich bin schon auch gespannt, wohin die Reise gewichtsmäßig noch geht.

mammutFast die Hälfte eurer Produkte wird ja in China gefertigt. Wie bekommt ihr die Kontrolle da gestemmt, dass keiner eurer Zulieferer oder Produzenten nicht doch die Standards der Fair Wear Foundation (FWF) verletzt? Seit acht Jahren hat sich Mammut diesem Kodex verpflichtet, der unter anderem Kinderarbeit ausdrücklich verbietet.

Die Audits der Fair Wear Foundation sind superstreng und wir müssen da jedes Mal ganz schön die Hosen runterlassen. Doch die Mühe lohnt sich, denn wir sind seit Jahren nun als Leader in der Fair Wear Foundation gelistet. Unsere Produktmanager be­suchen unsere Fertigungen regelmäßig und auch unser Qualitätsmanagement und unser CSR-Verantwortlicher schauen da sehr genau hin, dass alle Standards einge­halten werden. Wir lassen bei sehr modernen Produktionsstätten wie zum Beispiel KTC fertigen. Da gibt es Kinderbetreuung, fri­sches Essen auf den Tisch und hochmo­der­ne Arbeitsplätze. Das ist mittlerweille fast „rocket science“, wie dort Ware hergestellt wird.

Auch in Sachen Umweltschutz habt ihr nach­­gerüstet. Magst du uns kurz erzählen, wie ihr euch mit Greenpeace geeinigt habt, nachdem sich die Umwelt­schutz­organisation über die Verwendung von per- und polyfluorierten Chemikalien bei euren Produkten beschwert hatte.

Nur um das hier auch mal offen und ehrlich zu sagen: Wir finden die Detox-Kampagne von Greenpeace im Kern gut und unterstützen die Agenda. Dass Green­peace die Outdoor-Industrie und Mammut repräsentativ als schwarzes Schaf der Branche dargestellt hat, fanden wir allerdings nicht ganz okay. Die Sportbranche ist für weniger als ein Prozent des gesamten PFC-Ausstoßes verantwortlich und im Gegensatz zu anderen sehr großen Indus­trie­zweigen seit Jahren an dem Thema zum PFC-Ausstieg dran. Wir arbeiten seit vielen Jahren an Alternativen und seit der Kampagne kommunizieren wir diesen Prozess nun offen auf unserem Blog. Im Dezember wollen wir eine umfangreiche Policy vorlegen. Außerdem stehen wir mit Greenpeace und anderen Marken zu dem Thema in regelmäßigem Kontakt. Auch der Austausch mit unserem Partner GORE ist zentral bei der Suche nach Alternativen.

Was geht im Sommer bei euch so ab? Schließlich liegt Seon ja nur einen Steinwurf vom Hallwilersee.

Als Surfer bin ich noch nicht so weit, dass ich mir ein SUP kaufe, aber zum Baden geht’s natürlich an den See. Wenn genug Zeit ist, gehen wir auch gern nach der Arbeit klettern oder mit den Bikes shredden – die Felsen und Wälder im Aargau und nahen Jura haben durchaus was zu bieten. Und sonst wird halt ein wenig Longboard gefahren und gegrillt.

mammut

Und im Winter? Wohin führst du deine Tele­mark-Latten aus, wenn’s wieder mal fett gedumpt hat?

Hast wohl gedacht, dass hier noch ein Secret Spot rausspringt... Da ich am Eingang vom Engelberger Tal wohne, muss ich eigentlich nie ins Auto steigen, sondern kann an guten Tagen sogar bis in den Garten fahren. Aber ansonsten sind ja Andermatt, das Brienzer Rothorn oder bei schlechtem Nordwetter das Tessin nicht weit. Man findet immer ein Platzerl, wo es fett ist und dennoch nicht zu viele Nasen schon alles platt gemacht haben.

Mammut Unternehmen, Standort Seon

Früher waren die Falquet-Brüder eure absoluten Aushängeschilder. Jetzt dürfte es wohl Jérémie Heitz sein. Wo führt die Reise mit euren Athleten hin?

Ich hoffe, immer wieder sicher nach unten! Nein, im Ernst: Was Jérémie da mit seinem Steep-Skiing-Projekt „La Liste“ vom Stapel lässt, ist schon krass! Es gibt ja nun doch ein paar Rider, die gut und steil Ski fahren können, aber der Bursche ist so schnell und elegant unterwegs, das ist einfach der Hammer! Den ganzen Film hab ich leider noch nicht gesehen, aber auf der EOFT kann man sich ja eine Kurzversion ab jetzt schon reinziehen. Aber liebe Kinder: Don’t try this at home!

Und generell? Vor zwei Jahren hat Mammut sein 150-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Was ist bei euch als Unternehmen in Zukunft noch geplant?

In erster Linie wird es immer darum gehen, gute Produkte für unsere Kernzielgruppen zu machen und packende Geschichten zu erzählen. Nächsten Sommer kommen wir mit einer Boulder-Kollektion raus und ihr dürft euch auf die kommende Ispo freuen... Außerdem haben wir ein großarti­ges Pro Team und die Jungs und Mädels ha­ben etliche spannende Projekte in der Pipe­line. Was genau, darf ich natürlich nicht verraten. Sonst wäre ja ein sehr cooler Teil meiner Arbeit demnächst überflüssig.

www.mammut.ch

 



Mehr Freeski News findet ihr auf PRIME Skiing

© Primesports.de

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel