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The World of Snowboarding – Burton
The World of Snowboarding – Burton
Felix Schäfer -

The World of Snowboarding – Burton. Was wisst ihr eigentlich über das große B? Über die Firma, die Snowboarden wie keine zweite geprägt hat? Testet euer Wissen und nehmt am Gewinnspiel teil!

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Wir alle kennen die Firmen, mit deren Produkten wir uns ausstatten und doch wissen wir von ihnen so gut wie nichts. Ein Umstand, der eigentlich schade ist, denn irgendwo im Kreislauf der Snowboardwelt kreuzen sich unabdingbar unsere Wege. Wir können ohne Snowboards nichts mit dem Winter anfangen und die Industrie nichts mit ihren Produkten, wenn es euch nicht gäbe. In Zeiten von Big Data wissen viele Firmen wesentlich mehr über ihre Kunden als andersherum. Das ist kein Grund zur Sorge, aber als seriöses Snowboard-Magazin sehen wir es als unsere Aufgabe an, euch hier und da ein wenig Nachhilfe für euer Fach geben. Also aufgepasst, hier kommt die The World of Snowboarding-Nachhilfestunde.

Burton

An einem hat sich nichts geändert: Jake ist noch immer ein leidenschaftlicher Tüftler | © Burton An einem hat sich nichts geändert: Jake ist noch immer ein leidenschaftlicher Tüftler | © Burton

Als Jake Burton Carpenter anfing, in seiner Garage in Vermont Snowboards zu bauen, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, wo sein kleines Brand Burton einmal landen würde. Vierzig Jahre später ist Burton zu einer der größten und wichtigsten Marken im Snowboarden herangewachsen. Sie hat die Entwicklung vom Trend zum absoluten Mega-Boom mitgemacht, ist in der Realität gelandet und es geschafft, sich zu etablieren. Eine solche Geschichte kann nicht ohne Rückschläge und schwere Zeiten erzählt werden, doch am Ende ist Burton dem treu geblieben, was es von Anfang an ausgemacht hat: Snowboarden. Wir können uns unseren Sport nicht vorstellen, hätte es Tüftler und Unternehmer wie Jake oder Fahrer wie Craig und Terje nicht gegeben. Es wird spannend, wie sich die Zukunft des Snowboardens entwickeln wird, doch dass sie ohne Burton stattfinden wird, ist undenkbar.

Vom Snurfer zum ersten Snowboard

Snowboarden wäre nicht da, wo es heute ist, hätte sich Jake Burton Carpenter nicht Mitte der 70er Jahre in seiner Garage in Vermont daran gemacht, Snowboards zu shapen. Diese zunächst noch recht einfachen Snowsurfer waren die Grundlage dessen, was zu jenem Unternehmen heranwachsen sollte, das maßgeblich für die Entwicklung unseres Sports in allen seinen Facetten verantwortlich war. Jake wuchs in New York auf und war begeisterter Skifahrer. Ein Autounfall setzte seiner aktiven Rennlauf-Karriere jedoch ein vorzeitiges Ende. Nachdem er die Uni erfolgreich abgeschlossen hatte, kam er in Kontakt mit einer kleinen Erfindung, die sein Leben verändern sollte. Sherman Poppen, ein Tüftler aus Michigan, hatte den Snurfer erfunden. Auf der Suche nach einem neuen Spielzeug für seine Töchter baute er zwei kurze Ski zusammen, mit denen sie den Hang in seinem Garten herunterrutschen konnten. Das Ganze glich einem Monoski, doch man stand darauf wie auf einem Skateboard.

Jake Burton auf einem seiner frühen Prototypen | © Burton Jake Burton auf einem seiner frühen Prototypen | © Burton

Der Snurfer stieß schnell auf Begeisterung und fand zahlreiche Anhänger. Auch Jake war von der Idee, seitwärts durch den Schnee zufahren, begeistert und experimentierte mit seinen eigenen Ideen. Bei den World Snurfing Championships 1979 in Grand Rapids, Michigan, trat Jake bereits mit einem seiner ersten Snowboards an. Im Gegensatz zu den Snurfern hatte sein Board schon eine rudimentäre Bindung, die aus zwei Schlaufen bestand, in die man mit den Füßen stieg und deutlich mehr Kontrolle über das Brett hatte. Die Anfangstage waren jedoch für Jake nicht einfach, denn er musste die vielen Prototypen von Hand herstellen, um sie bei verschiedenen Verkäufern und potenziellen Kunden vorzustellen. Verkauf, Reparaturen, Versand – Burton Snowboards war mehr oder weniger ein Ein-Mann-Unternehmen in diesen Tagen.

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Unbeliebt im Skigebiet

Snurfern und Snowboardern war es zu jener Zeit streng untersagt, auf den Pisten gemeinsam mit Skifahrern zu fahren. Dem alteingesessenen Skibetrieb waren diese seltsamen Bretter ungeheuer, man warf den Snowboardern vor, unkontrolliert zu fahren und befürchtete, dass die Verletzungszahlen in die Höhe schießen würden. Doch Jake ließ sich von diesen Vorurteilen nicht entmutigen und begann, mit den Liftbetreibern zu verhandeln. Als schließlich die ersten einwilligten, den Snowboardern Zugang zu Liften und Pisten zu gewähren, konnte er bereits einige seiner handgefertigten Snowboards anbieten.

>> Der Schritt nach Europa

Auf nach Europa

Im Laufe der nächsten Jahre entwickelte er seine Designs weiter und schaffte es, dass sie nicht mehr nur im Tiefschnee funktionierten, sondern dank Stahlkanten auch auf hartem Untergrund. Ein wichtiger Schritt, denn der Boom des Snowboardens war nun nicht mehr aufzuhalten, immer mehr Skigebiete öffneten ihre Türen für Snowboarder. 1985 konnte Jake bereits gemeinsam mit Hermann Kapferer in Innsbruck einen europäischen Standort für Burton Snowboards eröffnen. Innsbruck ist bis heute eine der wichtigsten Divisionen und Produktionsstätten des Unternehmens geblieben.

Der Eingang des Burton-Stores in Innsbruck | © Burton Der Eingang des Burton-Stores in Innsbruck | © Burton

Innerhalb weniger Jahre schaffte es Burton, seine Boards in über 30 Länder der Welt zu verkaufen und wurde zu einem der stärksten Antriebskräfte für die Entwicklung des Sports. Dazu gehören bis heute einige der wichtigsten Contests im Snowboarden, wie etwa die Burton US Open, die Burton Qualifiers, das Burton Mountain Festival und die Burton Rail Days. Bis vor wenigen Jahren war Burton ebenfalls Hauptsponsor der European Open in Laax, die mittlerweile jedoch von dem Schweizer Skigebiet selbst ausgetragen werden.

>> Erfindungen, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind

Innovationen

Es gibt einige herausragende technische Errungenschaften, die das Brand über die vergangenen Jahre entwickelt hat. Die Squeezebox-Technologie beschreibt den Mix aus harten und weichen Flex-Zonen in einem Board, die je nach Einsatzbereich variiert werden können. Die Idee dahinter ist, durch die Variationsmöglichkeiten mehr Brettgefühl, mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, mehr Pop oder eine höhere Fehlerverzeihung zu erreichen. Das wird auch gerade durch die FSC-Holzkerne erreicht, bei denen vertikale Schichten von Hart- und Weichholz verwendet werden, um eine Gewichtsreduzierung zu erreichen. Bei Bindungen war vor allem die Entwicklung des "The Channel"-Systems wegweisend. Hierbei werden die Bindungen nicht mehr auf vorinstallierte Inserts aufgeschraubt, die nur eine bestimmte Anzahl an Variationen beim Bindungsabstand zulassen, sondern auf eine Art Schlitz geschoben und mit nur noch zwei statt der üblichen vier Schrauben links und rechts außerhalb der Bindung fixiert. Dadurch ergeben sich millimetergenaue Einstellungsmöglichkeiten für den individuellen Bindungsabstand und man hat keine Schrauben mehr unter den Füßen, die das Brettgefühl beeinflussen können.

Als Burton "The Channel" auf den Markt brachte, waren solche Lehrvideos wie von Blue Tomato hilfreich, um mit der neuen Technologie zurechtzukommen | © Blue Tomato Als Burton "The Channel" auf den Markt brachte, waren solche Lehrvideos wie von Blue Tomato hilfreich, um mit der neuen Technologie zurechtzukommen | © Blue Tomato

Auch was Boots angeht, hat sich viel verändert. Glücklicherweise muss heute niemand mehr in seine getapten Sorels steigen, um shredden zu gehen. Das "Speed Zone"-Schnürsystem ist unauffällig und ermöglicht es, den Boot im unteren und oberen Bereich individuell anzupassen. Ein System, das sich bewährt hat und daher in den meisten aktuellen Boots verwendet wird. Die neueste Entwicklung im Bereich Boots und Bindung ist das "Step on"-System, das ab dem Winter 2017/18 erhältlich sein wird. Es gibt noch immer viele, denen das Einstrappen in die Bindung lästig und unnötige Zeitverschwendung ist. Mit diesem System sollen auch diese Leute die Technologie finden, die sie benötigen, um Spaß am Snowboarden zu haben. Burton ist nicht die erste Firma, die mit dieser Idee auf den Markt kommt, doch nachdem andere Firmen diese sogenannten "Klicker"-Bindungen nur noch im Splitboard-Bereich verwenden, bringt Burton die Idee ins All-Mountain-Snowboarden zurück

Der neueste Streich in Sachen Boot- und Bindungs-Technologie | © Transworld Snowboarding/Gabe L’Heureux Der neueste Streich in Sachen Boot- und Bindungs-Technologie | © Transworld Snowboarding/Gabe L’Heureux

Burton hat sich auch als Firma insgesamt weiterentwickelt. Nachdem der große Boom im Snowboarden unweigerlich zu einem Stopp kommen musste, begann das Brand, seine Fühler in andere Bereiche auszustrecken und sein Produkt-Portfolio zu erweitern. Heute sieht es sich vor allem als Snowboard und Mountain Lifestyle Brand, zu dessen Sortiment nun auch Camping-Equipment, Rucksäcke, Taschen und viele verschiedene Kollaborationen gehören.

>> 40 Jahre Snowboarden

Standing Sideways for 40 years

Snowboarden wird jedoch wohl immer Kern- und Hauptgeschäft des Brands bleiben. Seit mehr als 40 Jahren schreibt Burton nun an der Geschichte des Snowboardens mit. Viele der Fahrer, die wir heute als wegweisend für die verschiedenen Entwicklungen betrachten, sind im Team von Burton groß geworden. Es sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Ein Umstand, der für sich spricht.

Jeff Brushie & Terje Haakonsen haben Snowboarden mit seinem Style und seinem Charakter nachhaltig geprägt. Und auch ihre Pro-Models sind bis heute legendär | © Burton Jeff Brushie & Terje Haakonsen haben Snowboarden mit seinem Style und seinem Charakter nachhaltig geprägt. Und auch ihre Pro-Models sind bis heute legendär | © Burton

Burton hat in seiner Geschichte jedoch nicht nur Glanzzeiten vorzuweisen und für einige Entscheidungen herbe Kritik aus der Szene erfahren. Doch natürlich ist es immer einfacher, an einer großen Firma Kritik zu üben als an einem kleinen Brand. Eine Firma in der Größenordnung wie Burton muss Entscheidungen treffen, die nicht überall Zustimmung finden werden, aber notwendig sind, um bestehen bleiben zu können. Und schließlich hat sich an einer Sache nichts geändert: Snowboarden ohne Burton kann man sich nicht vorstellen. Zu groß ist der Verdient, den Jake Burton Carpenter in unserem Sport geleistet hat, zu vielfältig die Innovationen und zu wichtig die Fahrer von damals und heute. Vierzig Jahre sind eine lange Zeit, wir sind gespannt, was sich in den nächsten vierzig tun wird.

>> Auf der nächsten Seite bekommt ihr einige Infos zu Burton's neuer Step-on-Bindung

Aus: Prime Snowboarding #11

Burton – Step On®

Für die nächste Saison nimmt sich Burton einem Konzept an, das in ähnlicher Form bereits in der Vergangenheit aufgegriffen und angegangen wurde. Die letzte Entwicklung in diesem Bereich beschränkte sich jedoch auf Splitboards, um so schnell und einfach wiemöglich in die Bindung zu kommen.

Der neue Men's Photon Step on® und Women's Felix Step On® | © Burton Der neue Men's Photon Step on® und Women's Felix Step On® | © Burton

Bei Burton hat man sich nun in den letzten vier Jahre nerneut dem Thema der Step-in-Bindung gewidmet, unzählige Prototypen gebaut, getestet, verworfen oder verbessert, bis die Tüftler aus Vermont bei einem Design landeten, das ihren Vorstellungen und Anforderungen entsprach. Das neue System nennt sich "Step on®". Der Name beschreibt exakt den Vorgang, wie man dieses neue Bindungs-System handhabt. Man tritt darauf, der Rest geschieht von alleine. Die "Step-on®"-Bindung von Burton unterscheidet sich in einigen wesentlichen Features von den Modellen, die es davor gab, allem voran bei den Boots. Einer der großen Nachteile der bisherigen Versuche, diese Art der Bindungzu etablieren, war der Umstand, dass an der Sohle der Boots die Metallteile angebracht wurden, die nötig waren, um Boot und Baseplate miteinander zu verbinden. Stellen, die leicht vereisten oder so voller Schnee waren, dass man nicht mehr einrasten konnte.

Links: Men's Step on®, rechts: Women's Step on® | © Burton Links: Men's Step on®, rechts: Women's Step on® | © Burton

Burton's System funktioniert anders. Am Boot selbst (wie hier am Photonzu sehen) befindet sich an der Ferse der "Heel Cleat", der ähnlich den Buckles eines herkömmlichen Straps funktioniert und automatisch im Highback in den "Heel Buckle" einrastet, sobald man in die Bindung tritt. Gleiches Prinzip erfolgt bei den "Toe Cleats", die im vorderen Fußbereich rechts und links angebracht sind und in den "Toe Hooks" der Bindung einhaken. Der Ankle Strap wird durch den "Snugger Strap" mit Boa® ersetzt, mit dem sich Fersenhalt und Forward Lean manuell einstellen lassen. Mit einem kurzen Zug an einem seitlich an der Bindung angebrachten Hebel wird der Boot ausgelöst. Für die Entwickler war es das Wichtigste, dass sich unter dem Boot, das heißt am Fahrgefühl und dem Kontakt von Boot und Board, nichts ändert. Das hat Burton mit "Step on®" geschafft und man darf davon ausgehen, dass viele, die vom Herunterbeugen und Ratschen genervt waren, auf diese Weise wieder mit dem Snowboarden versöhnt werden können.

 


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