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Stephon Marbury (r.) ist zweimaliger NBA-All-Star. © Sport1

Kult und viel Kohle: Immer mehr große Namen gehen in die CBA. Nicht jeder wird so heimisch wie Musical-Star Stephon Marbury.

Von Julian Galinski

Chengdu liegt in der chinesischen Provinz Sichuan und damit rund 1500 Kilometer vom pazifischen Ozean entfernt.

Die Basketball-Profimannschaft der Zehn-Millionen-Stadt nennt sich Sichuan Blue Whales: "Blauwale".

Und in der kommenden Saison wird Metta World Peace für das Team spielen, der ehemalige Ron Artest, in der Defense oft genauso flink wie mit seinen Fäusten.

Heißen wird er dann aber wohl ganz offiziell "Xiongmao Zhiyou". Was übersetzt bedeutet: "Der Freund des Pandas".

Der bisherige NBA-Profi erklärte, damit das tierische Wahrzeichen der Provinz ehren zu wollen.

Das passiert also, wenn ein Verrückter in einem Basketball-verrückten Land anheuert - und dafür mit 1,4 Millionen Dollar für eine Saison entlohnt wird. Skurrilitäten hat der chinesische Basketball einige zu bieten.

Henning Harnisch, Vizepräsident von Alba Berlin, ist so etwas wie der China-Botschafter des deutschen Basketballs. Als Vizepräsident von Alba Berlin hat er in den vergangenen zwölf Monaten vier Mal das Land besucht.

Bei SPORT1 erklärt der Europameister von 1993 das ganz spezielle Wesen des Sports in der Volksrepublik.

"Basketball spielt eine überragende Rolle"

"In China spürt man eine tiefe Liebe zum Basketball", sagt Harnisch, "der Sport spielt eine überragende Rolle. Es gibt so viele Menschen, die selbst spielen oder sich zumindest für Basketball interessieren."

Als Verantwortlicher für die Jugendarbeit in Berlin knüpft der 46-Jährige in China Kontakte und organisiert Partnerschaften, zuletzt schloss Alba Verträge mit den Verbänden in Schanghai und Peking ab.

"Wir wollen spürbar und sichtbar werden, als der Verein, der den so wichtigen Austausch der beiden Länder über das Medium Basketball hergestellt hat", sagt Harnisch. "Und das beginnt mit der Arbeit an den Wurzeln, an den Schulen und Universitäten."

Ein Trikotsponsor aus China?

Im Idealfall, um langfristig auf dem chinesischen Markt präsent zu sein und vielleicht auch Sponsoren aus der dortigen Wirtschaft zu gewinnen.

"Wer weiß, vielleicht stammt eines Tages unser Trikotsponsor aus China", sagt Harnisch.

Das Budget für Basketball ist in China jedenfalls vorhanden. Deon Thompson etwa verdient bei den fliegenden Leoparden rund 700.000 Dollar netto in seiner Saison - was ihm kein deutscher Verein gezahlt hätte, auch der FC Bayern nicht.

"Die Rolle der Amerikaner in der CBA ist überragend", sagt Harnisch. "Manche wärmen sich nicht mal zusammen mit der Mannschaft auf und wohnen die gesamte Saison über im Hotel."

"Am Ende geht es ums Geld"

Dass Spieler die chinesische Kultur, das echte Leben dort so absorbieren wie Stephon Marbury, kommt seltener vor. "Für viele Amerikaner - und ihre Agenten, die ein wichtige Rolle spielen - geht es am Ende ums Geld, nicht um die kulturelle Erfahrung", sagt Harnisch.

Die ganz großen Stars des Sports, Yao Ming aus China oder US-Riesen wie LeBron James werden nahezu vergöttert.

"Die Verehrung der NBA-Stars ist extrem und lässt eine große Sehnsucht erkennen", sagt Harnisch. Kobe Bryant etwa, dank der Mithilfe seines Sponsors Nike, ist dort so etwas wie eine lebende Legende.

Auf dem chinesischen Sportsender "CCTV-5" läuft während der Saison jeden Tag, also dort jeden Vormittag, ein NBA-Spiel und Millionen schauen zu.

Die CBA spielt auf dem Niveau der D-League

Auch die CBA wird nach dem US-Vorbild inszeniert. "Das ist total anders als in Deutschland, vielleicht vergleichbar mit den Anfängen der BBL vor 15 Jahren, als diese sich noch wilder inszenieren wollte", sagt Harnisch.

Musikeinspieler etwa enden nicht an der Mittellinie, manchmal wird dauerbeschallt.

"Ob die Liga die richtige für die Entwicklung eines Spieler ist, darf man zumindest bezweifeln", sagt Harnisch. "Vom spielerischen Niveau her sehe ich die Liga vergleichbar mit der D-League."

Nur, dass sie für Amerikaner eben meist deutlich besser bezahlt ist. Für 1,4 Millionen Dollar wird der Blauwal, der einst Ron Artest hieß, dann eben auch mal zum Panda.

"Nun, vielleicht findet er in China tatsächlich seine Heimat und seinen Frieden", sagt Harnisch ganz diplomatisch.

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