vergrößernverkleinern
Da freut sich Marco Baldi: Vorrundenspiele der EuroBasket 2015 finden in Berlin statt
Da freut sich Marco Baldi: Vorrundenspiele der EuroBasket 2015 finden in Berlin statt © SPORT1

München und Berlin - Nach der Vergabe von EM-Spielen nach Berlin glaubt ALBA-Manager Marco Baldi fest an einen Schub für seinen Sport.

Deutsche lieben Großereignisse.

Dieser Eindruck drängt sich einem auf. Bei der Fußball-WM 2006 war das so. Und bei der Handball-WM 2007, als Deutschland zum Titel stürmte und der Eishockey-WM 2010, als das DEB-Team völlig überraschend im Halbfinale stand.

Diesmal soll der Basketball dran sein. Die Vorrundengruppe der EuroBasket 2015 mit dem DBB-Team steigt in Berlin.

"Das ist eine Riesenchance für den Basketball in Deutschland", sagt Marco Baldi, Manager von ALBA Berlin und Präsidiumsmitglied der Beko BBL im Gespräch mit SPORT1. "Diese muss jetzt mit beiden Händen ergriffen werden."

Baldi verspricht sich einen großen Schub für seine ohnehin im Trend liegende Sportart und vielleicht eine einmalige Chance, in der Gunst der Fans dem Handball und Eishockey davonzuziehen.

Bis zu 90 Millionen Euro

Als weitere Gruppen-Spielorte neben Berlin, wo in der O2-World oder der Max-Schmeling-Halle gespielt wird, wurden unter acht Bewerbern Zagreb/Kroatien, Riga/Lettland und Montpellier/Frankreich ausgewählt. Die Finalrunde der 39. EM (5. bis 20. September 2015) wird im französischen Lille ausgespielt. Ursprünglich war die Ukraine als Austragungsort vorgesehen. Doch der Konflikt zwischen russischen Separatisten und der ukrainischen Armee im Osten des Landes macht dies unmöglich.

Ein trauriger Umstand. Der deutsche Basketball will von der Neuvergabe profitieren. "Es geht darum, die großen Fortschritte der vergangenen Jahre zu dokumentieren", meint der 52 Jahre alte Baldi. "Was Umsatzvolumen und Zuschauerresonanz betrifft, sind wir am Handball vorbeigezogen."

Die Liga sei deutlich wettbewerbsfähiger geworden, schildert er, die Klubs spielen international auf einem höheren Niveau als noch vor einigen Jahren. "Das muss sich in der Nationalmannschaft widerspiegeln, das muss unser aller Ziel sein."

Was Baldi genau meint, lässt sich anhand aussagekräftiger Zahlen nachvollziehen. Binnen der vergangenen fünf Jahre verdoppelten sich die Budgets der BBL-Klubs auf bis zu 90 Millionen Euro.

Baldi mahnt auch

"Daran sieht man, wie schnell und wie stark der Basketballmarkt gewachsen ist", sagt er und stellt einen Zusammenhang mit der kommenden EuroBasket her. "Ein solches Großereignis wird weiter beflügeln."

Er sieht viel Entwicklungspotenzial bei seiner Sportart. Die Chance für den nächsten Schub sei da, "und die müssen wir nutzen". Doch Baldi ist bekannt dafür, ein Mahner zu sein. Und so hebt er auch diesmal warnend den Zeigefinger.

"Es gab 1993 eine EM im eigenen Land, die Deutschland völlig überraschend gewann und alle haben über einen Boom gesprochen", erzählt er. "Doch dieselben haben sich hinterher gefragt, wo denn der Boom geblieben ist."

Dirk Nowitzki retweetet und freut sich mit:

Kampf um Platz hinter Fußball

Der Kampf um den zweiten Platz hinter dem Fußball sei vielmehr eine stetige Entwicklung, sagt er. Ein Strohfeuer abzubrennen, bringe nichts. Sonst drohe der ganze Effekt zu verpuffen, meint er und hat beim Bestreben nach mehr Aufmerksamkeit unschlüssige Fans und Investoren im Blick.

"Es gibt viele, die sich für Basketball interessieren und keine Hardcorefans sind. Die können wir durch eine erfolgreiche Performance bei der EuroBasket aktivieren", meint er und nennt neue Multifunktionshallen mit besserer Infrastruktur und viel größerer Zuschauerkapazität als Gründe für den Aufwärtstrend in den vergangenen Jahren.

"Die Qualität hat sich enorm verbessert. Das reizt Investoren, Sponsoren und Zuschauer", sagt er. Leute, die noch nicht so oft den Weg in die Hallen gefunden haben, könnten nicht zuletzt durch die Europameisterschaft elektrisiert werden, glaubt er. "Der DBB weiß, welche Chance er sich geschaffen hat."

Verband in der Pflicht

Er sieht diese gleichzeitig als Pflicht. "In jüngster Vergangenheit wurde etwa mit der Bundestrainerfrage nicht glücklich umgegangen. Aber jetzt hat man Planungssicherheit", meint er. "Ich bin mir sicher, dass der DBB diese Chance verwerten wird."

Doch für eine erfolgreiche Vermarktung bedarf es neben einer sorgfältig durchdachten Imagekampagne Namen, im besten Fall den größten, den der deutsche Basketball bisher hervorbrachte.

"Es ist immer großartig, wenn Dirk da ist", sagt er. Ein Comeback von NBA-Superstar Dirk Nowitzki ausgerechnet in der Heimat ist nicht nur für ihn ein entscheidendes Kriterium bei der Aufwertung der eigenen Sportart. Doch Baldi bleibt ein Mahner.

"Im Zweifel ohne Nowitzki"

"Wir kennen die Schwierigkeiten. Ob das jetzt die Dallas Mavericks sind, die Dirk keine Freigabe erteilen oder seine Kräfte, mit denen er haushalten muss", sagt er. In der Tat ist die Teilnahme des mittlerweile 36 Jahre alten Superstars am Turnier lange noch nicht sicher.

"Dirk weiß, wie herzlich willkommen er ist", sagt er. "Aber es muss im Zweifel auch ohne ihn gehen."

Doch Baldi lebt den Traum einer erfolgreichen EuroBasket mit dem Altstar. Der Basketball will vorlegen. 2017 steigt die Eishockey-WM in Paris und Köln; 2019 die Handball-WM in Deutschland und Dänemark. Es geht um nicht weniger als den zweiten Platz hinter König Fußball.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel