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Svetislav Pesic
Svetislav Pesic führte Deutschland 1993 sensationell zum EM-Titel (l.) © SPORT1/Getty

München - Der Film "Svetislav Pesic - Mehr als ein Trainer" überzeugt vor allem mit Emotionen, dem authentischen Protagonisten und vielen Weggefährten, bleibt aber zu viel Biografie.

Nervös war Svetislav Pesic vor seiner Premiere als Filmstar nicht.

Das musste der Coach des FC Bayern München auch nicht sein, denn in der Dokumentation "Svetislav Pesic - Mehr als ein Trainer" bekommt der Zuschauer keinen Schauspieler vorgesetzt, sondern 100 Prozent Pesic pur.

Der serbische Regisseur Zeljko Mirkovic zeichnet den einzigartigen Triumphzug des legendären Erfolgstrainers durch Basketball-Europa fast schon quälend minutiös nach.

Dabei wird aber schnell klar, dass der Mensch Pesic absolut authentisch eingefangen wird. Darin waren sich bei der Deutschland-Premiere alle Weggefährten sowie ehemalige und aktuelle Spieler einig.

"Der Coach ist auf jeden Fall gut getroffen. Es war sehr beeindruckend", sagte Bayern-Spieler Paul Zipser im Gespräch mit SPORT1.

Pesic wird zum zweiten Regisseur

Dabei wollte Pesic zunächst nichts von einem Film wissen. Schließlich sei er ja noch lange nicht am Karriereende angekommen. Auf Bitten des serbischen Sportministers kam die Zusammenarbeit aber dann doch zustande.

Mirkovic merkte aber schnell, wer die Richtung vorgibt. Der "sehr engagierte" Protagonist habe schnell die Rolle als "zweiter Regisseur" eingenommen.

Herauskam dabei fast schon eine Videobewerbung für den Titel Europas bester Coach aller Zeiten, die vor allem mit ihren kleinen Nebengeschichten überzeugt.

Anekdoten sind die Highlights

Natürlich bekommen Basketball-Enthusiasten bei den Bildern vom deutschen EM-Titel 1993 oder Jugoslawiens WM-Coup in Indianapolis gegen die vermeintlich übermächtigen NBA-Stars Gänsehaut.

Dennoch wünscht man sich mehr Anekdoten wie die von Legende Vlade Divac erzählte Trampolinverletzung eines Schlüsselspielers bei der Junioren-WM, als das komplette Team ausgebüchst war, und dem folgenden Wutanfall Pesic'.

Es sind die stärksten der insgesamt 75 Minuten, wenn der Wanderer zwischen den Korbwelten die Philosophie beim FC Barcelona mit einem Schnell-Restaurant vergleicht ("Kommen, Siegen, Verschwinde") oder mit einem alten Freund in der Heimatstadt Pirot Elfmeter schießt.

Einmalige Persönlichkeit

Dann tritt die einzigartige Persönlichkeit des Titelsammlers hervor, der mit den Fußball-Stars Bastian Schweinsteiger und Pep Guardiola oder Barca-Präsident Josep Bartomeu genauso umgeht, wie mit seinem Fahrrad-Mechaniker in Serbien.

Pesic, der nie Coach werden wollte, ist in der Tat mehr als ein Trainer. Er strebt danach, der ganzen Welt um ihn herum die Leidenschaft für Basketball zu vermitteln - nicht nur seinen Spielern.

In Wahrheit ist Pesic ein nimmermüder Lehrmeister - oder Pädagoge, wie Bayerns Heiko Schaffartzik erklärt. Nicht zufällig ist er auch im Film rastlos von einem Ort zum nächsten unterwegs. Auch mit 65 Jahren genießt er dieses Leben, das er nicht als Arbeit empfindet.

Zu wenig Portrait

Selbst Schweinsteiger oder Enkel Luka scheucht er wie seine Profis über den Court und versucht, sie wie ein Missionar für den Basketball zu begeistern.

Nur selten wirft Mirkovic einen Blick auf die Familie um Ehefrau Vera, die ihren Mann auch einfach nur Pesic nennt und 1987 plötzlich mit ins kalte Wasser Deutschland geworfen wurde.

Letztendlich ist das Werk doch mehr Biografie als hintergründiges Portrait, das viele Erinnerungen weckt, prominente Weggefährten zu Wort kommen lässt und allein schon deshalb für Basketball-Fans unbedingt zu empfehlen ist.

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