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Bayern Berlin Bryant Bottermann
John Bryant (l.) kam 2013 aus Ulm zu den Bayern © Imago

München - Das Viertelfinal-Aus kostet den FCB die Chance aufs Double, Heiko Schaffartzik will gegen einen Knacks ankämpfen. Obradovic' Sündenbock vom Sonntag wird für ALBA zum Held.

Soll keiner sagen, der FC Bayern Basketball könne in dieser Saison nichts aus Berlin mitnehmen.

Noch bevor der Pokal-Kracher überhaupt begonnen hatte, trug FCB-Sportdirektor Marko Pesic drei stattliche ALBA-Chroniken durch die voll besetzte O2-World.

Vielleicht hätte sein Vater Svetislav, der einst sieben Jahre lang die Albatrosse betreut hatte und nun die Münchner trainiert, vor dem Tipoff noch schnell einen Blick auf die Schilderungen des ersten Berliner Pokalsiegs, 1997 unter seiner Regie, werfen sollen. Denn zu den Münchnern hat der Erfolgscoach sein Pokalgeschick nicht mitnehmen können.

Svetislav Pesic ist seit 2012 Trainer bei Bayern München
Svestilav Pesic schaffte es mit dem FC Bayern Basketball auch im dritten Anlauf nicht ins Beko BBL Pokalfinale © getty

Auch im dritten Versuch mit den Roten scheiterte er vorzeitig, diesmal bereits im Viertelfinale, mit 69:74.

"Jetzt müssen wir uns neu ausrichten"

In einem Wettbewerb, den der FC Bayern eigentlich hochgestuft hatte auf seiner Agenda. Schließlich liebäugelten viele mit dem Double, um die Meistersaison 2014/15 zu übertreffen.

Doch nun müssen die Bayern bereits beim TOP FOUR im April, für das nun neben Gastgeber Oldenburg ALBA Berlin und die Brose Baskets Bamberg (76:61 in Ulm) qualifiziert sind, zuschauen.

"Das war eins unserer Saisonziele, das haben wir nicht leider nicht geschafft", sagte Heiko Schaffartzik bei telekombasketball.de und will gegen einen Knacks ankämpfen: "Jetzt müssen wir uns neu ausrichten und weiter hart arbeiten, damit uns das nicht zu sehr runtermacht. Einfach aufstehen und weitermachen, das ist glaube ich das Wichtigste."

FC Bayern defensiv "am Limit"

Gut vorstellbar, dass in der neuen Ausrichtung der Eurocup einen noch größeren Stellenwert hat.

Durch ihr frühes Aus in der Turkish Airlines Euroleague war der FCB dorthin abgestiegen, marschierte ohne Niederlage durch die Runde der letzten 32 und trifft Anfang März im Achtelfinale auf Titelverteidiger Valencia Basket.

Und mit der Vorstellung, die die Bayern am Mittwoch über weite Strecken zeigten, dürften sie durchaus Chancen aufs Viertelfinale und mehr haben.

"Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt, speziell in der Defensive, da waren wir am Limit", stellte Pesic fest. Daher behauptete der 65-Jährige auch, "überhaupt nicht" enttäuscht zu sein über die dritte Niederlage in Berlin, seit sich der FCB dort im Juni zum Deutschen Meister machte.

Erneut dem Heimteam unterlegen

Entscheidend war für Pesic neben den "unerklärlichen Ballverlusten" in der Schlussphase der Heimvorteil der Berliner, den er bereits im Vorfeld des Gigantenduells hervorgehoben hatte.

So langsam werden die Auslosungen und Ansetzungen im Pokal zu einem Fluch für die Münchner.

2013 im Halbfinale gegen TOP-FOUR-Ausrichter ALBA verloren, 2014 ebenfalls im Halbfinale beim Turniergastgeber ratiopharm ulm, nun erneut in Berlin.

Dort, wo die Albatrosse in dieser Saison bereits den NBA-Champion San Antonio Spurs und den scheinbar übermächtigen FC Barcelona besiegten, jeweils nach beträchtlichem Rückstand.

Und auch diesmal drehten die Hauptstädter - sieben Minuten vor Ende noch 53:61 hinten - das Blatt und hielten mit 13 Punkten in Folge den Traum vom Pokal-Hattrick am Leben.

Vom Sündenbock zum Matchwinner

"Wir machen das, was wir die ganze Saison am besten machen, und glauben an uns selbst", erklärte Akeem Vargas den Berliner Trumpf. Ganz egal, ob zuvor zwei Bundesliga-Partien und Platz 1 in der Beko BBL verloren gingen. "Wir stehen zueinander, auch wenn's Vorfälle gibt wie letzten Sonntag." (DATENCENTER: Die Tabelle der BBL)

Ach ja, da war ja was. Bei der Pleite in Oldenburg legte sich ALBA-Coach Sasa Obradovic handgreiflich mit Spielmacher Alex Renfroe an, der sich prompt für den Schubser revanchierte.

Vergeben und vergessen, behaupteten beide nach Spielschluss unisono. Und Renfroe (15 Punkte, sechs Assists, fünf Rebounds) dokumentierte die Versöhnung im Schlussviertel höchst eindrucksvoll, traf "große Würfe", wie Mitspieler Niels Giffey lobte, und noch bessere Entscheidungen in den letzten Angriffen.

"Es war gut, danach wieder auf dem Feld zu stehen", spielte Alex Renfroe auf die Auseinandersetzung an, als ihn Obradovic vor dem Team zum Sündenbock für die sich abzeichnende Niederlage machte. Nun wertete er wortgleich mit seinem Trainer: "Das war ein großer Sieg."

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