vergrößernverkleinern
Niels Giffey (ALBA Berlin), Vasilije Micic (Bayern München) und Daniel Theis (Brose Baskets Bamberg) gehören zu den Top-Einkäufen der Beko BBL

München - Pünktlich zum Saisonstart in der Beko BBL analysiert SPORT1-Experte Pascal Roller die Kader der potenziellen Titelkandidaten.

Von Julian Galinski

Die neue Saison in der Beko BBL steht vor der Tür.

Wenige Tage vor dem Auftaktspiel des FC Bayern München gegen den Mitteldeutschen BC (Do.,ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) hat SPORT1-Experte Pascal Roller bei den Topteams der vergangenen Spielzeit einen eindeutigen Trend ausgemacht:

"Die Verantwortlichen halten ihre Teams so gut es geht zusammen", sagt der Ex-Nationalspieler.

Teams setzen auf Kontinuität

Tatsächlich nahmen gerade die Halbfinalisten aus dem Artland und aus Oldenburg eher kosmetische Korrekturen am Kader vor, die Finalgegner aus München und Berlin hielten zumindest ein eingespieltes Grundgerüst an Spielern.

Anders hält man es hingegen bei den Brose Baskets Bamberg: Dort gibt es nach dem Viertelfinal-Aus den Totalumbruch.

Roller macht für SPORT1 den Kadercheck.

• FC Bayern München:

"Die Bayern wollen den nächsten Schritt machen, das ist klar. Und dafür sind Kontinuität und Spieler mit internationaler Erfahrung wichtig", sagt Roller. Allerdings zeigen die Bayern gerade auf der von Trainer Svetislav Pesic als so wichtig erachteten Aufbauposition Mut: Mit dem 20-jährigen serbischen Nationalspieler Vasilije Micic, der fest als Leistungsträger eingeplant ist. "Er bringt alles mit", sagt Roller, "mit Hilfe von Svetislav Pesic und seinen Mitspielern wird er sicher schnell lernen können."

Zum Beispiel von Anton Gavel, "einem der meistrespektiertsten Spieler der Liga", sagt Roller. "Mit seiner Einstellung, seinem Arbeitsethos ist er ein Leader, ohne dass er auch nur den Mund aufmachen muss." Neuer Star auf der Power-Forward-Position ist Schlitzohr Dusko Savanovic, 31 Jahre alt und wie Neu-Center und Vizeweltmeister Vladimir Stimac ebenfalls Serbe.

Mit Jan Jagla kehrt ein alter Bekannter und Verwandter der Bayern-Verantwortlichen Svetislav und Marko Pesic zurück ? diesmal allerdings in weniger exponierter Rolle als in seinen ersten beiden Spielzeiten von 2010 bis 2012.

Das erklärte Ziel der Bayern ist die Titelverteidigung. "Absolut nachvollziehbar", sagt Roller, "alles andere wäre auch wirklich komisch."

• ALBA Berlin:

Der erste Rückschlag ereilte ALBA schon vor dem Start: Star-Guard Jonathan Tabu fällt für drei bis vier Monate aus. Als Ersatz kam der ehemalige Bamberger Alex Renfroe. Unter dem Korb soll zudem der Kroate Marko Banic noch zusätzliche Stabilität verleihen.

Auf der Centerposition hatten sich die Berliner zuvor schon mit Jamel McLean verstärkt, der US-Profi kommt aus Bonn. "Mich wundert, dass ihn nicht schon früher ein Top-4-Team geholt hat", sagt Roller. "Er wird von seinen stärkeren Mitspielern profitieren und sicher noch einen Schritt besser werden können."

Mit Niels Giffey hat ALBA einen umworbenen College-Champion und Nationalspieler geholt. "Er hätte definitiv auch bei noch besseren Teams in Europa spielen können", sagt Roller. "Er ist ein Schlüsselspieler, weil er sehr vieles auf hohem Niveau kann. Aber er muss sich noch an die BBL gewöhnen. Möglich, dass er dafür noch ein bisschen Zeit braucht."

"In der vergangenen Saison kam Berlin ein bisschen aus der Underdog-Rolle", sagt Pascal Roller. "In der neuen kann es in beide Richtungen weitergehen." Heißt: ALBA ist zuzutrauen, wieder Bayerns Hauptkonkurrent um den Titel zu sein - oder aber die einzelnen Puzzleteile fügen sich nicht derart passend zusammen, wie es 2013/14 der Fall war.

"Bamberg hat den klaren Cut gemacht", sagt Roller. Der wichtigste neue Mann könnte Trainer Andrea Trinchieri sein: "Er steht für eine klare Linie und ist sehr begehrt gewesen. Man darf davon ausgehen, dass er offensiven Basketball spielen lassen wird."

Die Liste der in Europa namhaften Zugänge ist lang: Center Trevor Mbakwe etwa kommt aus Rom, der neue Star auf der Aufbauposition soll Bradley Wanamaker werden. Mit Dunking-Maschine Daniel Theis holten die Baskets den wohl begehrtesten deutschen Spieler nach Bamberg. "Viele neue Spieler brauchen natürlich Zeit, um zusammenzuwachsen", sagt Roller. "Aber ich weiß, dass die italienischen Coaches sehr gut scouten und sehr auf die Zusammensetzung ihres Teams achten."

Eine wichtige Rolle bleibt auch den verbliebenen Deutschen um Elias Harris und Karsten Tadda - um die Neuen, zu denen auch Janis Strelnieks, Carlon Brown, Dwight Duncan und Ryan Thompson gehören, an die Hand zu nehmen. "Sie kennen als einzige die Strukturen im Verein und die Stadt - deshalb sind sie auch Schlüsselspieler", sagt Roller.

Neuer Trainer, neue Führung, runderneuerter Kader: Bamberg ist die Wundertüte der Saison.

• Artland Dragons:

Gerade die Dragons haben jedenfalls ihre Mannschaft fast komplett zusammengehalten - nur Kenny Frease ist, was die Leistungsträger betrifft, nicht mehr dabei. Dafür schnappten sie sich mit Andreas Seiferth den effektivsten Center der vergangenen Spielzeit, zudem soll der D-League erfahrene Dennis Horner unter dem Korb für mehr Präsenz sorgen.

Der Mann, der die knappen Spiele für Artland entscheiden soll, bleibt also der gleiche: "David Holston ist derjenige, der die Verantwortung übernehmen will und kann", sagt Roller. Ein Mann für die Zukunft ist dagegen Isaiah Hartenstein, der als eines der deutschen Top-Talente auf den großen Positionen gilt.

Ob die Quakenbrücker auch 2014/15 wieder für eine Überraschung sorgen? In der vergangenen Saison warfen sie jedenfalls den amtierenden Meister aus Bamberg im Viertelfinale aus den Playoffs. "Für mein Gefühl haben sie ein bisschen overperformed", sagt Roller. "Unterschätzen wird die Dragons in der kommenden Saison garantiert niemand."

• EWE Baskets Oldenburg:

Auf der Point-Guard-Position haben die Baskets Dru Joyce durch Tywain McKee ersetzt: "Joyce ist sicherlich ein guter Aufbauspieler", sagt Roller. "Ich denke, hier setzen sie noch ein bisschen mehr auf Athletik." McKee (1,88 m) ist immerhin drei Zentimeter größer als Joyce (1,82 m).

Mit Philipp Zwiener kommt ein überaus solider deutscher BBL-Spieler aus Bremerhaven (10,1 Punkte pro Spiel). Die Männer für die wichtigen Punkte bleiben wie schon in der vergangenen Saison Urgestein Rickey Paulding ("Er ist Gold wert") und vor allem Julius Jenkins. "Er ist unberechenbar und immer noch brandgefährlich", sagt Roller."

Im vergangenen Halbfinale hatten die "Donnervögel" den FC Bayern in der Fünf-Spiele-Serie am Rande einer Niederlage. "Sie haben eine talentierte Mannschaft und auch die Basis stimmt", sagt Roller. "Aber ich finde sie ein bisschen zu lieb, zu genügsam. Sie hätten das Recht, auch mal zu sagen: Jetzt wollen wir die Meisterschaft holen."

http://youtu.be/FqUIuAAuGgo?list=PL9hDH5Ak77iaf2RwKqDCsESNnTkGcgDNT

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel