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Trainer Sasa Obradovic von ALBA Berlin im Gespräch mit Alex Renfroe
Alex Renfroe erhielt im Spätsommer von ALBA Berlin zunächst einen Viermonatsvertrag © imago

München - Der Jubiläumslack ist ab: ALBA Berlin verliert die Tabellenspitze, Coach Obradovic geht einen Spieler an. Die Liga erwägt einzuschreiten. Und nun kommt der FC Bayern.

Zwölf Minuten vor Schluss entlud sich der ganze Frust von Sasa Obradovic. Der Trainer von ALBA Berlin bezichtigte Spielmacher Alex Renfroe, die Siegchance im Topspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg herzuschenken.

Die Albatrosse lagen mit fünf Punkten hinten, Renfroe hatte sich bei den Unparteiischen beschwert und ein Technisches Foul kassiert, es drohte die zweite Pleite in Folge in der Beko BBL. Und nach Monaten an der Spitze der Verlust der Tabellenführung. (DATENCENTER: Die Tabelle)

"Das ist nicht meine Schuld", machte Obradovic Renfroe klar. Und als der US-Amerikaner es wagte, missbilligend den Kopf zu schütteln, fing er sich einen Schubser mit der linken Faust ein.

Giffey schiebt die Kamera beiseite

Obradovic schimpfte und erhob sich drohend von seinem Stuhl, Renfroe gab nicht klein bei und stieß seinen Trainer mit beiden Händen zurück. Mitspieler Niels Giffey ging schnell dazwischen und schob mit der Hand die TV-Kamera beiseite.

Der Ärger hielt allerdings an. Keine Minute später handelte sich Obradovic selbst ein Technisches Foul ein. Und auch nach der Wiedereinwechslung von Renfroe (17 Punkte) im Schlussviertel konnten die Berliner ihre erste Heimniederlage der Saison nicht abwenden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spieltag)

Der Lack einer Saison, in der ALBA zum 25-jährigen Vereinsjubiläum den NBA-Champion San Antonio Spurs, zweimal den Deutschen Meister FC Bayern und am Freitag auch den Euroleague-Sieger Maccabi Tel Aviv geschlagen hatte, ist erst mal ab.

FC Bayern mit breiter Brust

Und das unmittelbar vor dem bislang wichtigsten Spiel der Saison. Im Pokal prallt Titelverteidiger Berlin bereits im Viertelfinale erneut auf die Bayern, erneut daheim.

Doch die Münchner werden nicht nur mit Revanchegelüsten nach dem verlorenen Champions Cup und der 80:83-Schlappe im November anreisen, sondern auch mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen.

14 ihrer vergangenen 15 Pflichtspiele gewannen die Mannen von Trainer Svetislav Pesic. Die letzten drei Ligaspiele jeweils mit einem Hunderter und addiert 108 Punkten Differenz.

Kater nach der Euro-Sause

Und die Berliner? Sie haben zurzeit enorm mit den körperlichen und mentalen Belastungen der Euroleague zu kämpfen.

In der Top-16-Runde, in der 14 Spiele binnen 15 Woche zu absolvieren sind, kam jeder ihrer drei Siege einer Sensation nahe. Der Spannungsabfall in den Bundesliga-Spielen, teilweise keine 48 Stunden später, ist nachvollziehbar.

Nun gibt es auch noch atmosphärisch Arbeit - und womöglich Erklärungsbedarf gegenüber der Liga.

"Nichts, was nicht in jedem Spiel passiert"

"Wir halten uns die Option offen, uns die Szene anzusehen und sie zu prüfen", sagte Beko-BBL-Sprecher Dirk Kaiser zu SPORT1.

Da von allen Partien Bewegtbild existiert, ist ein Videobeweis möglich. Und die Regularien gäben auch Sanktionen her.

Obradovic dagegen hat den Streit zu den Akten gelegt: "Es war nichts, was nicht in jedem Spiel passiert", behauptete er noch am Sonntag. "Wir haben uns danach zusammen gesetzt und gesagt: Weiter geht's."

Auch Wood im Streit mit Obradovic

Genauso schätze es Kapitän Alex King ein: "Da ergibt ein Wort das andere, am Ende ist das dann wieder vergessen."

Was Renfroe am Mittwoch beweisen kann. Schließlich genießt er eigentlich hohe Wertschätzung bei Obradovic. Ende Januar wurde sein ursprünglich auf vier Monate befristeter Vertrag bis Saisonende verlängert, stattdessen musste der mazedonische Nationalspieler Vojdan Stojanovski gehen.

"Renfroe gibt uns mehr. Er organisiert das Spiel besser", begründete der Trainer dies bei der BZ. Aber auch für DeShaun Wood - 2011 bis 2013 bei ALBA - hatte Obradovic einst viel Lob übrig.

Doch zwei Monate, nachdem er vom Coach lautstark im Training gemaßregelt worden war und auf diesen losgehen wollte, war für den Star-Regisseur Schluss in Berlin.

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