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ALBA Berlin-Maccabi Tel Aviv
Sasa Obradovic trainiert ALBA Berlin bereits seit 2012 und gewann zweimal den Pokal. © Getty Images

München - Beim TOP FOUR zollt Berlin einer regelwidrig kurzen Regeneration Tribut. Manager Marco Baldi spricht bei SPORT1 von einem "Machtkampf auf dem Rücken der Spieler" - und nennt Stellschrauben.

Drei Tage nach dem TOP FOUR geht der entthronte Pokalsieger ALBA Berlin in den Endspurt um Platz 1 in der Beko BBL.

Vergleichsweise viel Regenerationszeit für die Albatrosse, andererseits ist das Heimspiel gegen Phoenix Hagen (Mi., 20 Uhr LIVESCORES) die vierte Partie binnen sieben Tagen.

Und es hätte noch heftiger kommen können, wären die Berliner tatsächlich als erstes deutsches Team in die Playoffs der Turkish Airlines Euroleague eingezogen. Dort steigen die jeweils ersten beiden Viertelfinals am Dienstag und am Donnerstag.

Eine Regel ohne Verbindlichkeit

Doch die famose Top-16-Runde - nie zuvor gelangen einem Bundesligisten sieben Siege - hat ALBA ohnehin teuer bezahlt.

Ins Gigantenduell mit den den Brose Baskets Bamberg im Pokalhalbfinale ging das Team von Trainer Sasa Obradovic nur 45 Stunden nach dem fürs Weiterkommen entscheidenden Europapokal-Match gegen Maccabi Tel Aviv.

"Vor und nach Europacupspielen ist bis zum nächsten Bundesligaspiel grundsätzlich eine Pause von 48 Stunden einzuhalten", heißt es in Paragraph 10.4 der Spielordnung der BBL, die auch den Pokal ausrichtet. Mit dem netten Zusatz: "Sollte dies nicht möglich sein, entscheidet die BBL GmbH."

Auch der FC Bayern betroffen

Besonders ärgerlich für die Berliner: Beim TOP FOUR wären die 48 Stunden eingehalten worden, hätten die Hauptstädter nicht das erste, sondern anstelle von Gastgeber Oldenburg das zweite Halbfinale austragen dürfen.

"Offenbar gab es ein höheres Interesse. Welches, ist mir nicht klar", ärgert sich ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi bei SPORT1.

Zwölfmal durften die Albatrosse in dieser Saison keine vollen zwei Tage regenerieren, auch der FC Bayern litt während der Vorrunde wiederholt unter (zu) dicht aufeinanderfolgenden Ansetzungen.

Marco Baldi ist Manager von ALBA Berlin
Manager Marco Baldi ist seit der Gründung 1991 bei ALBA Berlin im Amt. © Getty Images

"Machtkampf auf dem Rücken der Spieler"

Eine Ursache des Problems: Die Euroleague setzt seit dieser Spielzeit einen Teil der Partien freitags an. Eine zweite: Die BBL hat sich mit einem Medienpartner darauf geeinigt, Spieltage möglichst am frühen Sonntagabend vollständig abgewickelt zu haben.

Doch Baldi fordert bei SPORT1: "Wenn man ein starke Liga haben möchte mit starken Klubs, die auch international mitsprechen, dann muss man die Weichen dafür stellen." Und erklärt sich bereit, auf unattraktivere Montage oder Dienstage auszuweichen.

Baldi glaubt, dass zur Zeit ein "Machtkampf auf dem Rücken der Spieler" ausgetragen werde und weist den Vergleich zur NBA zurück, wo die Profis durchschnittlich mehr als drei Partien pro Woche zu bestreiten haben. Der europäische Basketball sei körperlich weitaus härter.

Liga mit 18 Teams zu groß?

Der ALBA-Manager - zugleich im Präsidium der BBL - weiß, dass das Dilemma zu lösen ist. Nur müssten Prioritäten gesetzt werden: "Jedes Land außer Deutschland ordnet seinen Spielplan den europäischen Ligen unter."

Und er nennt Stellschrauben, auch hierzulande der Terminhatz Herr zu werden. "Wir müssen uns über die Liga-Größe, über die Wert des Champions Cups und All-Star Games und über den Pokalmodus unterhalten."

Irgendwo müsse es Abstriche geben. "Ich wäre auch am liebsten reich, schön und gesund", meint Baldi - doch der Lack des Pokalsiegers ist bei ALBA nun ab.

Ersetzt durch das bittere Gefühl, für die europäischen Großtaten im eigenen Land bestraft worden zu sein.

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