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FC Bayern Muenchen v Artland Dragons - BBL
Diese Saison endet für die Artland Dragons enttäuschend auf Platz elf © Getty Images

Die Artland Dragons ziehen sich nicht wegen finanzieller Probleme aus der BBL zurück. Bundestrainer Chris Fleming ist enttäuscht - aber nicht überrascht.

Die Szenen, die sich in Quakenbrück am Sonntag abspielten, erinnerten an eine Beerdigung.

Nachdem die Fans der Artland Dragons vom Rückzug ihres Klubs aus der Beko BBL erfahren hatten, verabredeten sie sich zu einer spontanen Trauerfeier vor der Halle.

"Um in diesen schweren Zeiten nicht alleine zu sein", wie der Fanclub Dragonfire schrieb.

Auch einige Spieler nahmen an der Abschiedskundgebung teil.

Der Schock über das Ende des Bundesliga-Basketballs in Quakenbrück ging aber weit über das Artland hinaus.

ALBA Berlin v Artland Dragons - BBL
Chris Fleming beginnt seiner Trainerkarriere in Quakenbrück © Getty Images

Auch Bundestrainer Chris Fleming, der von 2000 bis 2008 Coach in Quakenbrück war,  zeigte sich bei SPORT1 enttäuscht: "Es ist für mich eine große Enttäuschung. Ich habe mit Marko Beens [langjähriger Dragons-Geschäftsführer, Anm.d.Red.]  gesprochen, und der hat gesagt: ‚Ich habe das Gefühl, einen Freund verloren zu haben.‘ Genauso ist es bei mir, die Dragons waren ein großer Teil meines Basketball-Lebens.“

Keine finanziellen Probleme

Überraschend kam das Aus der Dragons für Fleming jedoch nicht. "Nicht nur ich hatte das seit einiger Zeit vermutet", gab er Einblick in die Insiderszene.

Für Außenstehende kam der Rückzug der Dragons jedoch wie aus heiterem Himmel.

Schließlich hatte der Klub nicht mit einer finanziellen Schieflage zu kämpfen, wie zum Beispiel jüngst der TBB Trier. Ein Weitermachen wäre möglich gewesen. "Ich glaube, dass es nie finanzielle Probleme gab. Es gab auch nie Probleme mit Zahlungen", sagte Nationalspieler Bastian Doreth bei SPORT1.

Den Etat bei den Dragons stemmte in erster Linie der Mäzen und Textil-Unternehmer Günter Kollmann. Der einstige Bundesligaspieler war offenbar nicht mehr bereit, Geld in den Klub zu stecken.

"Es ist die persönliche Entscheidung des Sponsors, der sich, denke ich, etwas alleine gefühlt hat. Weil er wirklich der Einzige war, der das zum Großteil finanziert hat und gesehen hat, dass es nur mit seiner Unterstützung für Top-Basketball in Deutschland nicht mehr reicht", schätz Doreth die Situation um den Mäzen ein.

Bastian Doreth spielte in der vergangenen Saison bei den Artland Dragons
Bastian Doreth spielt seit 2013 im Artland © Getty Images

Mit dem FC Bayern München, den aufstrebenden Klubs aus Ulm, Bonn und Oldenburg wurde die Konkurrenz rund um die Spitzenteams von ALBA Berlin und den Brose Baskets Bamberg immer größer. "Die Familie Kollmann bzw. der Sponsor ist dafür bekannt: Wenn sie etwas machen, dann richtig. Der Anspruch ist höher."

Diesen Anspruch erfüllten die Dragons diese Saison mit einem enttäuschenden Platz elf nicht. Eine negative Bilanz von 15 Siegen und 19 Niederlagen reichte nicht für die Playoff-Teilnahme. Zu wenig für den Vizemeister von 2007, der in den vergangenen Jahren fast immer um Platz vier und den Heimvorteil in den Playoffs mitspielte.

"Mit den finanziellen Mitteln, die sie alleine aufbringen möchten, ist es nicht mehr möglich, vorne mitzuspielen", analysiert Doreth.

Zu viel Last auf zu wenigen Schultern

Doreth sieht die Probleme mehr in der kurzfristen Planung und der Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl von Sponsoren: "Das ist im Basketball sehr schnelllebig, da wird eigentlich immer nur von einer Saison auf die nächste gedacht. Es ist schon so im Basketball, vielleicht anders als in anderen Sportarten, dass bei sehr vielen Vereinen 1 oder 2 Sponsoren den Großteil des Etats sponsern. Wenn ein Sponsor aufhört, kann das das Ende bedeuten. "

Bundestrainer Chris Fleming stimmt dem Point Guard der Dragons zu: „Die Entscheidung ist aber ein Stück weit verständlich, wenn ein einzelner Mann den Verein über so viele Jahre allein auf seinen Schultern trägt."

Folgen weitere Vereine?

Sind in einer Liga, in der viele Klubs nicht in den großen Metropolen Deutschlands angesiedelt sind, nun weitere Standorte in Gefahr?

Doreth sieht dieses Risiko nicht: "Grundsätzlich muss man sich keine Sorgen machen, dass hier jetzt eine Welle ausgelöst wird und mehrere Vereine so reagieren."

Als einen Nachteil machten die Verantwortlichen die Halle mit nur 3000 Plätzen aus. An der mangelnden Unterstützung der Fans lag es nicht. Die letzten 128 Heimspiele waren ausverkauft.

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