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John Bryant räumte gegen ALBA unter den Brettern ab © Imago

München - Der Titelverteidiger findet im Do-or-Die gegen ALBA sein klassisches Spiel wieder und erzwingt den Showdown. Pesic lobt Bryant. Obradovic ringt wegen der Schiedsrichter um Fassung.

Die Identität ist für ein Basketballteam entscheidend. Der FC Bayern München ist immer noch der Meister.

Weil es aber vor der Saison einen größeren Umbruch gab, wurde die Suche nach einer auf den Kader zugeschnittenen Identität notwendig.

Dieser Prozess brachte einige ernüchternde Rückschläge mit sich. In Halbfinale 4 gegen Dauerrivale ALBA Berlin besann sich die Truppe von Coach Svetislav Pesic mit dem Aus vor Augen auf die Meistertugenden.

"Auf jeden Fall. Die aggressive Verteidigung, das Inside-Out-Spiel im Angriff und die Momentum-Aktionen sind extrem wichtig", sagte Kapitän Bryce Taylor auf SPORT1-Nachfrage.

Donnerstag Showdown in Berlin

So erzwang der Titelverteidiger mit dem 89:83 (45:43) den entscheidenden Showdown am Donnerstag in Berlin (ab 20 Uhr im LIVETICKER).

Der Steal mit folgendem Korbleger zum 77:72 von Nihad Djedovic in der Endphase war so eine klassische Szene, die Bayern schon 2014 in den Playoffs immer wieder im richtigen Moment gelangen.

Meisterspieler drehen auf

Überhaupt nahmen im Do-or-Die einige Meisterspieler Hauptrollen ein. Heiko Schaffartzik und Taylor versenkten wichtige Dreier, "Big" John Bryant (19 Punkte, 4 Offensiv-Rebounds) räumte kräftig unter den Brettern auf und verdiente sich ein Sonderlob des so strengen Trainers: "Unsere Big Men haben ihre Qualität gezeigt. John war sehr, sehr fokussiert", sagte Pesic.

Tatsächlich lieferten die beiden Center Bryant und der sehr einsatzfreudige Vladimir Stimac (17 Zähler, 8 Rebounds) ganz starke Vorstellungen und degradierten MVP Jamel McLean zum Statisten.

"Genau das brauchen wir von den beiden", lobte Anton Gavel auf SPORT1-Nachfrage. Insgesamt zwölf Offensiv-Rebounds erinnerten an das Meisterjahr, als selbst in der Turkish Airlines Euroleague kein Kontrahent besser am Brett des Gegners agierte.

Für Pesic war aber eine andere - zuletzt speziell bei der defensiv schwachen Leistung in Spiel 3 vermisste - Qualität entscheidend. Sein Team zwang ALBA ins Halfcourt-Spiel und ließ nur zwei Punkte aus Schnellangriffen zu.

Pesic verteilt Lob

"Das ist absoluter Rekord gegen ALBA. Im Transition-Spiel und bei den Rebounds fällt die Entscheidung", erklärte Pesic.

In Berlin waren es zuletzt 19 Fast-Break-Punkte gewesen - in Kombination mit 22 Zählern aus 14 Offensiv-Rebounds. Für Bretter-Fetischist Pesic eine unerträgliche Bilanz.

Aus der verbesserten Abwehrleistung entwickelte sich auch eine bessere Balance zwischen Dreiern und aggressivem Ziehen zum Korb - ein weiteres klassisches Pesic-Element. Oftmals verliebte sich der FCB in vergangenen Spielen in den Dreier. Nicht zufällig blieben diesmal die Schützen Lucca Staiger und Jan-Hendrick Jagla ohne jede Einsatzminute.

FC Bayern Muenchen v ALBA Berlin - Beko BBL Playoff Final Game 1
Malcolm Delaney, MVP im Team der Meister-Bayern von 2014 © Getty Images

Ist also die alte DNS des Pesic-Stils auch für den Jahrgang von 2015 das richtige Rezept auf dem Weg zur Titelverteidigung? Es darf schon noch gezweifelt werden.

Im Hexenkessel von Berlin gelang 2014/15 noch kein Erfolg. Alex King und Co. hatten auch diesmal zu viele offene Dreier, gegen Reggie Redding fanden sie kein Mittel. Zudem fehlen die Konstanz auf höchstem Niveau und ein echter Go-To-Guy der Marke Malcolm Delaney, der mit zwei, drei Körben aus dem Nichts Durststrecken überbrücken kann.

Der mit vielen Vorschusslorbeeren ("Er versteht Basketball besser als Delaney" - Pesic) geholte Aufbauspieler Vasilije Micic blieb nach wenig überzeugenden Auftritten diesmal ebenfalls Zuschauer.

46 Freiwürfe für Bayern

Zudem war da ja auch noch der Aufreger des Spiels, der den Münchnern in die Karten spielte. Insgesamt 46 Freiwürfe sprach ihnen die sehr kleinliche Schiedsrichter-Crew um Boris Schmidt zu.

"Da ist es schwer, zu gewinnen. Ich habe auch noch nie ein technisches Foul bekommen, ohne mit dem Schiedsrichter zu sprechen. Hoffentlich bekommen wir zu Hause auch diese Freiwürfe", rang ALBA-Coach Sasa Obradovic um Fassung.

Insgesamt wurden acht Fouls mehr gepfiffen, als die beiden Teams Versuche aus dem Feld trafen (53:61). 35 wurden Berlin angehangen. Darunter litten ihr physisches Spiel und der Rhythmus.

Ein wenig mehr Playoff-Härte täte Spiel 5 gut. Für ALBA ist dann vor heimischer Kulisse alles drin. Allerdings machte der FC Bayern 2014 dort den Titel klar. Ein psychologischer Vorteil?

"Ja, absolut. Es ist dort immer schwer, aber wir wissen, wir können es packen", sagte Taylor auf SPORT1-Nachfrage. Bei den Bayern ist offenbar auch das Selbstbewusstsein des Meisters zurück.

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