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Tyrus Thomas bei den Charlotte Bobcats
Tyrus Thomas erlebte 2012 mit den Charlotte Bobcats die schlechteste Saison der NBA-Historie © Getty Images

München - Ex-NBA-Star Tyrus Thomas ist in Bremerhaven nach langer Leidenszeit bisher nur Mitläufer. Bei SPORT1 gibt er sich vor dem Kracher gegen den FC Bayern dennoch optimistisch.

Das ungläubige Staunen in der deutschen Basketball-Szene ist der Ernüchterung gewichen.

Im September ließ Bremerhaven mit einem Transfer-Coup aufhorchen. Tyrus Thomas - seines Zeichens vierter Pick im NBA-Draft 2006 - löste einen Hype um die Eisbären aus.

Nach acht Spielen stehen für den großen Namen, der in der NBA 46,6 Millionen Dollar verdiente, aber gerade einmal drei Einsätze und mickrige 33 Minuten zu Buche. Das Team dümpelt mit nur einem Sieg auf Rang 16 herum.

"Ich bin sicher nicht zufrieden. Ich stelle mich in den Dienst des Teams und mache das, was von mir verlangt wird. Ich kann dem Coach ja nicht sagen, dass er mich mehr einsetzen soll. Das ist seine Entscheidung und ich stehe zu 100 Prozent hinter ihm", sagt Thomas im Gespräch mit SPORT1.

Tiefer Fall für Thomas

Vor dem Kracher gegen den FC Bayern München (So., ab 15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ist von der Aufbruchstimmung  nach Thomas' Verpflichtung nicht mehr viel geblieben.

Tyrus Thomas und Brandyn Curry
Tyrus Thomas (l.) gibt dem Bremerhavener Teamkollegen Brandyn Curry Tipps © Wolfhart Scheer

Von den höchsten Höhen eines begehrten Supertalents in den Keller der Beko BBL - wie konnte es zu diesem Abstieg kommen? Schließlich tauschten die Chicago Bulls einst den mehrfachen All-Star LaMarcus Aldridge am Draftabend für den so dynamischen Abwehrspezialisten ein.

Vor allem Verletzungen machten Thomas immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Zu Beginn der Saison 2009/10 brach er sich den Arm und verlor seinen Startplatz, wenig später wurde er nach Charlotte weitergereicht.

Schwere Verletzung und Horror-Jahr

Unter Teambesitzer Michael Jordan erlebte er 2012 mit nur sieben Siegen die schlechteste Saison der NBA-Geschichte hautnah mit. Ein Jahr später wurde Thomas entlassen, um seinen 40-Millionen-Vertrag loszuwerden.

Eine Operation an der Wirbelsäule kostete ihn 2014 fast seine weitere Karriere, aber das einstige Blockmonster kämpfte sich über die D-League zurück und wollte über Bremerhaven einen Neustart schaffen.

"Ich wollte nur wieder Basketball spielen. Bremerhaven war einfach die beste Option für mich zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere", bestätigt Thomas.

"Das ist mein Traum"

Offensiv war der Forward nie eine Macht, sein Wert während der 402 NBA-Spiele bestand neben der Spannweite immer in der Explosivität unter dem eigenen Korb. Die ist aktuell einfach nicht mehr da.

"Körperlich geht es mir wirklich gut. Ich bin hier, um hart zu arbeiten. Das ziehe ich durch", sagt Thomas und ist froh, überhaupt wieder ohne Beschwerden auf dem Court stehen zu können.

Entsprechend realistisch schätzt er seine aktuelle Situation ein. Der Traum von einer Rückkehr in die NBA ist weit weg: "Im Moment will ich einfach am Basketball Spaß haben. Das ist mein Traum."

Thomas bleibt positiv

Sein ehemaliger College-Coach John Treloar - 1985 Zweitliga-Meister mit dem OSC Bremerhaven - vermittelte den Kontakt zu den Eisbären. Im Team fühlt sich der einstige Teilnehmer am Slam Dunk Contest wohl.

"Für mich ist meine Zeit hier schon jetzt ein Erfolg. Ich mag Bremerhaven und die Liga. Ich kann auf dem Court stehen und arbeiten. Ich kann aber natürlich nichts zu den Erwartungen von außen sagen", erklärt Thomas.

Der Klub wollte ihm die Rückkehr "ins Basketball-Business" ermöglichen, wie Eisbären-Geschäftsführer Jan Rathjen sich ausdrückte. Etwas mehr als insgesamt acht Punkte und zehn Rebounds hatte er sich wahrscheinlich trotzdem erhofft.

Hoffnung unter neuem Coach

Vielleicht platzt der Knoten ja unter dem neuen Coach Chris Harris, der den erfolglosen Muli Katzurin ablöste. Gegen Würzburg lief es für ihn mit fünf Punkten und vier Rebounds und das Team ganz ordentlich. Den Trend will Thomas gegen die Bayern fortsetzen.

"Ich erwarte von uns, dass wir auf dem Court alles geben und das umsetzen, was wir im Training einstudiert haben"", sagt der immer noch erst 29-Jährige. Dann würde er auch irgendwann den BBL-Keller wieder verlassen.

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