vergrößernverkleinern
Cheftrainer Svetislav Pesic steht beim FC Bayern noch bis 2017 unter Vertrag
Cheftrainer Svetislav Pesic steht beim FC Bayern noch bis 2017 unter Vertrag © DPA Picture-Alliance

Nach erneutem Hallenverweis holt der Bayern-Trainer zum Rundumschlag aus, die BBL lässt es durchgehen. Zu "99 Prozent" höre er auf - und könnte doch beim FCB bleiben.

Minutenlang machte Svetislav Pesic vor laufender Kamera seinem Ärger Luft. Wieder einmal sah sich der Serbe in der Opferrolle, doch es war ernster als sonst.

"Es reicht. Zu 99 Prozent mache ich nicht weiter", sagte der Trainer von Bayern München bei telekombasketball.de und kündigte wie aus dem Nichts seinen Abschied an.

Wie wichtig dem erfahrenen Coach das Anliegen an diesem Sonntagnachmittag war, zeigte allein seine erste Aussage. "Sind wir live?", fragte Pesic, dann begann eine denkwürdige Generalabrechnung mit der Bundesliga.

Unerlaubt auf dem Feld

"Ich bin seit langem unter Kontrolle", behauptete der 66-Jährige: "Ich brauche meine Ruhe, ich will Basketball genießen."

Zum Interview war Pesic nach seinem Hallenverweis im Spitzenspiel gegen die Fraport Skyliners - die Bayern hatten übrigens gewonnen (78:76) - dorthin zurückgekehrt, wo er sich 40 Minuten lang zumeist nicht aufhalten darf: aufs Feld.

Pesic brach unübersehbar eine Regel, als er 5:56 Minuten vor dem Ende auf ballnaher Seite die Außenlinie weit übertrat und mit ausgestrecktem Arm Anweisungen gab. Er bekam sein zweites technisches Foul und musste gehen.

Die Schiris schauen genau hin 

Pesic, unbestritten einer der renommiertesten Trainer in Europa, weiß, was er darf - und was er nicht darf. Er stört sich daran, dass bei ihm angeblich besonders genau hingeschaut wird.

"Wenn die anderen Kollegen das nicht auch ab und zu gemacht haben, dann Gratulation", meinte Pesic ironisch. Die Strafe habe ihn "überhaupt nicht überrascht".

Es gehört zu seinem Naturell, ringsherum Feinde zu vermuten. Pesic hat oft seine Probleme mit den Referees, nach dem verlorenen Finale im vergangenen Sommer gegen Bamberg wurde er wegen unsportlichen Verhaltens für ein Spiel gesperrt. Allerdings ist der frühere Bundestrainer bei weitem nicht der einzige ist, dessen Verhältnis zu den Schiedsrichtern gestört ist.

Die Bayern sind Herzensangelegenheit 

Bleibt die Frage, wie ernst es Pesic meint. Sein Vertrag läuft bis 2017, Sportdirektor der Bayern ist Sohn Marko. Und der kennt den Senior genau.

Da es nicht das erste Mal ist, dass sich Svetislav Pesic ungerecht behandelt fühlt und poltert, dürften die Verantwortlichen einigermaßen entspannt sein.

Egal, was passiert, den Bayern will Pesic die Treue halten, vielleicht aber eben nicht mehr als Trainer. Der Klub und der deutsche Basketball liegen ihm am Herzen, anders als die Beko BBL. "Wenn der FC Bayern nicht die Entscheidung getroffen hätte, eine Profi-Mannschaft zu formen, wäre ich nie im Leben noch einmal in Deutschland tätig geworden."

"Dieser große Trainer soll bestraft werden"

Nach zehn Jahren war Pesic 2012 zurückgekehrt, seitdem haben ihn seiner Ansicht nach nicht nur die Unparteiischen auf dem Kieker. Die Disqualifikation gegen Frankfurt sei von höherer Stelle bestimmt worden: "Der Technische Kommissar hat gesagt: 'Das reicht, dieser große Trainer soll bestraft werden!'"

Von der Liga hat der Erfolgstrainer wegen seiner öffentlichen Kritik nichts zu befürchten. "Wir werden aktuell nicht tätig werden", sagte BBL-Sprecher Dirk Kaiser.

Und so wird Pesic auch am Samstag in Bayreuth wieder an der Seitenlinie lebhaft mitgehen: "Das gehört dazu. Wir sind keine Maschinen. Wir sind Menschen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel