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Dirk Bauermann über Uli Hoeneß
Dirk Bauermann (l.) sieht in Uli Hoeneß einen Gewinn für den Basketball © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Imago/iStock

München - Seit Jahresbeginn ist Dirk Bauermann zurück in der BBL. Im SPORT1-Interview spricht er über seine Ziele mit Würzburg, die Bedeutung von Uli Hoeneß und Dirk Nowitzki.

Dirk Bauermann möchte wieder angreifen.

Der deutsche Erfolgstrainer übernahm nach Auslandsstationen in Litauen, Russland und im Iran zum Jahreswechsel den BBL-Klub s.Oliver Würzburg. Der langjährige Nationalcoach beerbte bei den Unterfranken Doug Spradley. Der 60-Jährige soll die Würzburger als dauerhaften Playoff-Kandidaten etablieren.

Am Samstag trifft Bauermann auf seinen ehemaligen Verein. Mit seinem neuen Klub will er den Meisterschafts-Aspiranten FC Bayern (Samstag, 18 Uhr im LIVETICKER) ärgern, die er von 2010 bis 2012 trainierte.

Im SPORT1-Interview spricht Bauermann über den Stellenwert von Uli Hoeneß, Dirk Nowitzki und seine Ziele mit Würzburg.

SPORT1: Herr Bauermann, Sie sind wieder zurück in der BBL. Bei Ihrem Comeback gab es eine Niederlage gegen Göttingen. Konnten Sie daraus schon Schlüsse ziehen?

Dirk Bauermann: Das Spiel gegen Göttingen ist lange vorbei. Wir haben drei Wochen hart trainiert, um uns in der Verteidigung und bei der offensiven Abstimmung zu verbessern.

SPORT1: Mit Mustafa Shakur und Michael Cobbins hat Würzburg zuletzt zwei Neuzugänge verpflichtet. Was erwarten Sie von ihnen?

Bauermann: Mustafa Shakur soll unser Spiel stabilisieren und zusammen mit Jake Odum den Rhythmus und die Sicherheit geben, die wir brauchen. Michael Cobbins gibt uns eine athletische Dimension auf der Center-Position, die wir bisher nicht hatten und die notwendige Tiefe.

SPORT1: Aktuell liegt Würzburg auf Platz 14. Was ist noch drin in dieser Saison?

Bauermann: Die Playoff-Plätze sind nicht unerreichbar weit weg. Aber es ist ein schwerer Weg, weil die Mannschaften, die wir überholen müssten, alle sehr starke Teams sind. Wir wollen uns auf uns konzentrieren und dann im April sehen, ob wir nahe genug an den Playoff-Plätzen dran sind. Dann werden wir versuchen, den Teams die vor uns stehen, das Fürchten zu lehren.

SPORT1: Sie haben angekündigt Würzburg "langfristig in die Spitze" führen zu wollen. Wie wollen Sie das anstellen und in welchem Zeitraum?

Bauermann: Es gibt ein gutes Umfeld, sowohl bei den Fans als auch wirtschaftlich. Wir haben ein Team, das viel bewegen kann. Es wird sicherlich zwei bis drei Jahre dauern, bis Würzburg dort ist, wo zum Beispiel, Oldenburg, Ulm und Bonn jetzt sind. Verein und Region haben aber die Substanz, um das zu schaffen. Mittelfristig wollen wir in ein regelmäßiger Kandidat für das Playoff-Halbfinale sein. Im Kampf um den Titel ist der Vorsprung von Bayern und Bamberg im Augenblick noch zu groß.

SPORT1: Der FC Bayern hat sich noch einmal prominent mit Nationalmannschafts-Center Maik Zirbes verstärkt – ausgerechnet vor der Partie gegen Würzburg...

Bauermann: Maik ist ein europäischer Spitzencenter, der die Bayern natürlich verstärken wird, aber damit müssen wir umgehen. Für uns kommt es viel weniger drauf an, auf den Gegner zu schauen, sondern auf uns selbst. Wir müssen intensiv spielen, den Ball gut bewegen. Wenn wir alles investieren, dann sind wir auf einem guten Weg und können die Bayern gefährden.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zu Verantwortlichen des FC Bayern?

Bauermann: Ja, es gibt durchaus noch Verbindungen. Ich hatte in München zwei tolle Jahre und werde die Zeit dort immer positiv in Erinnerung behalten.

SPORT1: Gab es nach dem Ende ihrer Bayern-Zeit noch einmal Kontakt zu Uli Hoeneß?

Bauermann: Wir haben zweimal miteinander telefoniert und die Vorwürfe ausgeräumt, von daher ist alles gut.

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SPORT1: Wie bewerten Sie Hoeneß' Engagement für den deutschen Basketball?

Bauermann: Hoeneß ist ein Glücksfall für den Basketball. Es wäre zu wünschen, dass mehr große Fußball-Vereine unsere Sportart für sich entdecken und sehen, dass sich Basketball und Fußball hervorragend ergänzen.

SPORT1: Dirk Nowitzki stammt auch aus Würzburg. Wie sehr würden Sie sich freuen, falls er sich doch dazu entscheiden sollte, nach Würzburg zurückzukehren?

Bauermann: Ich kenne ihn schon lange und weiß, wie sehr sein Herz an seiner Heimatstadt und am Basketball in Deutschland hängt. Eine Rückkehr wäre großartig und wir würden ihm den größten Roten Teppich auslegen, den es in Würzburg gibt. Unsere Bindung ist nach wie vor sehr eng. Als ich Würzburg übernommen habe, hat er mir eine Nachricht geschrieben und gratuliert. Seine Eltern und seine Schwester sind regelmäßig bei unseren Heimspielen. Die Verbindung der Familie Nowitzki zum Würzburger Basketball ist sehr eng.

Lithuania v Germany - EuroBasket 2011
Dirk Bauermann und Superstar Dirk Nowitzki (r.) waren jahrelang gemeinsam für die deutsche Nationalmannschaft aktiv © Getty Images

SPORT1: Sie waren von 2003 bis 2011 Trainer der Nationalmannschaft. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation rund um Chris Fleming und seinen möglichen Nachfolger Henrik Rödl?

Bauermann: Die Entscheidungsträger beim DBB wissen genau, was sie tun. Chris Fleming ist ein Trainer mit allerhöchster Qualität. Wir können froh sein, dass er Bundestrainer ist. Henrik Rödl wäre aus meiner Sicht eine optimale Lösung für die Nachfolge. Er hat in der Bundesliga sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Ich schätze ihn sehr als Fachmann und als Menschen. Als Spieler hat er für all das gestanden, was Basketball ausmacht: Mannschaftsdienlichkeit, Trainingsfleiß, Spielintelligenz und Verteidigung. Ich glaube, dass er durch seine Vita als Spieler und seine Erfahrung als Trainer der ideale Nachfolger wäre.

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