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Das DBB-Team verpatzt im wichtigen Spiel gegen die Türkei den Start und erholt sich davon nicht mehr. Die Aufholjagd kommt zu spät. Das Achtelfinale gerät in Gefahr.

Mit leerem Blick saß Dirk Nowitzki allein auf der Bank und sah zu, wie die letzten Sekunden herunterliefen.

Als das 75:80 (24:41) im dritten EM-Vorrundenspiel gegen die Türkei feststand war dem Superstar klar, dass der Weg zur Finalrunde für die deutschen Basketballer noch einmal viel, viel schwieriger geworden ist. Das Team steht nach der enttäuschenden Vorstellung mit völlig verschlafenem Start vor den beiden ausstehenden Partien in Berlin gehörig unter Druck.

Katastrophaler Start

"Es wird schwer jetzt, aber wir werden nicht aufgeben", sagte Nowitzki in der ARD. Als Ursache für die Pleite machte der Würzburger den katastrophalen Beginn aus, das erste Viertel ging 11:31 (!) verloren. "Die Türken haben mit viel mehr Energie angefangen. Die waren bereit zu spielen. Wir waren von Anfang an einen Schritt zu langsam", so Nowitzki.

Die Leistungssteigerung im wichtigen Duell kam viel zu spät, Bundestrainer Chris Fleming war bedient: "Zum Schluss haben wir mit viel Energie gespielt, aber es war mehr Emotion als Basketball-Qualität. Ausschlaggebend war unsere Bereitschaft im ersten Viertel."

Nachdem es zwei Tage zuvor eine unglückliche Niederlage gegen den haushohen Favoriten Serbien (66:68) gegeben hatte, benötigt die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) nun gegen Italien am Mittwoch oder einen Tag später (jeweils 17.45 Uhr) gegen den zweimaligen Europameister Spanien zwingend einen Sieg, um die Qualifikation für die nächste Runde in Lille zu schaffen. In Frankreich geht es ab Samstag in der K.o.-Runde nicht nur um den Titel, sondern auch um die ersten Tickets für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Schwacher Schröder bester Werfer

Erfolgreichste Werfer einer offensiv lange Zeit schwachen deutschen Mannschaft waren Dennis Schröder (24 Punkte) und Nowitzki (15). Allerdings blieb Schröder vor allem in der ersten Halbzeit deutlich unter seinen Möglichkeiten. Für die Türken trug Cedi Osman (17) einen wichtigen Teil zum Sieg bei.

Vor 13.050 Zuschauern in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof startete die deutsche Mannschaft katastrophal und vergab so den Sieg. Schon früh stand es 2:13, ehe der Rückstand bis zum Ende des ersten Viertels auf 20 Punkte anwuchs. Während die Gäste in der Zone und aus der Distanz nach Belieben sicher abschließen konnten, gelang der DBB-Auswahl so gut wie nichts. Einzig Nowitzki verhinderte mit sieben Zählern in den ersten zehn Minuten ein noch schlimmeres Debakel.

Hummels fiebert mit

Etwas Entlastung bekam der Power Forward von den Dallas Mavericks durch die Rückkehr von Robin Benzing. Der 26-Jährige musste gegen Serbien pausieren, nachdem er sich beim Auftaktsieg gegen Island (71:65) am Knöchel verletzt hatte. Mit sechs schnellen Punkten fügte er sich zwar gut ein, doch in der ersten Halbzeit erinnerte unter den Augen von Fußball-Nationalspieler Mats Hummels trotzdem viel an das letzte Duell gegen die Türkei.

Deja-Vu vom Supercup

Vor zweieinhalb Wochen hatte die DBB-Auswahl in Hamburg nach einem miserablen Start auch früh mit 24 Punkten zurückgelegen - am Ende allerdings noch 68:66 gewonnen. Viel gelernt schienen Nowitzki und Co. daraus nicht zu haben, und so sah sich Fleming gezwungen, mit allen Tricks zu arbeiten. Durch ungewöhnliche Aufstellungen und Zonenverteidigung versuchte der Amerikaner, die Türken zu bremsen. Mit mäßigem Erfolg, denn zur Halbzeit lagen diese 41:24 vorn.

"Wir haben von dem Spiel in Hamburg nicht gelernt. Das ist eine Mannschaft, die sehr explosiv rauskommt. Du kannst dich nicht immer von 30 hinten wieder rankämpfen. In der zweiten Halbzeit haben wir es teilweise gut gemacht, aber wir haben es nicht wirklich auf acht, sechs, fünf Punkte runtergekriegt früher im vierten Viertel", meinte Nowitzki.

Miserable Dreierquote

Zwar kamen Nowitzki und Co. im dritten Viertel näher heran (36:46), allerdings beraubte sich die Mannschaft einer ihrer stärksten Waffen. Tibor Pleiß vom NBA-Klub Utah Jazz musste lange mit vier Fouls auf der Bank Platz nehmen.

Vor allem aus der Distanz fiel beim DBB-Team gar nichts. Fünf von 26 Versuchen fanden nur den Weg durch den Korb, drei davon gelangen erst in den Schlussminuten. "Wir haben nicht die beste Mannschaft von außen. Aber wir müssen zusammen kämpfen und die freien Würfe von außen nehmen, wenn sie da sind und vorne unser Ding machen. Aber das haben wir heute leider nicht geschafft", sagte Nowitzki.

Vor der EM hatte sich der deutsche Verband die Türkei als Vorrundengegner ausgesucht - und dürfte das während der Begegnung bereut haben.

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