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Pau Gasol präsentiert stolz seine EM-Goldmedaille © Getty Images

Lille und München - Auch im Endspiel gegen Litauen brilliert Pau Gasol und führt Spanien zum dritten EM-Titel. Selbst der König huldigt dem MVP. Die Diskrepanz zu Dirk Nowitzki ist erklärbar.

Die Aufschrift auf den Siegershirts des Trikotsponsors passte perfekt.

"Die Helden Europas" prangte auf der Brust der Spanier, die ihren dritten EM-Titel mit dem ungefährdeten Finalsieg gegen Litauen (80:63) perfekt machten. Der größte Held war auch beim Schlussakt Pau Gasol. Mit 25 Punkten und zwölf Rebounds überragte er auch im einseitigen Endspiel und wurde folgerichtig zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt.

"Für Spanien ist das ein ganz besonderer Erfolg, und ich liebe es immer noch, für mein Land zu spielen", sagte Gasol im Anschluss: "Dieses Turnier war unglaublich, wir haben hart für Gold gearbeitet. Das Team hatte immer die richtige Antwort parat, wenn wir Probleme hatten."

Medaille von König Felipe

König Felipe VI. ließ es sich nicht nehmen, Pau Gasol die Goldmedaille persönlich um den Hals zu hängen. Arm in Arm mit dem NBA-Superstar mogelte sich Spaniens Staatsoberhaupt dann sogar noch mit auf das Siegerfoto des neuen Europameisters.

Für die "Generacion de Oro", Spaniens goldene Generation, soll der Triumph in Lille aber nicht der letzte bleiben: Der große Traum ist Olympiagold in Rio de Janeiro. Möglich scheint das vor allem dank Gasol. Mit seinen 35 Jahren spielte der Center der Chicago Bulls eine überragende EuroBasket und wurde mit durchschnittlich 25,6 Zählern Topscorer des Turniers.

Der "Schlüsselmoment" des Turniers war für Gasol die Partie gegen Deutschland. Nach einer mäßigen Vorrunde in Berlin wären die Spanier gegen Dirk Nowitzki und Co. fast ausgeschieden. Weil der deutsche Aufbauspieler Dennis Schröder seinen letzten Freiwurf kurz vor Schluss verwarf, siegte Spanien aber doch noch 77:76, anschließend gab es nur noch Siege.

Franzosen pfeifen Gasol aus

Vor allem im Halbfinale gegen EM-Favorit Frankreich (80:75) glänzte Gasol mit 40 Punkten, 11 Rebounds und 3 Blocks. Er machte das Aus des Mit-Gastgebers quasi im Alleingang perfekt - und bekam dafür am Sonntagabend die Quittung.

Die gekränkten französischen Fans pfiffen ihn bei der Siegerehrung gnadenlos aus, im Stile eines Gentleman quittierte Gasol das vor der europäischen Rekordkulisse von 27.372 Zuschauern mit einem Lächeln. (SERVICE: Die Besten der Basketball-EM)

Warme Worte gab es für den zweimaligen NBA-Champion im Anschluss jedoch von allen Seiten. "Europas Bester" urteilte die spanische Zeitung Marca, für die Chicago Tribune ist er der "immer junge All-Star". Spaniens Nationaltrainer Sergio Scariolo meinte: "Er ist der beste Spieler in der Geschichte des europäischen Basketballs."

Diskrepanz zu Nowitzki erklärbar

Das war der große Unterschied zu seinem europäischen Rivalen Nowitzki. Während die Iberer sich auf ihren Altstar verlassen konnten, fehlte Nowitzki sein gewohnter Killerinstinkt. Selbst mit 33 hatte Deutschlands Ausnahmespieler in Litauen nicht ein solches Turnier hingelegt. Die große Leistungsdiskrepanz trotz nur zwei Jahren Altersunterschied ist aber durchaus erklärbar.

Gasol hatte neben Bulls-Kollege Nikola Mirotic ein wahres All-Star-Team von europäischen Klasseleuten an seiner Seite, die ihn perfekt in Szene setzen - auch weil der Kern um Rudy Fernandez oder Sergio Rodriguez seit Jahren blind aufeinander abgestimmt sind. Nowitzki kannte dagegen nur wenige seiner EM-Mitstreiter.

Außerdem ist der Deutsche deutlich mehr von seinem Wurf abhängig als Gasol. Nowitzki braucht seinen Rhythmus, um auf Touren zu kommen. Das gelang im von Schröder für ihn ungewohnten geführten Angriff nur selten.

In Rio das Dream Team ärgern

Während Nowitzki seine Zukunft im Nationalteam offen lässt, plant Gasol seinen letzten Coup. In Rio will er 2016 dem "Dream Team" aus den USA das Leben bei den Olympischen Spielen schwer machen. Es gibt kaum einen Zweifel daran, dass Spanien Herausforderer Nummer eins der US-Boys ist, zumal bei der EM in Ricky Rubio (Minnesota Timberwolves), Serge Ibaka (Oklahoma City Thunder), der allerdings nur statt Mirotic spielen dürfte, und Juan Carlos Navarro (FC Barcelona) wichtige Stützen gar nicht dabei waren.

"Ich hoffe, ich kann noch viele Jahre spielen", sagte Gasol. Die grauen Haare versucht der 2,13-m-Hüne gar nicht zu verstecken, doch auch auf seine alten Sportler-Tage bleibt er der Anführer des Weltmeisters von 2006.

"Ich habe wirklich Spaß. Es war eines meiner Ziele, nach Rio zu kommen", sagte Gasol, der 2008 und 2012 jeweils Olympiasilber gewann: "Wenn mit meinem Körper alles okay ist, würde ich dort gerne um eine weitere Medaille spielen."

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