vergrößernverkleinern
Basketball European Championship 1993 Final
Die deutsche Nationalmannschaft feiert ihren EM-Titel 1993 © Getty Images

1993 holt das deutsche Nationalteam bei der Heim-EM sensationell den Titel. Der damalige Bundestrainer Svetislav Pesic traut der DBB-Auswahl eine erneute Überraschung zu.

Stephan Baeck weiß, wie das ist. Die Hallen sind voll, es herrscht Begeisterung im ganzen Land und irgendwann bekommt die Sache eine gewisse Eigendynamik.

Baeck stand auf dem Spielfeld, als die deutschen Basketballer 1993 in München aus dem Nichts Europameister wurden. Nun hofft er, dass seine Erben um Superstar Dirk Nowitzki bei der EM mit der Vorrunde in Berlin für ähnliche Furore sorgen.

"Wenn alles perfekt läuft, wenn der Funke überspringt von den Fans, kann man von der Begeisterung getragen werden", sagt Baeck.

Der Geschäftsführer des Zweitligisten RheinStars Köln spricht aus Erfahrung, nach wie vor erinnert sich der heute 50-Jährige gerne an diesen unvergesslichen Sommer vor mehr als 20 Jahren, der in der Sternstunde des deutschen Basketballs gipfelte.

Teamgeist als Trumpf

In vielerlei Hinsicht ist die Situation in diesem Jahr allerdings anders. Der Deutsche Basketball Bund geht beim Auftakt am Samstag mir einer neu zusammengestellten Mannschaft ins Rennen - und mit einem neuen Trainer.

Die "93er" sind ein eingeschworener Haufen gewesen. "Wir waren lange zusammen", erzählt Baeck und denkt an den ein oder anderen Lagerkoller: "Wir kannten uns sehr gut und haben das im entscheidenden Moment aufs Spielfeld bringen können."

Niemand hatte damit rechnen können, dass es das DBB-Team ins Finale schafft und die scheinbar übermächtigen Russen in die Knie zwingt (71:70).

Der Anfang März viel zu früh verstorbene Chris Welp sorgte damals mit einem Freiwurf für den größten Moment, den der deutsche Basketball je erlebt hat.

Pesic sieht Parallelen

Geht es nach dem damaligen Bundestrainer Svetislav Pesic, kann auch das aktuelle Team ganz oben mitspielen. "Warum nicht?", antwortete der 66-jährige Serbe zuletzt im Münchner Merkur auf die Frage, ob es eine Medaillenchance gebe.

FC Bayern Muenchen v Brose Baskets  - BBL Final Game 4
Svetislav Pesic ist seit Ende November 2012 Cheftrainer des FC Bayern © Getty Images

"Das kann alles passieren. Ich glaube, dass diese Mannschaft vom Potenzial und der Qualität vergleichbar ist mit meiner Mannschaft von 1993."

Pesic ist reichlich optimistisch. Schließlich warten auf das Team des heutigen Cheftrainers Chris Fleming schon in der Gruppenphase Brocken wie Spanien, Serbien und Italien.

"Die Mannschaft muss in Berlin gegen ganz schwere Gegner ran, die wir erst in der Endrunde hatten", weiß Baeck: "Sie müssen von Anfang an hellwach sein."

Besondere Atmosphäre nutzen

Der 133-malige Nationalspieler empfiehlt seinen Nachfolgern, das Turnier zu genießen: "Man hat die tolle Situation, dass die Leute Eintritt zahlen um zu sehen, was man kann. Man spielt einfach nur, um Spaß zu haben und um den Spaß zu teilen. Dann entsteht da eine ganz besondere Atmosphäre, die einen dazu befähigt, noch mehr zu leisten."

Dass eine solche Stimmung auch gefährlich sein kann, ist Baeck bewusst. Manche Mannschaften überdrehen, wenn es richtig laut wird.

"Je mehr man unterstützt wird, desto mehr kann man auch in ein Loch fallen. Aber das ist man als Leistungssportler gewohnt", so Baeck: "Je größer das Risiko, desto größer der Spaß."

Zu früh zu träumen, sei nicht ratsam. "Svetislav Pesic wollte nie, dass wir zu weit gucken. Das schwierigste Spiel, auch wenn das eine alte und blöde Phrase ist, ist das nächste", warnt Baeck: "Und nur, wenn man das in einem Turnier beherzigt, dann kann man sich von Spiel zu Spiel steigern."  

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel