vergrößernverkleinern
Tibor Pleiß debütierte 2009 in der deutschen Nationalmannschaft (Copyright: Facebook) <br> ZUM DURCHKLICKEN: Die Stars der Euroleague

München - Vor dem Euroleague-Auftakt gegen Bayern spricht <strong>Tibor Pleiß</strong> über Angebote aus der NBA, FCB-Coach Pesic und kuriose Begegnugen.

Den FC Bayern München vor Augen, Dirk Nowitzki und LeBron James im Kopf.

Für Tibor Pleiß und seinen neuen Klub FC Barcelona beginnt die Saison in der Turkish Airlines Euroleague gegen den deutschen Meister (ab 21.30 Uhr im LIVESTREAM).

Schon nach wenigen Wochen schwärmt der 24-Jährige im Interview mit SPORT1 von den Bedingungen beim spanischen Topklub. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach einer bärenstarken Saison bei Laboral Kutxa Vitoria will er bei den Katalanen den nächsten Karriereschritt machen. Denn mittelfristig ist sein großes Ziel nach wie vor die NBA.

Vor dem Kräftemessen mit den Bayern spricht Pleiß bei SPORT1 über FCB-Coach Pesic, Angebote aus der besten Liga der Welt und kuriose Begegnugen.

SPORT1: Herr Pleiß, Sie haben im Sommer den Schritt von Laboral Kutxa zum FC Barcelona gewagt. Wie haben Sie sich in Katalonien eingelebt?

Tibor Pleiß: Ich habe ja - von Köln abgesehen - bisher nur in kleineren Städten gespielt, da ist Barcelona schon eine andere Dimension. Basketballerisch spiele ich bei einem der besten Teams in Europa, das macht mich natürlich sehr stolz. Jetzt bin ich oben angekommen, es ist eine ganz neue Erfahrung.

SPORT1: In der Euroleague trifft Barcelona bereits in der Gruppenphase mit Fenerbahce Istanbul, Panathinaikos Athen, Mailand und dem FC Bayern auf schwere Gegner. Wie lautet das Ziel des Vereins?

Pleiß: Bei Barcelona wird erst gar nicht über das Erreichen der Zwischenrunde nachgedacht. Das ist eine Sache der Selbstverständlichkeit.

SPORT1: Wie groß ist der Erfolgsdruck bei Barcelona?

Pleiß: Die Verpflichtung, eine gute Leistung abzuliefern, ist hier schon sehr groß. Im Supercup haben wir gegen Real Madrid ziemlich deutlich verloren und das kam in Barcelona nicht so gut an. Die Rivalität zwischen den Teams ist riesig. Am Ende ist es immer die Frage, ob man den Druck positiv oder negativ empfindet. Positiver Druck kann sehr motivierend sein.

SPORT1: Was kann Bayern dieses Jahr erreichen?

Pleiß: Bayern hat ein sehr gutes Team am Start, mal sehen wie gut sie schon zusammenspielen. Ich freue mich, ein paar bekannte Gesichter zu sehen - zum Beispiel Anton Gavel.

SPORT1: Als Svetislav Pesic noch Trainer in Barcelona war, hatte er Kontakt zu Pep Guardiola. Gibt es diese Verbindung zwischen Fußball und Basketball bei Barca immer noch?

Pleiß: Auf dem Trainingsgelände Barcelonas sind alle Abteilungen zu Hause und so läuft man den anderen Sportlern zwangsläufig über den Weg. Bei meinem Medizincheck stand dann auf einmal Neymar in der Tür. Es ist dann wie in einer großen Familie und man sagt sich nett Hallo.

SPORT1: Wem sagen Sie denn noch so alles Hallo?

Pleiß: Ich hab vor ein paar Tagen den Handballer Gudjon Valur Sigurdsson kennengelernt, der vom THW Kiel gekommen ist. Mit ihm kann ich mich jetzt hier auch auf Deutsch unterhalten, das ist auch mal schön.

SPORT1: Zu Ihrer persönlichen Entwicklung. Wo haben Sie sich verbessert, wo besteht noch Handlungsbedarf?

Pleiß: Ich glaube, ich habe mich in so ziemlich jedem Bereich verbessert. Die letzte Saison war sehr gut, und vor allem in der Offense konnte ich die im Training gelernten Bewegungen endlich anwenden. Genau so möchte ich in Barcelona weitermachen, ich will auf keinen Fall stehenbleiben.

SPORT1: Der logische Anschluss wäre ja dann die NBA. Muss dieser Schritt aus Ihrer Sicht nach dieser Saison kommen?

Pleiß: Ich hätte mich auch dieses Jahr schon bereit gefühlt, aber das hängt ja von mehreren Faktoren ab. Oklahoma City muss mich auch rüberholen wollen. Sie haben die Rechte an mir. Aber mit Barcelona bin ich ja auch an keine ganz schlechte Adresse geraten.

SPORT1: Die Thunder haben Ihre Draft-Rechte, aber das schließt ja nicht aus, dass ein anderes NBA-Team Interesse an Ihnen hat und ein Deal eingefädelt wird ?

Pleiß: Es gab diese Angebote aus der NBA, aber Oklahoma hat etwas andere Pläne für mich. Sie wollten mich nicht hergeben. Das ist nicht immer leicht zu akzeptieren.

SPORT1: Welche Teams waren das denn?

Pleiß: Ich hatte Angebote von Dallas, Miami, Minnesota und Cleveland.

SPORT1: Eine Nummer kleiner, aber auch hier kamen Gerüchte auf: Gab es im Sommer ein Angebot der Bayern?

Pleiß: Nein, in diesem Jahr nicht - den Sommer zuvor gab es aber mal Kontakt, mehr nicht. In der Offseason hat sich mit Oklahoma diesmal alles relativ lange hinausgezögert, und dann hat mich mein Agent über das Angebot aus Barcelona informiert.

SPORT1: Wie bewerten Sie denn das Projekt FC Bayern München?

Pleiß: Ich halte es nach wie vor für sehr gut, was Bayern macht. Konkurrenz belebt das Geschäft, Basketball wird in Deutschland dadurch vorangebracht.

SPORT1: Auf der letzten Pressekonferenz des FC Bayern hatte Trainer Pesic eine sehr interessante Meinung zu Ihrem Werdegang: Er ist der Ansicht, wären Sie in Bamberg geblieben, würden Sie dieses Jahr schon in der NBA spielen.

Pleiß: Keine Ahnung wie es in Bamberg gelaufen wäre. Ich habe da alles gewonnen, und es war Zeit für den nächsten Schritt. Ich glaube, ich bin in Spanien zu einem besseren Spieler geworden.

SPORT1: Ihre Entwicklung hat er auch sehr positiv gesehen, aber seine Begründung dafür ist ihr Ehrgeiz - und nicht die spanische Liga?

Pleiß (lacht): Ich glaube, deswegen sind wir auch in der Nationalmannschaft ganz gut klar gekommen. Er weiß meine Einstellung zu schätzen. Wenn ich einen Traum habe, dann arbeite ich dafür extrem hart.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel