vergrößernverkleinern
Sasa Obradovic machte 2012 den  BK Donezk zum ukrainischen Meister, bevor er zu ALBA kam

ALBA Berlin steht "am Anfang einer neuen Ära", sagt Sasa Obradovic bei SPORT1. Auch der Trainer selbst hat hohe Ziele.

Den NBA-Champion besiegt, in der Beko BBL als einziges Team ungeschlagen - nur in der Turkish Airlines Euroleague läuft es für ALBA Berlin noch nicht.

Der deutsche Pokalsieger startete mit zwei Niederlagen in die europäische Luxusklasse, am Freitagabend kassierten die Albatrosse in letzter Sekunde den Dreier zum 84:87 bei Unicaja Malaga.

Dennoch steht ALBA vor dem Kracher gegen Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv (20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und GRATIS-LIVESTREAM auf www.SPORT1.de) nicht unter Druck. Das meint zumindest Trainer Sasa Obradovic.

Im SPORT1-Interview spricht der 45-Jährige über die Perspektiven der Berliner, den neuen Kapitän Alex King und die Unterschiede zum 51-maligen israelischen Meister Maccabi.

Zudem setzt er sich hohe persönliche Karriereziele - denen er vielleicht durch das Promotionspiel gegen die San Antonio Spurs nähergekommen ist.

SPORT1: Herr Obradovic, Titelverteidiger Maccabi kommt nach Berlin. Wie hoch ist die Chance, nach dem NBA- auch den Euroleague-Champion zu besiegen?

Sasa Obradovic: Wir spielen gegen einen der Favoriten, und das nicht nur in unserer Gruppe. Maccabi kann das Final Four erreichen, kann den Titel erneut gewinnen. Schwer zu sagen, wie groß unsere Chancen sind. Ich kann nur sagen, dass wir uns auf unser Spiel konzentrieren müssen, und nicht auf das des Gegners. Wir haben ein gutes, entschlossenes Spiel gegen Malaga gezeigt und hatten die Chance, es zu gewinnen. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht denselben Aufwand bringen können, der uns wieder in diese Situation bringt. SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen

SPORT1: Was außer dem gestiegenen Druck nimmt ALBA aus der unglücklichen Niederlage in Malaga mit ins Spiel gegen Tel Aviv?

Obradovic: Die Niederlage ist keine Tragödie. Jedes Spiel in der Euroleague bringt uns weiter. Und wir haben mit ZSKA Moskau, Malaga und jetzt Maccabi die drei besten Teams unserer Gruppe gleich zu Beginn. Da ist es nicht einfach, Selbstvertrauen zu gewinnen. Wir sollten uns nicht zu sehr unter Druck setzen. Das stört nur dabei, sich gut auf das Spiel vorzubereiten.

SPORT1: Mit dem Australier Aleks Maric, vor allem aber mit dem Griechen Sofoklis Schortsanitis bietet Tel Aviv zwei Schwergewichte unter dem Korb auf. Haben Sie Angst, dass die weitaus leichteren Leon Radosevic und Jonas Wohlfarth-Bottermann da einfach weggeschoben werden?

Obradovic: Das sind die schwersten Spieler in Europa, wie viel auch immer sie wiegen. Darauf müssen wir uns einstellen. Individuell kann man sie eigentlich nicht verteidigen. Aber Leon, Marko Banic und Jonas - der vielleicht etwas leichter ist - gehören zu einem Team mit zähen Spielern. Wir haben da eine bestimmte Taktik. Mal schauen, wie sie funktioniert. Doch die Innenspieler sind nicht das einzige Problem, vor das uns Maccabi stellt. Auch Jeremy Pargo, Devin Smith, der wieder in den Kader zurückkehrt, oder der herausragende Schütze Sylven Landesberg können den Unterschied machen. 

SPORT1: Tel Aviv mischt seit rund 40 Jahren fast ununterbrochen in der europäischen Spitze mit. Was muss ALBA tun, um die Lücke nach ganz oben zu schließen?

Obradovic: Maccabi verfügt sicher über eines der höchsten Budgets der Euroleague. Wir müssen versuchen, dies mit unseren Tugenden, Teamgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit auszugleichen. Dann können wir auch gegen solche Teams mithalten.

SPORT1: Wie viel hängt denn personell und finanziell davon ab, dass Berlin sein hohes Ziel Top-16-Runde auch erreicht?

Obradovic: Das wäre in der Tat ein großartiges Resultat für uns. Wichtig ist, gesund zu bleiben. Wenn wir bei den entscheidenden Spielen gegen direkte Konkurrenten wie Cedevita Zagreb und Limoges einen guten Job machen, kann das vielleicht ausreichen. Wie profitabel ein Weiterkommen wäre, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Damit beschäftigen sich andere.

SPORT1: Sie haben Alex King zum Kapitän ernannt und in die Starting Five befördert. Welche Rolle und welche Bedeutung hat er in diesem Jahr für ALBA?

Obradovic: Alex macht seinen Job gut und erfüllt die Kapitänsrolle selbstbewusst. Er macht sowohl auf dem Feld als auch daneben das, was ich von einem Kapitän erwarte. Seine positive Einstellung ist sehr wichtig für das Team und für mich als Trainer.

SPORT1: Sie selbst haben als Spieler große Titel gewonnen - Weltmeister und dreimal Europameister mit Jugoslawien, Korac-Cup-Sieger mit ALBA. Glauben Sie, dass Sie Ihren ersten internationalen Titel mit ALBA holen oder in der Zukunft mit einem anderen Klub?

Obradovic: Ich hoffe, es wird mit ALBA sein. Wir sind am Anfang einer neuen Ära, mit neuem Schwung, neuer Philosophie. Es ist nie gut, zu viel zu wechseln. Ich glaube, dass sich dieses ALBA-Team entwickeln und verbessern wird mit den Jahren - und gemeinsam mit mir.

SPORT1: Tel Avivs letztjähriger Head Coach David Blatt ist in die NBA gewechselt, der mehrmalige Euroleague-Gewinner Ettore Messina als Co-Trainer ebenfalls. Könnten auch Sie sich in der Zukunft ein Engagement in der NBA vorstellen - eventuell als Assistent?

Obradovic: Es muss im Basketball immer das Ziel sein, die höchste Stufe unseres Jobs zu erreichen. Aber ich konzentriere mich voll auf meine Aufgabe bei ALBA und möchte hier mit meinem Team noch viel erreichen.

SPORT1: Entsprechende Kontakte in die NBA dürften Sie aber haben. Im Olympia-Finale 1996 standen Sie den heutigen TV-Experten Charles Barkley, Reggie Miller und Shaquille O?Neal gegenüber...

Obradovic: Zu denen habe ich keinen Kontakt. Nach San Antonio habe ich ganz gute Drähte, vor allem seit unserem Spiel gegen die Spurs.

SPORT1: Haben Sie sich denn von den Legenden des Team USA damals in Atlanta wenigstens Autogramme geholt?

Obradovic: Autogramme nicht, aber es gibt gemeinsame Fotos aus dem Nachtklub, in dem wir nach dem Endspiel waren.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel