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Bayern-Coach Svetislav Pesic gewann 2003 die Euroleague mit dem FC Barcelona

München - Vor dem Spiel des FC Bayern Basketball in der Euroleague gegen Milan prangert Coach Pesic die fehlende Chancengleichheit in Europa an.

Von Tobias Wiltschek und Benjamin Heckner

Zwei Spiele, zwei Niederlagen, null Punkte.

Der nächste Gegner des FC Bayern Basketball in der Turkish Airlines Euroleague (ab 19.55 Uhr im LIVESTREAM) flößt dem Deutschen Meister trotz des edel klingenden Namens Emporio Armani Milan keinen allzu großen Respekt ein.

Bryant: "Den kenne ich nicht"

Center John Bryant ist nicht einmal der Name von Mailands Jungstar Alessandro Gentile, immerhin die Nummer 53 des vergangenen NBA-Drafts, geläufig.

"Den kenne ich nicht", meinte der Amerikaner bei SPORT1.

Dennoch sollten die Münchner mit der gebotenen Konzentration an die Pflichtaufgabe herangehen. Denn wer - wie die Bayern - in die Top 16 vorstoßen will, sollte sich gegen die noch sieglosen Italiener keinen Ausrutscher erlauben (DATENCENTER: Die Euroleague).

Für Bayern-Trainer Svetislav Pesic dürfte es sogar noch ein bisschen mehr sein als der Einzug in die Zwischenrunde der europäischen Königsklasse.

"Natürlich ist es mein Ziel, die Euroleague zu gewinnen", sagte der Serbe. Wobei das wohl eher sein Wunsch ist als sein Anspruch. Denn er schob gleich hinterher: "Ich weiß nicht wie und mit welchen Mitteln. Du kannst nicht gewinnen, wenn die besten Spieler nicht bei uns sind."

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Pesic hadert mit Abgängen

Hätte er Deon Thompson und Malcolm Delaney behalten dürfen, sei zusammen mit den prominenten Neuzugängen Dusko Savanovic und Anton Gavel der Titel in Europa durchaus drin gewesen.

So aber sind die Vereine aus den zahlungskräftigeren Ligen aus Russland und Spanien für Pesic die Top-Favoriten, weit vor seiner Mannschaft.

Der Grund dafür ist in seinen Augen die unterschiedliche Steuergesetzgebung in den genannten Ländern, zu denen er auch die Türkei zählt.

"500.000 Euro netto"

"Für deutsche Mannschaften mit ihrem Budget ist es nicht möglich, wettbewerbsfähig zu sein. Wenn Galatasaray und wir denselben Spieler verpflichten wollen, geht er zu Galatasaray, weil sie ihm auf jeden Fall 500.000 Euro netto anbieten können, was wir nicht können", meint Pesic und vergleicht.

Da die türkischen Klubs für einen Spieler bei weitem nicht so hohe Steuern zahlen müssten wie die deutschen Vereine, könnten sie den Profis selbst mehr bezahlen.

Der Klub aus Istanbul hat sich aber offenbar dennoch übernommen und steckt derzeit in einer mittelschweren Finanzkrise.

Forderung nach Financial Fairplay

Pesic plädiert auch deshalb für die Einführung strengerer Finanzregeln im europäischen Basketball.

"Im Basketball will man, wie im Fußball, ein Financial Fairplay einführen. Das wird natürlich irgendwann kommen", sagte der 65-jährige Starcoach. Er klang dabei allerdings so, als müsse er darauf noch eine Weile warten.

Bis dahin muss er mit den vergleichsweise bescheidenen Mitteln versuchen, das europäische Establishment zu ärgern.

Zweiter Heimsieg?

Bislang ist ihm das in der gnadenlos anspruchsvollen Gruppe C ganz gut gelungen.

Der äußerst knappen 81:83-Niederlage zum Auftakt beim FC Barcelona folgte der glanzvolle 81:75-Heimerfolg über Panathinaikos Athen (BERICHT: FC Bayern knackt Panathinaikos).

Mit einem Sieg gegen die Italiener würden die Chancen weiter steigen, dieser Todesgruppe zu überstehen.

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