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Xavier Pascual gewann als jüngster Coach überhaupt die Euroleague

München - Xavier Pascual ist der aufregendste Coach Europas. Mit SPORT1 spricht der Barca-Coach über Guardiola und das Projekt FC Bayern.

Mit gerade einmal 22 Jahren begann Xavier Pascual, erwachsene Basketballer zu trainieren.

Über kleinere Vereine schaffte er den Sprung zum großen FC Barcelona, wo er 2008 den Job des Headcoaches übernahm - und seitdem eine neue Ära geprägt hat.

16 Titel in sechs Jahren, jüngster Trainer, der je die Turkish Airlines Euroleague gewonnen hat, zahlreiche individuelle Ehrungen. Xavier Pascual ist der Superstar unter den Trainern.

Mit SPORT1 spricht der 42-Jährige über Parallelen zu Fußball-Coach und Barca-Legende Pep Guardiola, das Spiel beim FC Bayern München (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) und eine kuriose Namensverwechslung.

SPORT1: Herr Pascual, Barca ist mit fünf Siegen in die Euroleague gestartet. Steht es in dieser Saison an oberster Stelle, nach vier Jahren auf Europas Thron zurückzukehren?

Xavier Pasqual: Titel sind immer unser Ziel, dazu gehört auch die Euroleague. Wir wissen, dass dies nicht leicht ist, aber wir arbeiten dafür.

SPORT1: Was hat sich geändert, nachdem Real Madrid Ihr Team im Mai im Halbfinale mit 100:61 aus dem Wettbewerb geprügelt hat?

Pasqual: Die Niederlage im Halbfinale war bitter, aber anschließend haben wir die spanische Meisterschaft gegen Madrid gewonnen. Wir erinnern uns lieber an das Positive als an das Negative (lacht).

SPORT1: Unter anderem hat Tibor Pleiß im Sommer Barca verstärkt. Zuletzt gegen Panathinaikos kam er aber nicht zum Einsatz, spielt generell deutlich weniger als Ante Tomic und etwas weniger als Maciej Lampe. Was muss er tun, um in der Rotation an den beiden vorbeizukommen?

Pasqual: Die Ligen dauern sehr lange. Zuletzt hat Tibor mehr in der Euroleague gespielt als Maciej. Wir setzen die Spieler so ein, dass sie perfekt vorbereitet sind.

SPORT1: Pleiß hat in seinem bis 2016 gültigen Vertrag eine Ausstiegsoption für die NBA. Welche Argumente führen Sie an, um ihm einen Wechsel auszureden?

Pasqual: Wir sind daran gewöhnt, dass uns Spieler verlassen und in die USA gehen. Wir denken noch nicht an das, was in der Zukunft passiert, sondern an die Gegenwart und die nächste Aufgabe. Und die nächste Aufgabe ist das Spiel beim FC Bayern.

SPORT1: Sie bestreiten mit Barca zum ersten Mal ein Pflichtspiel in München, wo seit viereinhalb Jahren groß in den Basketball investiert wird. Wie beurteilen Sie das Projekt des FC Bayern?

Pasqual: Für mich ist es ein sehr schönes und beeindruckendes Projekt, das immer weiter wächst. Wir haben schon einmal ein Freundschaftsspiel in München bestritten. Die Fans sind toll, die Mannschaft wird immer besser und es gibt die Unterstützung des gesamten Vereins, ähnlich wie in Barcelona. Ich glaube, dass der FC Bayern zu den Großen in Europa gehören wird.

SPORT1: Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede zur Basketball-Abteilung von Barca?

Pasqual: Es gibt einige Parallelen dadurch, dass wir beide zu einem großen Verein gehören. Mein Eindruck von außen ist, dass der Basketball in München ganz unabhängig vom Fußball funktioniert, in Barcelona arbeiten alle Abteilungen sehr eng zusammen. Andererseits haben wir in Barcelona mehr Tradition im Basketball als in München.

SPORT1: Bayern-Trainer Svetislav Pesic ist nach wie vor der einzige Coach, der mit dem FC Barcelona 2003 das Triple gewann. Welches Verhältnis haben Sie zu ihm?

Pasqual: Wir verstehen uns sehr gut und ich bewundere ihn sehr. Svetislav hat die erste Euroleague mit Barca gewonnen, ich die zweite. Er hat das Triple gewonnen und ist ein großer Trainer, an dem ich mich auch orientiere.

SPORT1: Welche Geschichten erzählt man sich bei Barca heute über ihn?

Pasqual: Es gibt immer irgendwelche Geschichten über uns Trainer, über unsere Charaktere oder Macken. Wichtig ist, welche Erinnerung die Leute an einen haben. Bei Svetislav sind das nur sehr gute Erinnerungen.

SPORT1: Pesic tauscht sich auch mal beim Abendessen mit Pep Guardiola aus. Was für Gespräche hatten sie während der gemeinsamen Zeit mit Guardiola?

Pasqual: Ich kenne Pep gut, bei Barca gibt es eine große Tradition, dass die Trainer der verschiedenen Abteilungen sich austauschen. Über die Arbeit mit der Gruppen oder auch über taktische Überlegungen. Die Trainer bei Barca machen und haben viel gemeinsam.

SPORT1: Sie haben sogar den gleichen Vor- und Nachnamen wie der Trainer der Barca-Handballer. Gab es deshalb Verwirrung?

Pasqual: Das stimmt, das ist ein sehr großer Zufall. Es gab ab und zu etwas Verwirrung oder E-Mail, die beim anderen gelandet sind. Aber das ist jetzt vorbei (lacht).

SPORT1: Haben Sie schon darüber nachgedacht wie es wäre, wenn Barca im Basketball, Handball und Fußball in einem Jahr alle großen Titel gewinnen würde?

Pasqual: Das wäre natürlich ein unglaublicher Traum für unseren Verein.

SPORT1: Guardiola hat in vier Jahren 14 Titel geholt, sie in sechs Jahren 16.

Pasqual: Ich weiß nicht, wie viele es waren. Es gibt in einem Klub wie Barca keinen anderen Weg, als weiter nach Titeln zu streben. In unserer Welt des Sports geht alles so schnell, man vergisst die Erfolge und erinnert sich an Niederlagen, die einen wurmen. Wie zum Beispiel die Niederlage gegen Real Madrid im Mai. Das Wichtigste ist, nach solch einer Pleite die Dinge besser zu machen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Was folgt bei Ihnen nach Vertragsende im nächsten Sommer? Ein Sabbatjahr oder gleich die Herausforderung im Ausland?

Pasqual: Ja, das kann ich mir sehr gut für die Zukunft vorstellen. Im Moment denke ich allerdings noch nicht an diesen Weg.

SPORT1: Würden Sie gerne einmal in Deutschland arbeiten?

Pasqual: Ja, das würde mir gefallen.

SPORT1: Warum?

Pasqual: In Deutschland wird allgemein sehr diszipliniert und methodisch gearbeitet. Der Versuch, etwas schaffen zu wollen, zählt dort viel. Ich denke, diese Kultur ist sehr interessant für den Sport.

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