München - Bei Barca ist Tibor Pleiß nur Center Nummer 3. Mit SPORT1 spricht er über Gründe, sein Leben in Barcelona und den neuen Bundestrainer.

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Vom FC Bayern berichten Katja Wölffing und Michael Spandern

Während die Stars des FC Barcelona nach dem sechsten Sieg im sechsten Spiel zufrieden in den Katakomben verschwanden, nahm sich Tibor Pleiß im Audi Dome noch lange Zeit für seine alten Fans.

Der Ausflug nach München, wo Barca den FC Bayern in der Turkish Airlines Euroleague souverän mit 99:77 abfertigte (BERICHT: Bayern bei McCalebb-Debüt vorgeführt), war Balsam auf die Seele des deutschen Nationalspielers.

Und das, obwohl die Partie an Pleiß ziemlich vorbeigelaufen war. Pleiß, der erst Mitte des zweiten Viertels und nach seinen Center-Konkurrenten Ante Tomic und Maciej Lampe eingewechselt worden war, kam nur durch Freiwürfe auf drei Punkte. Vier Rebounds, aber auch zwei Ballverluste und kein Feldkorb standen in seiner Statistik.

Pesic glaubt an Pleiß

Der 25-Jährige - in der Vorsaison bei Laboral Kuxta Vitoria noch effizientester Center der spanischen ACB - erlebt eine schwierige Zeit.

Umso mehr genoss er die Umarmungen seiner Münchner Kollegen aus dem DBB-Team, die "Tibor, Tibor"-Sprechchöre und das große Medieninteresse.

Und auch die Worte, die Bayern-Trainer Svetislav Pesic ihm widmete, dürfte er gerne vernehmen: "Tibor ist ein großer Kämpfer und hat eine positive Ausstrahlung. Er hat schon Momente durchgestanden, in denen er gar nicht gespielt hat."

Im SPORT1-Interview erläutert Pleiß seine Situation bei Barca, spricht über sein Leben in Barcelona und den neuen Bundestrainer Chris Fleming.

Zudem äußert sich die Nummer 31 der NBA-Draft 2010 zu seinem mehrmals aufgeschobenen Traum von der nordamerikanischen Profiliga.

SPORT1: Herr Pleiß, wie haben Sie sich eingelebt beim großen FC Barcelona?

Tibor Pleiß: Es ist noch gewöhnungsbedürftig für mich. Ich habe eine ganz andere Rolle als letztes Jahr in Vitoria. Da habe ich mehr gespielt, habe mehr Bälle bekommen. Momentan ist es noch so, dass der Coach analysieren muss, wie er mich einzusetzen hat. Das dauert wahrscheinlich noch. Ich versuche, meine Rolle im Team zu finden.

SPORT1: In München kamen Sie als dritter Center ins Spiel, in der vorigen Woche gegen Athen gar nicht. Woran liegt's?

Pleiß: Das müssen Sie den Coach fragen. Er ist derjenige, der die Zügel in der Hand hat. Wenn ich auf dem Platz bin, versuche ich zu helfen und mit meiner Verteidigung dem Team den Rücken freizuhalten.

SPORT1: Sie könnten sich zum Ziel setzen, erneut der effizienteste Center der Liga zu werden...

Pleiß: Das ist natürlich schwer. Ich versuche einfach, das Beste herauszuholen. Mehr kann ich auch nicht machen.

SPORT1: Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Pleiß: Immer hart trainieren, Extrastunden nach dem Training oder davor auf dem Platz stehen - auch, um positiv zu bleiben und sich weiterzuentwickeln.

SPORT1: Haben Sie es in einem offensiv orientierten Klub wie Barca besonders schwer, an Tomic oder Lampe vorbeizukommen?

Pleiß: Das kann man nicht sagen. Es macht einen stärker, im Training jeden Tag gegen diese zwei Topspieler anzutreten. Wir sind jetzt seit dreieinhalb Monaten zusammen, und ich habe sie mittlerweile ganz gut durchschaut. Das gilt aber andersrum genauso.

SPORT1: Konnten Sie die Zeit in Deutschland ein wenig auskosten?

Pleiß: Ja, meine Familie ist da. Es ist schön, sie mal wiederzusehen und in den Arm zu nehmen.

SPORT1: Wie leben Sie in Barcelona?

Pleiß: Ich wohne etwas außerhalb, zehn Minuten von der Trainingshalle entfernt, in einer Wohnung mit einem schönen Balkon und super Ausblick über ganz Barcelona. Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt, und wenn ich mal frei habe, gehe ich wie am Dienstag an den Strand. Es ist gut, mal die Gedanken baumeln zu lassen und am nächsten Tag wieder anzugreifen.

SPORT1: Wie sehr ist das Thema NBA bei Ihnen im Kopf?

Pleiß: Ich versuche, gar nicht daran zu denken. Wann und ob ich nach Oklahoma City gehe, weiß ich nicht. Ich kann es nicht kontrollieren. Ich versuche, in der Gegenwart zu leben.

SPORT1: Gibt es vielleicht Pläne, wieder in die Beko BBL zu kommen?

Pleiß: Momentan bin ich in Barcelona. Was in der Zukunft passiert, muss man sehen.

SPORT1: Spüren Sie schon Vorfreude auf die EM 2015, wenn Deutschland die Vorrunde in Berlin spielt?

Pleiß: Ich freue mich darauf. Auch darüber, dass Chris Fleming (PERSONALIE: Von Quakenbrück bis Rio) unser Bundestrainer ist. Und mit Arne Woltmann ist auch ein früherer Co-Trainer von mir dabei. Ich bin froh, mit diesen beiden zusammenzuarbeiten.

SPORT1: Profitieren Sie persönlich davon?

Pleiß: Am Ende zählt die Leistung. Auch wenn wir uns kennen, bedeutet es noch lange nicht, dass ich einen Freifahrtschein habe. Aber es ist ein Vorteil, dass Chris ganz genau weiß, was ich kann. Da wir ein ganz gutes Verhältnis haben, hat er meine Karriere immer weiterverfolgt. Er wird die beste Rolle für mich finden.

SPORT1: Auch, wenn Sie sich derzeit nur wenig präsentieren können?

Pleiß: Ich habe mich letztes Jahr schon präsentiert. Man weiß, dass ich Basketball spielen kann - und das sehr gut. Momentan bin ich bei einem Klub, in dem es nicht ganz so einfach ist, sich durchzusetzen. Aber ich versuche, nicht auf der Stelle stehenzubleiben und mich nicht mit der Situation zufriedenzugeben.

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