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Trainer Svetislav Pesic (r.) muss lange auf Bo McCalebb verzichten
Svetislav Pesic (r.) gewann als Trainer bereits acht nationale Meistertitel © imago

Bayern-Coach Pesic schimpft vor dem Spiel gegen Zgorzelec heftig. Der McCalebb-Effekt bleibt aus, das "gewisse Etwas" fehlt.

Von Florian Pertsch

München - Als wäre das Aus in der Turkish Airlines Euroleague für den FC Bayern München noch nicht genug.

Nach dem bitteren 81:83 gegen Armani Milan (DATENCENTER: Die Euroleague) setzte es sogar gegen Beko-BBL-Kellerkind TBB Trier mit 74:79 eine Pleite.

Damit hatte wahrlich keiner gerechnet - außer vielleicht Bayern Trainer Svetislav Pesic.

"Ich bin überhaupt nicht überrascht, dass wir in Trier verloren haben", erklärt der Serbe bei der Pressekonferenz vor dem Euroleague-Duell mit dem polnischen Meister PGE Turow Zgorzelec (Do. ab 20:10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM).

Pesic findet harte Worte

Dass ihn die Pleiten aber kalt lassen, kann man nicht gerade behaupten.

Denn das Urteil über seine Bayern fällt nach dem ersten Drittel der Saison ziemlich hart aus.

"Unsere Defense ist katastrophal. Damit haben wir in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen", kritisiert Pesic.

Das "gewisse Etwas" fehlt

"Alle Gegner haben das gewisse Etwas gegen uns gezeigt, zusätzlich Gas gegeben. Bei uns hat das in den letzten zwei, drei Monaten gefehlt."

Pesic spielt damit wohl vor allem auf so unnötige Niederlagen wie gegen Aufsteiger Göttingen und eben Trier an - und natürlich auch auf das Euroleague-Scheitern.

Zwar findet der 65-Jährige dies nicht besonders erbaulich, aber für den Welt- und Europameister-Coach ist es letztlich einerlei, ob Bayern in der Gruppenphase oder in der Top-16-Runde ausscheidet.

"Ich hatte nicht das Ziel Top16, das kann auch nicht das Ziel des FC Bayern München sein", erklärt Pesic ernst: "Unser Ziel muss das Final4-Turnier sein. Ich bin kein Trainer, der nur in der Euroleague mitspielt."

Alles eine Frage des Geldes

Letztlich sind die Europa-Ziele des ambitionierten Trainers dann auch eine Frage des Geldes, woran es dem Verein nach Ansicht Pesic' für ein ordentliches Auftreten in der Königsklasse weiter mangelt.

"Ich hatte gewarnt, dass wir eine sehr komplizierte Saison haben werden. Wir hatten keine finanziellen Mittel, uns zu verstärken. Wir sind auf dem gleichen Level geblieben", so Pesic auf SPORT1-Nachfrage.

Der FC Bayern nicht verstärkt?

Dabei sah es vor der Saison noch danach aus, als ob der Deutsche Meister 2014 die nächste Stufe erklimmen würde.

Steffen Hamann, Malcolm Delaney, Chevon Troutman und Deon Thompson verließen den Verein, Stars wie Anton Gavel, Vasilije Micic, Dusko Savanovic und Rollenspieler wie Vladimir Stimac sowie Jan-Hendrik Jagla wurden verpflichtet.

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Und als das Verletzungspech die Bayern arg beutelte, war sogar noch Geld für einen der besten Point Guards in Europa da: Bo McCalebb.

"Wir haben uns nicht verstärkt"

Aber Pesic bleibt dabei: "Wir haben uns nicht verstärkt. Auch Bo hat uns nur ein bisschen besser gemacht."

Liegt natürlich auch an der mangelnden Fitness des US-Amerikaners mit mazedonischem Pass.

Seit dem Sommer ohne Verein, bleibt McCalebb noch einiges schuldig und es ist noch nicht klar, ob sein Vier-Wochen-Vertrag verlängert wird.

Geschäftsführer Marko Pesic hielt sich in der Halbzeit des Trier-Spiels auch noch alle Optionen offen und vertagte die Entscheidung auf kommende Woche.

Verteidigung bleibt die Achillesferse

Spielerisch bemängelte Marko Pesic wie sein Vater die Defense, die weiterhin zu viele Konzentrationsmängel zeigt und viele Mannschaften immer wieder herankommen lässt.

Doch genau das ist die einzige Chance, die Pesic Senior für seine Mannschaft sieht: Defense und Rebound.

Doch allzu oft lag genau hier das Problem. Vorne wurden zu viele Dreier verballert und hinten glich die im letzten Jahr knackig zupackende Abwehr einem Hühnerhaufen.

86,3 Punkte des Gegners in der Euroleague sind der drittschlechteste Wert, letzte Saison waren es sogar mit der Top16-Runde nur 78,9 Zähler.

Pesic glaubt an die Wende

Gegen den polnischen Meister Turow Zgorzelec muss Pesic seine Bayern wieder auf Kurs bringen - nicht zuletzt als psychologisches Signal für den weiteren Saisonverlauf.

Dass ihm dies gelingt, daran hat der Serbe keine Zweifel.

"Ich glaube an meine Spieler, ich glaube an meine Arbeit, und ich glaube an mein Konzept. Ich hab nicht bis vier Uhr gefeiert, als wir Erfolg hatten. Ich habe auch nicht bis vier Uhr geweint, als wir verloren haben", gibt sich Pesic betont beruhigt.

"Wir sind nicht so schlecht wie unsere Ergebnisse, wir sind aber nicht so gut wie uns viele gemacht haben."

Sichtweise hin oder her, am Ende zählen Ergebnisse - und die stimmen in letzter Zeit nicht wirklich.

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