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ALBA Berlin um Topscorer Niels Giffey ist vorerst Tabellenführer
Niels Giffey (l.) spielt seit der laufenden Saison für ALBA © getty

ALBA Berlin ächzt unter dem sehr straffen Terminplan, Niels Giffey findet bei SPORT1 deutliche Worte für die Ligastatuten.

Rund 1300 Kilometer sind es von Kaunas nach Ulm - und das mit zweimal Umsteigen.

Mit dem Bus nach Vilnius, von dort mit dem Flieger nach München und anschließend wieder auf vier Rädern ins beschauliche Ulm in Baden-Württemberg.

Warum das alles? Na, für das ALLSTAR-Game der Beko BBL.

ALBA Berlins Spieler, Trainer und Betreuer hatten am vergangenen Samstag eine wahre Ochsentour hinter sich und erklärten folglich unisono: Wir sind einfach nur durch.

Hohe mentale Belastung

Die zweite Partie in der Top16-Runde der Turkish Airlines Euroleague war bereits das 32. Pflichtspiel - das Duell mit den San Antonio Spurs mit eingerechnet - in etwas mehr als 100 Tagen für die Berliner.

Eine Terminhatz, die langsam an die Substanz geht.

"Die Belastung ist in dieser Saison sehr groß. Nicht nur körperlich, sondern auch mental - und es ist erst Januar", erklärte Head Coach Sasa Obradovic im Gespräch mit SPORT1: "Trotzdem bin ich sehr zufrieden, es gab nur wenige Spiele, in denen mein Team nicht die von mir erwartete Intensität aufs Feld gebracht hat."

In der Tat kann sich die Bilanz der Berliner sehen lassen. Tabellenführer in der Bundesliga, die Top16-Runde der Euroleague erreicht und dort mit einem Sieg gegen den großen FC Barcelona für Furore gesorgt.

"Es ist eine Ehre, Deutschland in der Euroleague zu vertreten, aber gleichzeitig kann das auch sehr übel für uns am Ende ausgehen", warnt der 45-jährige Serbe.

Das nächste Highlight wartet schon: ALBA - Real Madrid (Do., 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

Die letzten beiden Pleiten gegen Kaunas und Bamberg waren ein mahnendes Beispiel und Obradovic merkt seinen Spielern die Erschöpfung an.

"Es ist sehr hart. Wir müssen an den Spieltagen höllisch aufpassen, dass wir immer genug Energie haben", so Nationalspieler Niels Giffey zu SPORT1 - und der gerade 23-Jährige gehört sicherlich noch nicht zum alten Eisen.

Giffey war einer von drei ALBA-Profis, die sich beim ALLSTAR-Game in Ulm aufs Feld kämpften und offen zugaben, dass "es nicht ganz leicht ist, sich nach so einem heftigen Sechs-Stunden-Trip für so ein Event zu motivieren."

Für dieses Spiel dürften die Berliner keine Motivationsprobleme haben:

Auch Reggie Redding hing in Ulm ziemlich in den Seilen, freute sich aber sehr, einen alten Bekannten zu treffen.

"Ich konnte nach dem Spiel in Kaunas kaum schlafen. Ich hoffe, dass ich überhaupt noch Energie finde, um hier ein bisschen Spaß zu haben. Ich freue mich Brad Wanamaker zu sehen. Wir sind gute Kumpels, haben in der Highschool gegeneinander gespielt", so Redding.

Spielordnung sollte für klare Verhältnisse sorgen

Missen wollte das alljährliche Spaß-Event, dass für viele auch ein wenig so etwas wie das Klassentreffen der BBL ist, nicht.

Viel mehr wünschen sich die Profis die konsequente Umsetzung der Regularien, die eigentlich klar regeln, dass solch eine Terminhatz nicht möglich ist.

"Vor und nach Europacupspielen ist bis zum nächsten Bundesligaspiel grundsätzlich eine Pause von 48 Stunden einzuhalten", heißt es in Paragraph 10.4 der Spielordnung.

Neuverpflichtung im Winter

"Wenn es eine Regel gibt, dann sollte die auch eingehalten werden. So simpel ist das für mich. Schließlich gibt es die Regel nicht ohne Grund", sagt Giffey und erklärt auch warum: "Erstens geht es um einen fairen Wettbewerb und zweitens müssen die Spieler geschützt werden. Schließlich brauchen wir auch eine Regenerationszeit."

Das Argument mit der Regenerationszeit ist sicherlich nicht ganz unberechtigt, denn im neuen Jahr musste ALBA auf die Verletzung von Center Jonas Wohlfarth-Bottermann reagieren und verpflichtete Jannik Freese.

Auch beim FC Bayern München, bis Ende Dezember der zweite deutsche Vertreter in der Euroleague, will die Verletztenmisere nicht enden und verhinderte ein besseres Abschneiden auf internationalem Parkett.

Klingt alles logisch, aber warum werden dann trotzdem BBL-Partien nach einem Freitagsspiel in der Euroleague am frühen Sonntagnachmittag angesetzt?

Kompromiss nicht in Sicht

Der Teufel steckt wie so oft im Detail, denn weiter heißt es eben auch: "Sollte dies nicht möglich sein, entscheidet die BBL GmbH."

"Dann sollte die BBL vielleicht gar nicht entscheiden", antwortet Giffey lapidar auf diesen Passus.

Eine Lösung scheint vorerst nicht in Sicht.

Die Liga möchte den jeweiligen Spieltag am Sonntag um 17 Uhr abgeschlossen sehen und die Euroleague zeigt sich mit der Ansetzung ihrer Spiele am Donnerstag und Freitag nicht kompromissbereit.

Bleibt als letzte Möglichkeit der Trainingsaufwand, den Obradovic vielleicht etwas herunterfahren könnte.

Dass der Serbe aber auch mal etwas den Fuß vom Gas nehmen könnte, wird bei den Albatrossen stark bezweifelt.

"Es gibt nie einen lockeren Tag mit Coach Sasa", sagt Redding - und kann wenigstens dabei noch lachen.

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