Berlin und München - ALBA verschafft sich mit dem Coup gegen Barcelona Respekt. Spanien staunt. Das große Trio um McLean macht Obradovic stolz.

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Am Ende hatte selbst der sonst so strenge Boss ein breites Grinsen im Gesicht.

Cheftrainer Sasa Obradovic konnte seine Zufriedenheit über den sensationellen 80:70-Auftakt (Bericht) von ALBA Berlin gegen den großen FC Barcelona in die Top16 der Turkish Airlines Euroleague nicht verbergen.

"Ich bin stolz auf meine Jungs. Wie wir nach den ersten fünf Minuten zurückgekommen sind, das war ganz groß. Ich bin extrem glücklich, aber vor allem stolz", sagte Obradovic im Anschluss.

Obradovic weckt ALBA drastisch auf

Dabei hatte zu Beginn nichts auf diesen fantastischen Coup gegen das spanische Starensemble mit Marcelinho Huertas, Ante Tomic oder dem deutschen Nationalspieler Tibor Pleiß hingedeutet.

Mit 0:10 und 5:19 lag der letzte Vertreter der Beko BBL in der europäischen Königsklasse schnell zurück. "Warum scheißt ihr euch in die Hose?", fragte Obradovic in einer Auszeit gewohnt unverblümt.

Damit weckte der feurige Serbe sein Team aber auf. Der Vizemeister zeigte nun die aus der Liga gefürchtete leidenschaftliche Verteidigung und kämpfte sich zurück.

Barcelona nach der Pause ausgebremst

Vor allem im dritten Viertel biss sich der Titelfavorit ohne seinen verletzten Superstar Juan Carlos Navarro die Zähne aus.

Ganze acht Pünktchen schaffte Barca gegen die "Berliner Mauer", wie die große spanische Sportzeitung "Marca" titelte. Im letzten Viertel behielten die Gastgeber erstaunlich routiniert die Nerven.

"Sie waren besser. In der zweiten Hälfte haben wir offensiv keine Lösungen gefunden. Wir hatten keine Antwort auf ALBA, weder körperlich noch mental", zog Gästetrainer Xavier Pascual ein vernichtendes Fazit.

King demonstriert Selbstbewusstsein

Die bissigen Berliner, die zuletzt noch ein wenig an der deftigen 29-Punkte-Klatsche in Bamberg zu knabbern hatten, setzten ein europaweit vernommenes Ausrufezeichen.

Von einem Einzug ins Viertelfinale der Euroleague zu träumen, wäre verfrüht. Die weiteren Gegner Galatasaray Istanbul, Panathinaikos Athen, Real Madrid, Roter Stern Belgrad, Maccabi Tel Aviv und Zalgiris Kaunas dürften aber gewarnt sein.

Der für das Weiterkommen notwendige vierte Rang erscheint zumindest nicht völlig unrealistisch. Noch wichtiger war der Erfolg aber für die Psyche.

"Jetzt werden die anderen Teams vor uns ordentlich Respekt haben", sagte Kapitän Alex King und demonstrierte damit sofort das gewaltig gestiegene Selbstbewusstsein.

Big Men um McLean überragen

Vor allem der vermeintlich zu kleine Frontcourt mit Jamel McLean, Reggie Redding (je 16 Punkte, 8 Rebounds) sowie Leon Radosevic (16 Zähler, 5 Rebounds) lieferte eine ganz starke Vorstellung und sicherte den so wichtigen Rebound-Vorteil (39:30).

Vor allem Topstar Tomic (3 von 10 aus dem Feld) nahmen sie völlig den Rhythmus. Pleiß blieb in knapp neun Minuten Spielzeit ohne jeden Punkt, holte aber immerhin vier Rebounds.

"Wir hatten zu viele Ballverluste und haben in der Verteidigung oft geschlafen. Es ist traurig, so zu starten, aber wir müssen positiv bleiben", sagte Pleiß bei "Sky". Es war erst die zweite Pleite des spanischen Meisters im laufenden Wettbewerb.

Bremerhaven statt Feier

Lediglich der brasilianische Spielmacher Huertas machte den "Albatrossen" mit 23 Punkten großen Probleme, ihn zwangen Cliff Hammonds und Co. jedoch auch zu fünf Ballverlusten.

"Am Anfang waren wir zu zögerlich, aber dann haben wir so gespielt, wie wir in der Lage sind zu spielen", analysierte Redding.

So ganz aus seiner Haut konnte sein Coach Obradovic dann aber doch nicht: "Wir haben keine Zeit zum Feiern, weil die nächste Aufgabe schon vor der Tür steht und mindestens genauso wichtig ist. Wir brauchen den Sieg in Bremerhaven, um unseren Vorsprung in der Tabelle zu behalten."

Am Sonntag gibt es beim Auswärtsspiel gegen die Eisbären ein Wiedersehen mit Ex-Kapitän Sven Schultze. Im dritten Spiel in sechs Tagen ist dann wieder ALBA der große Favorit. Auch dank ihres eigenen Husarenstücks dürften die "Eurofighter" ihre Pflichtaufgabe gewarnt angehen.

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