Madrid und München - Am Tag danach kann Spanien das überraschende Aus gegen Frankreich immer noch nicht fassen. Die "Geköpften" sind geschockt.

"Kopf hoch", sagte Iker Casillas.

Der Startorhüter tröstete seine Landsleute nach dem nächsten Tiefschlag für den spanischen Sport - er konnte die Gefühle nur zu gut verstehen.

Als Edelfan in der ersten Reihe des Palacio de Deportes von Madrid hatte der 33-Jährige erlebt, wie nach den Fußballern die ebenso hochgehandelten Basketballer viel zu früh bei der Weltmeisterschaft (LIVE im TV auf SPORT1) scheiterten.

Auf der Tribüne flossen die Tränen.

Die erste echte Überraschung

Unerwartet unterlagen die Gastgeber Europameister Frankreich im Viertelfinale nach einer unerklärlich schwachen Leistung mit 52:65 (28:35) (Bericht). Es wird nichts mit dem zweiten WM-Titel und auch nichts mit dem Traumfinale gegen die USA.

Kein Experte hätte gedacht, dass die Spanier an diesen Franzosen scheitern könnten. Schließlich fehlten der Equipe Tricolore unter anderem NBA-Champion Tony Parker und Top-Center Joakim Noah.

Doch es kam anders, das Turnier hat seine erste echte Überraschung (Die Basketball-WM).

Navarro deutet Überheblichkeit an

"Bevor das Spiel überhaupt begonnen hat, dachte jeder, wir hätten schon gewonnen", sagte Juan Carlos Navarro, "aber wir haben uns schlecht vorbereitet. Wir haben das gemacht, was wir immer machen. Doch die Würfe sind nicht gefallen." Dagegen sei der Gegner "enorm selbstsicher aufgetreten".

Das Aus tut weh.

Die "Goldene Generation" der Spanier um die Gasol-Brüder Pau (34) und Marc (29), Navarro (34), Jose Calderon (32) oder Rudy Fernandez (29) hat es verpasst, sich einen weiteren großen Titel nach den Erfolgen bei der WM 2006 sowie den EM-Endrunden 2009 und 2011 zu sichern.

Erinnerungen an Fußball-WM

Entsprechend reagierten die Medien. "Die traurigste Nacht des spanischen Basketballs", titelte die Sporttageszeitung Marca und bezeichnete die Spieler martialisch als "Guillotinados" (Die Geköpften). "Auf Wiedersehen, Traum" schrieb die As.

Erinnerungen an Brasilien kamen hoch, als Titelverteidiger Spanien bei der Fußball-WM in der Vorrunde ausgeschieden war.

Derlei Probleme hatten die Basketballer nicht. Fünf Siege in fünf Spielen gelangen, im Schnitt mit knapp 25 Punkten Vorsprung, darunter ein 88:64 gegen Frankreich. Kein Wunder, dass sich die Spanier frühzeitig immer wieder zum vermeintlich bevorstehenden Endspiel gegen das Team USA äußern mussten.

NBA-Legende Charles Barkley prophezeite seinen Landsleuten zuletzt schon eine Niederlage gegen die starken Spanier. Nun erfährt niemand, wer der Bessere ist.

"Der Favorit gewinnt nicht immer"

"Diese Niederlage schmerzt", sagte Pau Gasol: "Aber das gehört leider zum Sport. Der Favorit gewinnt nicht immer." Unterschätzt habe man die Franzosen keineswegs. Geholfen hat den Spaniern der hohe Sieg in der Gruppenphase aber ganz sicher nicht.

Merkwürdig unkonzentriert ging die Mannschaft von Trainer Juan Orenga zu Werke. Nur zwei von 22 Dreiern fanden den Korb (9 Prozent!), die Rebound-Bilanz lag bei 28:50. So ist kein Basketballspiel zu gewinnen.

Franzosen kontern Spaniens Medien

Den Franzosen war's egal. Ein Jahr nach dem Halbfinalerfolg über Spanien bei der EuroBasket in Slowenien und dem folgenden Titelgewinn steht die "Grande Nation" erstmals in einem WM-Halbfinale. Am Freitag (ab 22 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1.de) geht es gegen Serbien.

"Ich bin sehr stolz auf die Spieler, sagte Trainer Vincent Collet: "Wir sind so aufgetreten, als hätten wir in den kommenden Tagen kein Spiel."

Die L'Equipe feierte ihre "Giganten" und veröffentlichte mit Genugtuung die Titelseiten der spanischen Blätter. Tags zuvor hatte die Marca gefordert, den Gegner zu "zerstören".

Es ging gründlich daneben.

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