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Markus Rehm belegte beim Turmspringen den dritten Rang
Markus Rehm belegte beim Turmspringen den dritten Rang © getty

Markus Rehm hat beim Turmspringen von TV-Moderator Stefan Raab den dritten Platz belegt.

Rehm, der die Sportwelt 2014 ein bisschen auf den Kopf stellte, hatte bei der sportlichen Jux-Veranstaltung in München einen weiteren viel beachteten Auftritt - und war bei der Ehrung der Behindertensportler des Jahres in Köln gleichzeitig wieder Gegenstand vieler Diskussionen.

Während mancher Athlet darüber murrte, dass der 26-Jährige seine erste Ehrung als Sportler des Jahres wegen einer Show-Veranstaltung nicht persönlich entgegennahm, jubelten andere über einen weiteren Schritt zur Inklusion.

Und gleichzeitig stand die Frage im Raum: Wird Rehm künftig vor allem bei solchen Veranstaltungen auf sich und seine Sache aufmerksam machen müssen? Oder darf er nach seinem deutschen Meistertitel im Weitsprung irgendwann wieder als gleichberechtigter Athlet an solchen Wettkämpfen teilnehmen?

Beim Turmspringen überzeugte Rehm sowohl sportlich (er wurde Dritter unter zehn Teilnehmern) als auch durch Humor ("Ich stehe schon mit einem halben Bein im Finale").

"Einige fanden es nicht so gut, dass er da mitgemacht hat. Ich fand es super", meinte Trainerin Steffi Nerius: "Das war eine richtig coole PR, weil es toll aussieht, wenn er springt. Aber ich bin auch froh, wenn wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren können."

In den vergangenen vier Wochen hat Rehm praktisch nur fürs Turmspringen trainiert, die ungewohnte Belastung sorgte zudem für eine Entzündung am Beinstumpf.

Ihr Schützling habe in der Vergangenheit "auch einiges abgelehnt", erklärte Nerius. Womit Rehm zeigte, dass er den schmalen Grat bei solchen Ausflügen ins Showgeschäft kennt.

"So einen Termin kann man nicht absagen. Das ist professioneller Umgang mit Öffentlichkeit. Und ein Teil von Inklusion", sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes: "Man muss sich nicht zum Affen machen und jedem Pflänzchen hinterherjagen. Aber solch ein Wettbewerb ist eine Herausforderung."

Auch Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber, die nach fünf Goldmedaillen in Sotschi zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde, fand es "gut, dass Markus da mitgemacht hat".

Auch die inkomplett querschnittsgelähmte Athletin wäre für einen ähnlichen Ausflug zu haben: "Turmspringen wäre jetzt bei mir nicht so ideal. Aber ansonsten kann ich mir fast alles vorstellen."

So sieht es auch Edina Müller, die mit den Rollstuhlbasketballerinnen die Teamwertung gewann. "Ich würde alles ausprobieren, was Spaß macht. Bobfahren fänd ich zum Beispiel spannend", sagte die 31-Jährige.

Das Turmspringen sei "keine Spaßveranstaltung. Dafür muss man schon was draufhaben. Deshalb halte ich das für eine tolle Sache."

An sportlichen Wettkämpfen der nicht behinderten Leichtathleten wird Rehm, dem nach seinem Triumph bei den deutschen Meisterschaften die Teilnahme an der Leichtathletik-EM untersagt wurde, künftig teilnehmen dürfen - aber nur außerhalb der Wertung.

"Wir können damit leben, mehr geht im Moment nicht", sagte Beucher bedauernd.

Mit Rehms Titel sei "etwas passiert, was nicht passieren darf. Aber Markus ist ein Ausnahme-Athlet, er springt auf einem schwindelerregenden Niveau. Und nicht die Prothese ist 8,24 m gesprungen, das war Markus."

Aktuell gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, ob diese einen Vorteil darstellt. Eine Einzeluntersuchung kostet etwa 80.000 Euro - und würde dann eben nur den Fall Rehm behandeln.

"Ich habe das Gefühl, es ist schwierig zu finanzieren. Und ich habe das Gefühl, dass nicht jeder großes Interesse daran hat", erklärte Nerius: "Viele agieren zu passiv, auch der DBS."

So oder so sei das Problem nur schwer zu lösen: "Selbst wenn ein Gutachten nachweist, dass er einen Nachteil oder zumindest keinen Vorteil hat: Wenn er dann seine Technik verbessert und weiter springt, wird wieder alles in Frage gestellt."

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