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Sydney - Ex-Fußball-Profi Thorsten Legat blickt den bevorstehenden Strapazen im australischen Dschungel gelassen entgegen. Mit seiner Vergangenheit hat er abgeschlossen.

Die vielen Menschen, die über ihn lachen? Der Gedanke, er werde am Nasenring durch die Manege geführt? All das ist Thorsten Legat vollkommen egal.

"Ich habe vor gar nichts Angst. Was ich als Kind erlebt habe, da kann mich nichts mehr erschüttern, nie wieder", sagte der langjährige Bundesliga-Profi am Mittwoch - kurz vor seinem Einzug ins RTL-Dschungelcamp in Australien. Am Freitag geht es los.

Im Ekel-Fernsehen erwarten ihn Krododilhoden, Kakerlaken und nicht zuletzt viele einigermaßen abgehalfterte Kandidaten vom Playboy-Starlet bis zum gescheiterten TV-Moderator. Doch nichts kann für ihn so schlimm sein, wie es die Schatten der Vergangenheit sind. 

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit

Bis zu seinem 15. Lebensjahr wurde Legat von seinem Vater missbraucht, körperlich und sexuell.

Den Frust und den unerträglichen Schmerz hat er sich in seinem berührenden Buch "Wenn das Leben foul spielt" von der Seele geschrieben, es erklärt einige Dinge, die er im späteren Leben getan hat.

Den Alkohol, den Panzer aus Muskeln, den er sich als Bodybuilder zulegte, den Hang zum Brachialen in Wort und Tat. 

Im Nu zurück zur Kultfigur

In den vergangenen Wochen ist Legat aus der Versenkung wieder zu der Kult-Figur aufgestiegen, die er einst auf dem Platz war.

Es schien, als brauche es nur ein Mikrofon und ein Stichwort, schon verhaspelte sich Legat, er widersprach sich selbst, er war wie ein lebender Zitate-Automat. Knopfdruck, Spruch - und alle sagen: Ha, der Legat wieder. Ist der doof!

Doch das wird dem Ex-Kicker nicht gerecht. Legat ist ein authentischer, gerader Mann mit Ruhrpottschnauze, "mein Vadda war auffer Hütte, ich weiß, wat malochen heißt", sagt er dann. Er ist wesentlich weicher, als es das Äußere vermuten lässt.

"Ich will nicht mehr den ganz Harten raushängen lassen, das passiert mir nicht mehr, solange ich lebe. Ich werde nicht mehr unterdrückt von den Erlebnissen in meiner Kindheit. Herz, Emotionen, Gefühle! Darum geht es."

15 Kilogramm abgenommen

Seine Gefühle aufzuschreiben, hat ihm geholfen, die Muskelhülle zu sprengen, die manchmal wie eine Falle war.

"Ich will diesen ersten Abschnitt meines Lebens hinter mir lassen", berichtet der 47-Jährige. "Ich habe das Geheimnis gelüftet, durch mein Buch. Dadurch bin ich ein anderer Mensch geworden. Ich fühle mich erlöst. Ich kann befreit atmen."

Mit dieser "Tiefenentspannung" geht er in den Dschungel, für den er 15 Kilo abspeckte, um sich ans Hungern zu gewöhnen. Legat war und ist eben gewissenhaft. Sonst hätte er keinen Europapokal, keine Meisterschaft, keine Pokal-Siege in der Vita.

Aber im Dschungelcamp, sagt er, da kann halt auch ein Legat "mal an seine Grenzen stoßen". Das Camp sei "ein Kick, den ein Thorsten Legat immer braucht".

Er wird wohl zu denjenigen Typen gehören, die den Zuschauern sehr sympathisch sein werden. Und falls nicht? Egal! "Die, die darüber lachen, haben selbst die meiste Scheiße vor ihrer Tür."

Doch noch mal ein echter Legat.

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