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Axel Schulz (r.) gewann 26 seiner 33 Profikämpfe

München - Für Axel Schulz hat Marco Huck im Schwergewicht nichts zu suchen. Er spricht ihm die Qualität ab und lobt einen anderen Boxer.

Axel Schulz redete nicht lange drum herum.

"Marco hat im Schwergewicht nichts zu suchen", sagte der ehemalige Boxprofi am Rande einer Benefizveranstaltung der Laureus-Stiftung in München zu SPORT1.

Gemeint war Marco Huck. Amtierender WBO- und mit insgesamt 13 erfolgreichen Titelverteidigungen auch Rekordweltmeister im Cruisergewicht. Dort schon seit über fünf Jahren ungeschlagen - und mittlerweile quasi konkurrenzlos.

Huck träumt von Duell mit Klitschko

So konkurrenzlos, dass er "langsam die Lust verliert", wie Huck zuletzt der "Sport Bild" eröffnet hatte.

Er erwäge einen Wechsel ins Schwergewicht, hatte der 29-Jährige verraten und selbstbewusst hinzugefügt: "Mit mir wären da wieder Spannung und Spektakel garantiert."

Besonders bei einem möglichen Duell mit Vierfach-Champion Wladimir Klitschko. "Ich würde mich besser gegen ihn verkaufen als seine jetzigen Gegner", hatte Huck gesagt: "Es würde ein ganz enges Ding werden."

Und: "Mit diesem Kampf könnte man das Berliner Olympiastadion füllen."

Große Worte eines mit 1,87 Metern auch nicht gerade kleinen Mannes.

Schulz: Huck technisch limitiert

Aus Sicht von Ex-Profi Schulz jedoch nicht mehr als eine "super PR-Nummer".

Huck sei physisch zwar stark, urteilte der 45-Jährige, fürs Schwergewicht aber nicht stark genug.

Das habe er schon bei seinem bislang einzigen Ausflug zu den "Großen", bei dem Huck Anfang 2012 dem Russen Alexander Powetkin unterlegen war, leidvoll erfahren müssen.

"Gegen leichte Gegner könnte Marco vielleicht mithalten, gegen so richtige Hauer aber nicht", sagte Schulz zu SPORT1 und begründete: "Dafür wird er in seinen Kämpfen immer wieder zu oft und auch zu hart getroffen."

Erst bei Hucks nur phasenweise wirklich überzeugendem Punktsieg gegen den Italiener Mirko Larghetti Ende August habe man "wieder gesehen, dass ihm von der technischen Seite her etwas fehlt", betonte Schulz und kam zu dem Schluss:

"Marco hat ein großes Kämpferherz. Aber es reicht nicht, um im Schwergewicht oben ran zu kommen."

Kein Klitschko-Konkurrent in Sicht

Doch das gelte bei weitem nicht für Huck allein, wie Schulz klarstellte.

"Wladimir ist einfach ein super Boxer. Momentan gibt es keinen, der an ihn heran kommt - weder in Europa, noch in den USA, noch sonst irgendwo", so der einstige "Weiche Riese".

Eigentlich bleibe dem inzwischen schon seit über zehn Jahren ungeschlagenen Weltmeister der Verbände IBF, WBO, WBA und IBO nur noch zu wünschen, "dass er irgendwann den richtigen Zeitpunkt erwischt, um aufzuhören", sagte Schulz: "Am besten unbesiegt."

Dass der 38-Jährige später einmal einen ähnlichen Weg wie sein älterer Bruder Vitali, seit Mai dieses Jahres Bürgermeister von Kiew, einschlagen wird, glaubt Schulz indes nicht.

"Wladimir wird jetzt erst mal Vater und sich daher ein Stück weit mehr auf die Familie konzentrieren", sagte Schulz und ergänzte: "Nach seiner Karriere könnte ich mir vorstellen, dass er irgendwas im Sport- oder Sportmarketingbereich macht."

Bulgarisches Kraftpaket will den Bann brechen

Bis es einmal so weit ist, dürfte sich Klitschko aber noch der eine oder andere Herausforderer in den Weg stellen.

Der erste davon ist Kubrat Pulev. Ein in insgesamt 20 Profikämpfen noch ungeschlagenes Kraftpaket aus Bulgarien - und in Deutschland bis dahin noch weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Man werde sehen, "wie Wladimir nach seiner Verletzung zurecht kommt", sagte Schulz mit Blick auf den Fight am 15. November in Hamburg, wollte sich offensichtlich aber nicht allzu lange damit aufhalten.

Neuer deutscher Hoffnungsträger im Anmarsch

Stattdessen betrieb er Werbung für einen jungen Deutschen, dem er "in den kommenden Jahren" noch viel zutraut: Tom Schwarz.

"Das ist ein richtig Guter", lobte Schulz den gerade mal 20 Jahre alten Schwergewichtler aus Halle an der Saale.

Der feierte in seinen bisherigen acht Profikämpfen acht Siege, sechs davon durch Knockout.

"Natürlich braucht er noch Zeit", hielt Schulz fest. Mit seinen gut 100 Kilogramm sei Schwarz für die Königsklasse des Boxsports "vielleicht auch noch ein bisschen zu leicht".

Generell scheint Schulz auf den 1,97-Meter-Mann aber große Stücke zu halten. Deutlich größere als auf Rekordweltmeister Huck.

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