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Felix Sturm (l.) und Robert Stieglitz beim traditionellen Staredown vor dem Kampf

München - Felix Sturm und Robert Stieglitz kämpfen in Stuttgart um ihre vermutlich letzte Chance, noch mal in die Weltspitze zurückzukehren.

Von Christoph Lother

Existenz- statt WM-Kampf.

Der Rahmen ist für beide Boxer ungewohnt.

Felix Sturm und Robert Stieglitz kämpfen am Samstagabend in Stuttgart nicht etwa um einen Titel, sondern um ihre vermutlich letzte Chance, doch noch mal in die Weltspitze zurückzukehren.

Und das in einer Gewichtsklasse, die es so eigentlich gar nicht gibt. Mittelgewichtler Sturm und Supermittelgewichtler Stieglitz treffen sich sozusagen auf halber Strecke, das vereinbarte Kampfgewicht liegt bei guten 75 Kilogramm.

Doch nur für den Sieger geht der angestrebte Weg zurück zum Ruhm auch wirklich weiter.

"Nach unserem Kampf wird er in Rente gehen müssen", sagte Stieglitz unter der Woche vollmundig über seinen Kontrahenten. Am Ende könnte er sogar Recht behalten.

Mit 35 Jahren ist Sturm im Herbst seiner Karriere angekommen - und sportlich nur noch ein laues Lüftchen?

Dem Leverkusener, der in seinen mittlerweile fast 14 Profi-Jahren immerhin 39 Siege feierte, viermal Weltmeister wurde und das internationale Mittelgewicht lange Zeit entscheidend mitprägte, von einem Tag auf den anderen die boxerische Klasse abzusprechen, wäre sicher nicht gerecht.

Fakt ist aber: Mit Ausnahme des technischen K.o.-Sieges gegen den Briten Darren Barker im vergangenen Dezember - bei dem er von einer schweren Hüftverletzung seines Gegenüber profitierte - konnte Sturm in den zurückliegenden zwei Jahren bei keinem seiner Auftritte wirklich überzeugen.

Gegen den Australier Daniel Geale und dessen später des Dopings überführten Landsmann Sam Soliman kassierte er jeweils Punktniederlagen. Der vorzeitige Erfolg über den international zweitklassigen Montenegriner Predrag Radosevic war nicht mehr als eine Pflichtnummer.

Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte Sturm dann beim Wiedersehen mit Soliman vor knapp sechs Monaten. Zwölf Runden lang wurde er von dem 40-Jährigen durch den Ring getrieben - und verlor seinen IBF-Gürtel letztlich einstimmig nach Punkten.

"Absolute Scheiße? nannte Sturm seine damalige Leistung in Krefeld. Sein gesamtes Lager sei "paralysiert gewesen", ergänzte Manager Manfred Meier.

Was folgte, war die Trennung von Trainer Fritz Sdunek.

Magomed Schaburow, der unter anderem schon den ehemaligen WBA-Schwergewichts-Champion Ruslan Tschagajew betreute, heuerte als neuer Coach an und bereitete Sturm auf den Fight gegen Stieglitz vor.

"Das wird ein Kampf, über den noch sehr lange gesprochen werden wird", sagte Sturm kürzlich mit Blick auf das Duell der beiden Ex-Weltmeister und erklärte:

"Wir sind beide offensive Boxer, die im Ring immer im Vorwärtsgang kämpfen. Das wird schwierig, aber ich bin sehr, sehr gut vorbereitet."

Er habe zwar Respekt vor dem Deutsch-Russen, betonte Sturm, dieser sei aber "limitiert".

Eine Aussage, die Stieglitz umgehend konterte.

"Sturm ist ein kleiner Angeber geworden. Er lässt dumme Sprüche vom Stapel, verhält sich nicht korrekt", lästerte der 33-Jährige unter der Woche und fügte hinzu: "Ich bleibe lieber am Boden. Dann fällt man nicht so tief runter."

Gefallen war zuletzt aber auch er. Durch seine zweite Punktniederlage innerhalb von weniger als zwei Jahren verlor Stieglitz im März seinen WBO-Titel an Arthur Abraham.

Die Möglichkeit, den Gürtel zurückzuholen, bekommt er nur, wenn er Sturm am Samstag aus dem Weg räumt.

Denn sicher scheint: Der Sieger der "Super Fight Night" in Stuttgart darf anschließend gegen den Supermittelgewichts-Weltmeister ran.

Ist es Stieglitz, muss Abraham seinen Gürtel gegen diesen aufs Spiel setzen.

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Ist es der normalerweise eine Gewichtsklasse tiefer beheimatete Sturm, wird es einen titellosen Kampf geben. Dafür aber einen, den die deutsche Box-Szene schon seit Jahren herbeisehnt.

"Entscheidend ist, was die Fans sehen wollen" sagte der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, Thomas Pütz, zuletzt mit Blick auf ein mögliches Duell zwischen Sturm und Abraham: "Ob es dabei um Titel geht oder nicht, ist nicht so wichtig."

Wahre Worte. Auch mit Blick auf den Kampf am Samstag.

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