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Wladimir Klitschko (l.) hatte mit Kubrat Pulew keine Probleme

Aus Hamburg berichtet Christoph Lother

Hamburg - In Wladimir Klitschko brodelte es.

"Das ist schlechtes Benehmen, das ist unsportlich, so etwas akzeptiere ich nicht", schimpfte der Vierfach-Weltmeister nach seiner erneuten erfolgreichen Titelverteidigung (News u.

) in Richtung des Sauerland-Boxstalls.

Wie schon bei der offiziellen Pressekonferenz vor dem Kampf hatte das Lager des an diesem Abend in Hamburg hoffnungslos unterlegenen Kubrat Pulew auch bei der danach durch geschlossene Abwesenheit geglänzt.

Pulew selbst sicher unfreiwillig, da er nach seiner niederschmetternden K.o.-Niederlage mit einer Gesichtsmittelfraktur und einer schweren Gehirnerschütterung umgehend ins Krankenhaus gebracht worden war.

Seine Begleiter aber, "weil sie schlechte Verlierer sind", wie Klitschkos Manager Bernd Bönte scharf urteilte.

Vier Niederschläge in fünf Runden

Es war der emotionale Abschluss eines überaus spektakulären Kampfabends (LIVE-Blog zum Nachlesen).

Ganze viermal hatte Klitschko seinen Herausforderer in einem von beiden Seiten offensiv geführten Gefecht auf die Bretter geschickt, nach einer krachenden Linken in der fünften Runde stand dieser nicht mehr auf.

Pulew rennt ins offene Messer

Er sei "überrascht gewesen, dass Pulew nach meinem ersten Haken überhaupt noch mal zu sich gekommen ist", erklärte der Titelverteidiger anschließend und fügte hinzu: "Eigentlich dachte ich auch, dass die rechte Gerade den Kampf entscheidet, da Pulew immer sehr offen steht."

Tatsächlich hatte der mutige und in seinen bis dato 20 Profikämpfen noch unbesiegte Bulgare die Deckung von Anfang an stark vernachlässigt und stattdessen ausschließlich den Vorwärtsgang gesucht.

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Eine Taktik, die nach Klitschkos Meinung dem "übertriebenen Selbstbewusstsein" des 33-Jährigen entsprang - und vom Champion eiskalt bestraft wurde.

"Ich glaube, er hat nicht gemerkt, dass er plötzlich in der Champions League spielt", sagte Klitschko über seinen Kontrahenten: "Jetzt hat er den Preis dafür bezahlt. Ich denke, er hat seine Lehre daraus gezogen."

Bulgare tönt trotz Niederlage

Deutliche Worte des ansonsten so zuvorkommenden, ja fast schon edelmütigen Ukrainers.

Vermutlich waren sie auch eine Reaktion auf die vollmundigen Aussagen seines Gegners direkt nach dem Kampf. Klitschko habe "großes Glück gehabt", tönte Pulew und kündigte an: "Nächstes Mal werde ich ihn besiegen."

Doch dazu dürfte es nicht mehr kommen. Während der ehemalige Europameister, dessen Vertrag mit dem Hause Sauerland zum Jahresende ausläuft, vor einer ungewissen Zukunft steht, suchen Klitschko und seine Hintermänner nach dem nächsten passenden Gegner.

Nächster Kampf im Frühjahr geplant

Eine Babypause werde er jedenfalls nicht einlegen, sagte der 38-Jährige, dessen Lebensgefährtin Hayden Panettiere in Kürze das erste gemeinsame Kind erwartet.

Stattdessen wolle er im Frühjahr wieder in den Ring steigen, um seine vier WM-Gürtel nach Version der WBA, WBO, IBF und IBO ein weiteres Mal zu verteidigen.

Die große Frage ist allerdings: Gegen wen?

Seit über zehn Jahren ist Klitschko mittlerweile ungeschlagen, das gesamte internationale Schwergewicht allmählich abgearbeitet.

Ein WM-Titel fehlt Klitschko noch

Ein möglicher Gegner wäre der Sieger des bevorstehenden Duells um den WBC-Titel zwischen Ami Wilder und Bermane Stiverne, wie Klitschko-Manager Bönte erklärte.

Schließlich gehörte dieser Gürtel einst Wladimirs älterem Bruder Vitali - und ist der einzige, der dem 1,98-Meter-Koloss in seiner bemerkenswerten Sammlung noch fehlt.

Da der Kampf zwischen Wilder und Stiverne noch nicht terminiert, Klitschko hingegen aber schon heiß auf seinen dann schon 67. Profi-Auftritt ist, muss wohl ein Plan B her.

Vorerst kein Duell mit Pöbler Briggs

Der könnte Bryant Jennings heißen.

Doch nicht nur ein Fight gegen den in seinen bisherigen 19 Profikämpfen stets erfolgreichen US-Amerikaner, sondern auch einer gegen den Sieger des "Battle of Britain" zwischen Tyson Fury und Dereck Chisora wäre "eine Riesengeschichte", wie es Bönte formulierte.

Nur gegen Ex-Weltmeister Shannon Briggs, der Klitschko schon seit Monaten nachstellt und sich auch am Samstagabend in Hamburg bis zum Ring vorarbeitete, werde sein Schützling "nach jetzigem Stand" nicht antreten.

"Ich will diesen Kampf für die Zukunft nicht komplett ausschließen", sagte Bönte: "Aber aktuell haben die anderen Namen Priorität."

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