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Unter Fritz Sdunek machte Wladimir Klitschko seine ersten Schritte im Profisport und gewann im Jahr 2000 seinen ersten WM-Titel

Hamburg - Bei SPORT1 spricht Fritz Sdunek über Wladimir Klitschko und dessen Dominanz, Shannon Briggs - und stärker machendes Baby-Glück.

Kaum einer kennt Wladimir Klitschko so gut Fritz Sdunek.

Acht Jahre lang arbeiteten der ukrainische Ausnahmeboxer und das deutsche Trainer-Urgestein zusammen.

Unter Sdunek machte Klitschko seine ersten Schritte im Profisport und gewann im Jahr 2000 seinen ersten WM-Titel.

Erst als er im April 2004 gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster seine insgesamt dritte und bis heute letzte Niederlage kassierte, entschied sich Klitschko für einen Trainerwechsel.

Auf Sdunek folgt Steward

Statt von Sdunek ließ er sich fortan von dem mittlerweile verstorbenen US-Amerikaner Emanuel Steward coachen, der zuvor schon große Namen wie Evander Holyfield, Lennox Lewis oder Oscar de la Hoya betreut hatte.

Unter Steward entwickelte sich der 1,98-Meter-Koloss zum aktuell besten Schwergewichtler der Welt.

Den Kontakt zu Sdunek ließ der amtierende Weltmeister nach Version der WBO, WBA, IBF und IBO aber bis heute nie abreißen.

Bruder Vitali hält an Sdunek fest

Zum einen, weil Sdunek noch einige Zeit Wladimirs älteren Bruder und langjährigen WBC-Champion Vitali trainierte.

Zum anderen, weil er genau weiß, was er dem inzwischen 67-Jährigen zu verdanken hat.

Auch bei Klitschkos erfolgreicher Titelverteidigung gegen den chancenlosen Bulgaren Kubrat Pulew in Hamburg war Sdunek hautnah dabei. (LIVE-Blog zum Nachlesen)

Im SPORT1-Interview spricht der Coach über seine Arbeit mit "Dr. Steelhammer", dessen Stärken, Baby-Glück - und kommende Gegner.

SPORT1: Herr Sdunek, seit über zehn Jahren ist Ihr Ex-Schützling Wladimir Klitschko mittlerweile ungeschlagen. Woher kommt diese Dominanz, was sind seine größte Stärken?

Fritz Sdunek: Er hat eine gute Übersicht, gute Reflexe und eine extrem gute Führhand. Er boxt sehr variabel und intelligent, er ist geduldig, nicht mehr so überhastet, wie er es in jungen Jahren oft getan war.

SPORT1: Würden Sie sagen, dass er sich dem Boxstil seines Bruders Vitali angenähert hat?

Sdunek: Solche Vergleiche finde ich schwierig. Insgesamt war Vitali auf jeden Fall immer aggressiver. In seinen letzten Kämpfen vielleicht nicht mehr so, weil er da häufiger verletzt war und nicht mehr so mit seiner Schlaghand umgehen konnte. Aber in den ersten Jahren unserer langen Zusammenarbeit ist er deutlich mehr Risiko gegangen als Wladimir - und seine Schläge waren wirkungsvoller.

SPORT1: Dennoch scheint es derzeit niemanden zu geben, der Wladimir auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Wen muss er überhaupt noch fürchten? Tyson Fury vielleicht, oder Dereck Chisora?

Sdunek: Aktuell sehe ich keinen, der ihn schlagen kann. Auch Fury traue ich das nicht zu. Ich habe ihn vor zwei Jahren im Sparring gesehen, da hat er mich nicht sonderlich überzeugt.

SPORT1: Auch Shannon Briggs ist wieder scharf auf ein Duell. Wie bewerten Sie die ständigen Pöbeleien des Ex-Weltmeisters? (Bericht: Klitschko sucht: Darum hat Briggs keine Chance)

Sdunek: Das ist gut gespielt und inszeniert, mehr nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesen Kampf in absehbarer Zeit geben wird. Briggs hat gegen Vitali damals dermaßen den Hintern voll bekommen, dass er es sich zweimal überlegen sollte, ob er gegen Wladimir antritt.

SPORT1: Und was halten Sie von den angeblichen Plänen Marco Hucks, ins Schwergewicht zu wechseln?

Sdunek: Auch hier denke ich, dass es sich in erster Linie um eine PR-Nummer handelt. Ich würde Huck von diesem Schritt auch abraten.

SPORT1: Wieso?

Sdunek: Weil er im Cruisergewicht eine echte Nummer ist, bei den Großen wäre er die nicht. Gegen Alexander Powetkin hat er zwar überraschend gut ausgesehen, aber insgesamt hat er in meinen Augen gegen die Weltklasse-Schwergewichtler keine Chance.

SPORT1: Sie sind nach wie vor nah dran an Wladimir und der gesamten Schwergewichts-Szene. Wie eng ist Ihr Kontakt?

Sdunek: Wir telefonieren regelmäßig und treffen uns auch hin und wieder mal. Wir gehen zusammen essen, tauschen uns aus. Während seiner Vorbereitung auf den Pulew-Kampf habe ich ihn in Österreich besucht. Unser Verhältnis ist immer noch sehr gut.

SPORT1: Sind Sie manchmal etwas wehmütig, weil Sie bei seinen Kämpfen nicht mehr direkt am Ring sitzen?

Sdunek: Nein. Es war eine schöne Zeit damals, aber das ist jetzt schon in Ordnung so.

SPORT1: Wladimir Klitschko wird in Kürze zum ersten Mal Vater. Wird er sich bald aus dem Profigeschäft zurückziehen?

Sdunek: Das glaube ich nicht. Im Gegenteil: Das Baby wird ihn nur noch mehr motivieren. Ich glaube, dass er durchaus noch zwei, drei Jahre auf diesem Niveau boxen kann - und wird.

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