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Wladimir Klitschko ist Weltmeister der Verbände WBO, IBF, WBA und IBO

München und Hamburg - Wladimir Klitschko hat wieder ein Problem. Von Briggs über einen Weltmeister und die Naturgewalt. SPORT1 nennt mögliche Gegner.

Eines kann man Shannon Briggs nun wirklich nicht vorwerfen: Dass er nicht alles gibt, um seinen Fight gegen Wladimir Klitschko zu bekommen.

Ob er dem Ukrainer im Restaurant sein Essen wegnahm, ihn provozierte, beim Pressetraining mit nacktem Oberköper lautstark nach dem Champ und Essen rief oder sich mit Gladiatorenhelm beim Staredown zwischen Klitschko und Kubrat Pulew selbst inszenierte - der selbsternannte Stalker Briggs kämpfte mit allen Mitteln.

Aber auch seine Social-Media-Kampagne mit täglichen Updates und Provokationen am laufenden Band half dem US-Amerikaner nichts.

Klitschko verteidigte am Samstag gegen Pulew mit einem beeindruckenden K.o.-Sieg seine Titel, bleibt Champion der WBO, WBA, IBF und IBO - und Briggs ist eben nur der etwas wunderliche Selbstdarsteller, den keiner mehr so richtig ernst nimmt.

Im März oder April will Vierfach-Weltmeister Klitschko, dessen Lebensgefährtin Hayden Panettiere in Kürze das erste gemeinsame Kind erwartet, wieder boxen.

Aber welcher Gegner kommt für den Dominator, der seit über zehn Jahren ungeschlagen ist, überhaupt noch in Frage? Und warum hat Briggs keine Chance?

SPORT1 blickt auf die möglichen Gegner:

• SHANNON BRIGGS:

Auch wenn Klitschko-Manager Bernd Bönte nach dem Pulew-Fight über Pöbler Briggs sagte, er wolle "diesen Kampf für die Zukunft nicht komplett ausschließen", stehen die Chancen gleich null.

Der Amerikaner ist bereits 42 Jahre alt, sein letzter hochklassiger Fight ist über vier Jahre her - und damals hat er "gegen Vitali dermaßen den Hintern voll bekommen, dass er es sich zweimal überlegen sollte, ob er gegen Wladimir antreten möchte", wie Wladimirs langjähriger Trainer Fritz Sdunek im SPORT1-Interview klarstellt.

• BERMANE STIVERNE / DEONTAY WILDER:

Nur der Weltmeister-Gürtel der WBC fehlt Wladimir Klitschko noch in seiner Sammlung. Bruder Vitali hatte den Titel bei seinem Karriereende niedergelegt.

Der Kanadier Bermane Stiverne (36 Jahre) eroberte den Gürtel im Mai gegen Chris Arreola und ist damit der einzige Champion außerhalb der K-Dynastie. Er gilt als einer der besten Techniker im Schwergewicht und hat mit 21 K.o.-Siegen bei 24 Triumphen seine Schlagkraft nachgewiesen.

Nun soll Stiverne seinen WBC-Titel gegen den 29-jährigen Deontay Wilder verteidigen. Der "Bronze Bomber" aus den USA hat bisher alle 32 Kämpfe durch K.o. gewonnen und könnte mit dieser Qualität auch für Klitschko gefährlich werden. Bei 2,01 Meter Körpergröße und 2,11 Meter Reichweite sticht er den Champion zudem physisch aus.

Den Sieger des Fights Stiverne/Wilder würde der Dauer-Weltmeister nur zu gerne in den Ring bitten. Das Problem: Der WBC-Titelkampf ist noch nicht einmal terminiert und der Sieger wird mit Sicherheit nicht schon wieder im April gegen Klitschko antreten. In der Zwischenzeit muss für Wladimir ein anderer Gegner her.

• TYSON FURY / DEREK CHISORA:

Am 29. November kommt es unter dem Motto "Bad Blood" zur Battle of Britain zwischen Fury und Chisora, der Sieger wäre für Klitschko interessant.

Vor allem Naturgewalt Fury, der Wladimir mit einer Größe von 2,06 Metern (Klitschko: 1,98m) und seiner unglaublichen Spannweite von 2,16 Metern (2,06) körperlich klar überlegen ist, wollen nicht nur viele Fans im Ring gegen den Vierfach-Champion sehen.

Vom Duell des erst 26 Jahre alten Fury gegen den 38-Jährigen Klitschko wird gemeinhin ein echtes Spektakel erwartet.

Auch Chisora, der 2012 trotz großer Show gegen Vitali Klitschko unterlag, sich auf der anschließenden Pressekonferenz mit David Haye prügelte und auch das Rüpel-Duell im Ring verlor, wäre nicht ohne Reiz.

Vor dem Fight gegen Vitali spuckte er Wladimir ins Gesicht und böte sich damit für eine Revanche im Ring geradezu an.

• DAVID HAYE:

Seit dem Sieg gegen Chisora 2012 ist es still geworden um den "Hayemaker".

Er selbst glaubt aber noch ans Comeback und tönte noch im Mai in der "Sport Bild": "Es gibt keinen so aufregenden Boxer im Schwergewicht wie mich."

Aber wie Briggs ist auch der 34-jährige Haye, der wegen einer Schulter-OP seit dem Chisora-Fight nicht mehr gekämpft hat, weit davon entfernt, eine realistische Option für Klitschko zu sein.

• BRYANT JENNINGS:

Der TV-Deal des Klitschko-Lagers mit US-Riese "HBO" könnte den Weg für einen Auftritt des 30-jährigen Amerikaners gegen "Dr. Steelhammer" bereiten.

Der Fight gegen Pulew war der erste von drei im vereinbarten Paket, ein Kampf soll in den USA stattfinden.

Der ungeschlagene Jennings, der zehn seiner 19 Siege per K.o. eintütete, würde sich dafür als Gegner anbieten.

• MARCO HUCK:

Der 29 Jahre alte Cruisergewichts-Weltmeister träumt vom Aufstieg ins Schwergewicht und tönte bereits in Richtung Klitschko.

Aber obwohl sich der "Käptn" bei seinem bisher einzigen Kampf in der höheren Klasse gegen Alexander Powetkin achtbar geschlagen hat, bezweifeln Experten doch recht laut, dass Huck mithalten kann.

"Ich würde Huck von diesem Schritt abraten", urteilte Trainer-Urgestein Sdunek bei SPORT1, "weil er im Cruisergewicht eine echte Nummer ist, bei den Großen wäre er die nicht. Gegen Alexander Powetkin hat er zwar überraschend gut ausgesehen, aber insgesamt hat er in meinen Augen gegen die Weltklasse-Schwergewichtler keine Chance."

Noch deutlicher wurde Axel Schulz. "Marco hat im Schwergewicht nichts zu suchen", sagte der Ex-Profi SPORT1. Der 29-Jährige werde "in seinen Kämpfen immer wieder zu oft und auch zu hart getroffen" und sei außerdem technisch limitiert.

Aus Hucks Traum, beim Duell mit Klitschko das Berliner Olympiastadion zu füllen, dürfte nichts werden.

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