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Der berühmteste Ringsprecher der Welt steht auch beim Kampf des Jahrhunderts im Ring, Michael Buffer © Getty Images

München - Der Jahrhundertkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao rückt immer näher. Bei SPORT1 erkärt Ringsprecher Michael Buffer die Faszination des Fights.

Sein Schlachtruf ist legendär, seine Stimme auf der ganzen Welt bekannt.

Seit 34 Jahren ist Michael Buffer mittlerweile als Ringsprecher bei großen Boxevents im Einsatz.

Ob George Foreman oder Evander Holyfield, ob Henry Maske oder die Klitschko-Brüder: Sowohl in den USA, als auch in Europa hat der 70-Jährige schon nahezu alle Stars der Szene in den Ring gerufen.

Auch beim Jahrhundertkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao in der Nacht zum Sonntag (ab 4.30 Uhr im LIVETICKER) wird der ehemalige Dressman sein berüchtigtes "Let's get ready to rumble" durch die Halle schmettern.

Diesmal teilt sich der US-Amerikaner seinen Job mit Landsmann Jimmy Lennon Junior. Dieser wird Mayweather, Buffer den als leichten Außenseiter gehandelten Pacquiao in die Arena rufen.

Im SPORT1-Interview spricht Buffer über den bevorstehenden Mega-Fight, Unterschiede zwischen Kämpfen in Deutschland und den USA sowie Anfänge und Highlights seiner langen Karriere.

SPORT1: Herr Buffer, in der Nacht zum Sonntag steigt das ganz große Boxspektakel und Sie sind wieder mal mittendrin. Sind Sie vor solchen Auftritten überhaupt noch nervös?

Michael Buffer: Nein, richtig nervös bin ich nicht mehr. Aber die Vorfreude ist groß. Ich bin einfach glücklich, Teil etwas so Gigantischen zu sein.

SPORT1: Sie sind mittlerweile schon seit über 30 Jahren als Ringsprecher tätig und haben in dieser Zeit nahezu alle großen Boxstars live gesehen. Gibt es Momente, die Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben sind?

Buffer: Klar. Ich werde zum Beispiel nie vergessen, wie George Foreman vor 21 Jahren gegen Michael Moorer boxte und zum ältesten Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten wurde. George war damals 45 Jahre alt, doch er kämpfte wie ein junger Löwe und dieser Moment, als er Moorer in der zehnten Runde k.o. schlug, war einfach unglaublich. Aber auch der Revanchekampf von Henry Maske gegen Virgil Hill 2007 in München war etwas ganz Spezielles.

George Foreman (L) throws a right jab to
George Foreman (l.) besiegte Michael Moorer 1994 in Las Vegas durch K.o. © Getty Images

SPORT1: Und bei weitem nicht Ihr einziger Auftritt in Deutschland. Worin unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Boxevents hierzulande von jenen in den USA?      

Buffer: Seit ich 1994 zum ersten Mal einen Kampf in Deutschland angekündigt habe, hat sich das Publikum sehr entwickelt. Damals rief ich die Kämpfer in den Ring und jeder um mich herum war still und hörte mir zu. Inzwischen machen die Zuschauer viel mehr Stimmung - auch später während des Fights. Sie erleben den Kampf viel intensiver und werden zu einem Teil davon. Wir Amerikaner würden sagen: They are more into it.

SPORT1: Stimmt es eigentlich, dass Ihr ältester Sohn Sie in den 80er-Jahren überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, Ringsprecher zu werden?

Buffer: Ja, das stimmt.

SPORT1: Wie war das genau? Was hat er Ihnen gesagt?

Buffer: Er war damals 13 und wir sahen uns gemeinsam einen Kampf im Fernsehen an. Die Wertung der Punktrichter hatte eine Split Decision ergeben und der Ringsprecher verkündete das Urteil. Doch statt Spannung aufzubauen, las er die Punktzettel so vor, dass man schon nach zwei Wertungen wusste, wer gewonnen hatte, nicht erst nach drei. Er schaffte es tatsächlich, diesen besonderen Moment komplett zu zerstören. Wir saßen kopfschüttelnd auf der Couch und mein Sohn meinte: 'Dad, das könntest du besser.' Daraufhin entstand das Ganze. Ich bekam recht schnell einen Fuß in die Tür und heute muss ich sagen: Es war eine gute Idee.

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Michael Buffer ist seit Anfang der achtziger Jahre Ringsprecher © Getty Images

SPORT1: Sie sind inzwischen 70 Jahre alt, donnern Ihren Schlachtruf "Let's get ready to rumble" aber genauso enthusiastisch durch die Hallen wie eh und je. Wie halten Ihre Stimmbänder das aus? Trinken Sie morgens ein Tässchen Tee mehr als früher?

Buffer: Auf jeden Fall mische ich mehr Honig in meinen Tee (lacht). Aber mal im Ernst: Ich bin gesund, habe Spaß an meinem Job und sehe keinen Grund aufzuhören. Vor fünf, sechs Jahren dachte ich mal, eigentlich müsste ich doch irgendwann müde werden. Aber ich wurde es nicht.

SPORT1: Zurück zum Duell zwischen Mayweather und Pacquiao. Wird es wirklich der größte Boxkampf aller Zeiten?

Buffer: In finanzieller Hinsicht ja. Was das Sportliche angeht, will ich mir erst ein Urteil erlauben, wenn der Kampf vorbei ist. Aber fest steht: Promotion und Publicity von einem derartigen Ausmaß wie diesmal habe ich noch nicht gesehen. Natürlich ist auch aus technischer Sicht mehr möglich als früher, überall auf der Welt werden die Leute perfekte Fernsehbilder zu sehen bekommen. Aber auch sonst, in den Hotels und Casinos in Las Vegas, wird wie verrückt Werbung gemacht. Was die Promotion betrifft, ist es definitiv das größte Ereignis in der Geschichte des Boxsports.

SPORT1: Halten Sie es denn für gerechtfertigt, dass ein Boxer eine Gage von mehr als 100 Millionen Dollar für einen einzigen Kampf einstreicht?

Buffer: Ja, denn letztlich ist es doch jedem Fan selbst überlassen, ob er sich ein Ticket für die Halle oder einen Stream für seinen Fernseher kauft. Wenn es den normalen Steuerzahler treffen würde, wäre es etwas anderes. Aber so muss jeder selbst wissen, was ihm der Kampf wert ist und wenn die Leute bereit sind, so viel zu bezahlen, dürfen es die Sportler auch nehmen.

SPORT1: Was macht dieses Duell zwischen Mayweather und Pacquiao so besonders?

Buffer: Die einfache Tatsache, dass Mayweather und Pacquiao endlich gegeneinander antreten. Natürlich hatten beide auch vorher schon große Gegner, aber die Leute wollen sie endlich beide im Ring sehen, nicht mehr nur einzeln. Es war schon zu Zeiten von Muhammad Ali so, dass sich das Publikum gewisse Duelle gewünscht und diesen Wunsch am Ende auch erfüllt bekommen hat. Das ist die Macht der Zuschauer - und dafür zahlen sie ja auch.

SPORT1: Und wem drücken Sie mehr die Daumen? Mayweather oder Pacquiao?

Buffer: Ich kenne und mag sie beide. Wir sind in den vielen Jahren, die wir uns nun schon kennen, richtige Freunde geworden. Dementsprechend hin- und hergerissen bin ich. Für den einen wird es der ganz große Triumph, für den anderen womöglich die große Schmach. Ich werde einfach versuchen, mich mit dem Sieger zu freuen. Meinen Respekt haben sie beide jetzt schon.

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