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Felix Sturm (r.) boxt am Samstag gegen Fedor Chudinov
Felix Sturm (r.) boxt am Samstag gegen Fedor Chudinov © Getty Images

München - Felix Sturm zeigt sich vor dem nun doch WM-Kampf gegen Fedor Chudinov trotzig. Im SPORT1-Interview spricht er über den Gegner, seine Entwicklung und den deutschen Boxsport.

Nun geht es also doch um einen Gürtel.

Zunächst als Interims-WM betitelt, kämpft Supermittelgewichtler Felix Sturm am Samstag in Frankfurt gegen den Russen Fedor Chudinov um den WBA-Titel, der dem Briten Carl Froch wegen einer verweigerten Pflichtverteidigung aberkannt wurde. Sturm ist aber auch in der Pflicht, seine Stärke zu demonstrieren. Sich in Stellung zu bringen.

Für den anvisierten Mega-Fight gegen WBO-Weltmeister Arthur Abraham, der nach Aussage von Sturm "noch in diesem Jahr" über die Bühne gehen soll.

Nur zwei der letzten sechs Kämpfe gewonnen

Zuletzt wurden dem 36-Jährigen eher bescheidene Aussichten eingeräumt, den ein Jahr jüngeren Abraham bezwingen zu können. Zu dürftig waren die meisten seiner Auftritte in den zurückliegenden drei Jahren.

Seit seinem technischen K.o. über Ex-WBC-Champion Sebastian Zbik im April 2012 konnte Sturm nur zwei von insgesamt sechs Kämpfen gewinnen und dabei einzig gegen den Briten Darren Barker im Dezember 2013 auch wirklich überzeugen.

Gegen Chudinov will der viermalige Weltmeister Sturm nun ein erneut den Beweis antreten, dass er - entgegen der Behauptungen seiner Kritiker - nach wie vor zur Weltspitze gehört.

Bei SPORT1 spricht er zuvor über den Gegner, seine persönliche Entwicklung in den vergangenen Jahren und die Zukunft des Boxsports in Deutschland.

SPORT1: Herr Sturm, gut sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter Ihnen. Wie sah zuletzt Ihr Tagesablauf aus?

Felix Sturm: Ich habe zweimal täglich hart und intensiv trainiert. Anders als die wettkampffreie Zeit, in der ich auch mal schwimmen gehe, Fußball oder Basketball spiele, habe ich die letzten Wochen überwiegend im Gym verbracht, etwa fünf Stunden pro Tag. Wir haben viel Sparring gemacht und taktisch ein, zwei neue Dinge einstudiert.

SPORT1: Chudinov ist hierzulande noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Wie schätzen Sie ihn ein und wo liegen seine Stärken?

Sturm: Er wird extrem motiviert sein. Immerhin geht es um einen WM-Titel und auch in seiner Heimat in Russland wird das Interesse an diesem Kampf sehr groß sein. Ich gehe davon aus, dass er von Anfang an marschieren wird und mich mit seinen harten Schlägen beeindrucken möchte. Allerdings hat er bislang erst zwölf Profikämpfe gemacht und so eine gewisse Naivität kann auch gefährlich werden.

SPORT1: Chudinov gilt als extrem harter Puncher, der Australier Ben McCulloch musste nach seinem Niederschlag im Dezember auf direktem Wege ins Krankenhaus. Flößt er Ihnen Respekt ein?

Sturm: Natürlich habe ich Respekt. Aber ich bin jetzt auch schon seit über 14 Jahren Profi. In dieser Zeit habe ich viel erlebt. Ich weiß, wie ich mit meinen Gegnern umzugehen habe. Ich werde versuchen, mein Ding durchzuziehen und ihm meinen Kampf aufzudrücken. Immerhin kann ich zum fünften Mal Weltmeister werden und damit ein weiteres Mal Geschichte schreiben.

SPORT1: Streben Sie einen K.o. an?

Sturm: Nicht unbedingt. Wenn man zu sehr auf einen K.o. aus ist, kann das auch nach hinten losgehen. Irgendeinen Konter fangen und am Ende womöglich verlieren, ist das letzte, was ich will. Ich will mich gut bewegen, viele Kombinationen schlagen, ihn unter Druck setzen und dann schauen wir mal, wie lange der Kampf geht.

SPORT1: Ihren ersten WM-Titel holten Sie vor zwölf Jahren. Was unterscheidet den Felix Sturm damals von heute?

Sturm: Damals war ich extrem offensiv und habe permanent versucht, meine Gegner unter Druck zu setzen. Später gab es dann Phasen, in denen ich mich möglichst viel bewegen und meine Gegner ausboxen wollte. Inzwischen habe ich da einen guten Mittelweg gefunden. Taktisch habe ich unter meinem neuen Trainer Magomed Schaburow also noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Dazu bin ich konditionell top drauf. Diese Kombination macht mich nach wie vor sehr gefährlich.

SPORT1: Sie sind mittlerweile 36 Jahre alt. Im Januar sind Sie zum zweiten Mal Vater geworden. Wie lange sehen wir Sie noch im Ring?

Sturm: Drei, vier Jahre schon noch. Solange ich fit bin und Spaß habe, mache ich weiter.

SPORT1: Früher oder später wird die Ära der Felix Sturm, Arthur Abraham und Robert Stieglitz aber zu Ende gehen. Muss man sich um die Zukunft des Boxens in Deutschland Sorgen machen?

Sturm: Nein. Diese Diskussion wird hierzulande schon seit Jahren geführt. Die gab es schon als Henry Maske, Dariusz Michalczewski oder Graciano Rocchigiani aufgehört haben. Aber letztlich sind dann doch immer wieder große Boxer nachgekommen. Wichtig ist eine gute Vermarktung und da sollten wir uns etwas an den Amerikanern orientieren. So wie dort sollten auch bei uns die besten Boxer eines Stalls bei der gleichen Veranstaltung antreten. Mit solchen Großevents gewinnt man die Massen. Solange die vielen Talente, die es hier gibt, vernünftig gefördert und promotet werden, mache ich mir um den Boxsport in Deutschland keine Sorgen.

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