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Düsseldorf - Wladimir Klitschkos Herausforderer Tyson Fury spuckt bei der PK große Töne. Er beruft sich auf die Geschichte und prophezeit die Pleite des Champs, "die ganz Europa will".

Mit einem spöttischen Lächeln verfolgte Wladimir Klitschko die große Show seines nächsten Herausforderers.

Als "Sexy-Meister aus Großbritannien" hatte sich Tyson Fury in gebrochenem Deutsch vorgestellt, und danach legte der 2,06-m-Riese auf englisch so richtig los: "Du bist langweilig, du bist alt, du bist nichts", sagte Fury in einem minutenlangen Ausbruch: "Wenn ich schlafen gehe, sehe ich dein hässliches Gesicht, und ich träume davon, dich endlich umzuhauen. Ganz Europa will dich verlieren sehen, und du wirst verlieren. Die Geschichte lügt nicht, alte Champions verlieren gegen die Jungen." 

Drei Monate sind es noch bis zum Kampf am 24. Oktober in Düsseldorf, und zumindest Furys Auftritt auf der offiziellen Pressekonferenz weckte die leise Hoffnung, dass Klitschko endlich einen Gegner gefunden hat, der ihn wirklich fordert.

"Fäuste sprechen lauter als jeder Mund"

13 Jahre jünger und acht Zentimeter größer ist der Pflichtherausforderer - und von sich und seinen Fähigkeiten sehr überzeugt.

Klitschko reagierte gewohnt gelassen auf den Monolog des Engländers. "Bestätigt: Tyson Fury braucht einen Therapeuten", sagte der 39-Jährige, als sein Kontrahent endlich fertig war, und nahm damit Bezug auf ein Interview, in dem er dem Gegner eine entsprechende Behandlung im Ring angekündigt hatte: "Fäuste sprechen lauter als jeder Mund."

Fraglich bleibt, ob Fury dem Mehrfachchampion außer seiner Größe, seiner Jugend und seinem losen Mundwerk wirklich etwas entgegensetzen kann. Der Mann aus Wythenshawe stammt aus einer Boxerfamilie, er ist der Sohn des irischen Schwergewichtlers John "Gypsy" Fury, der ihn nach Mike Tyson benannte.

Die Witze übers Alter nerven 

In 24 Profikämpfen ist Fury noch ungeschlagen, 18 davon hat der Herausforderer der WBA vorzeitig gewonnen. Am Dienstag zeigte er sich überzeugt davon, dass seine Durchschlagskraft der "eindimensionalen" Technik Klitschkos überlegen ist. Zudem warf er dem Champion "handverlesene" Gegner in der Vergangenheit vor.

Klitschko habe "noch nie einen Herausforderer wie mich" gehabt, "ich bin einzigartig, einen Kämpfer wie mich gibt es alle 1000 Jahre. Ich muss dem alternden Champion danken, dass er sich mir stellt."

Fury erntete während der Pressekonferenz in Düsseldorf viel Gelächter, Klitschko grinste häufig mit, die Witze über sein Alter schienen den Titelverteidiger irgendwann jedoch zu nerven.

Noch mindestens fünf Kämpfe 

"Es freut mich sehr, dass er gegen einen alten Mann kämpfen möchte", sagte Klitschko, der Fury ansonsten aber als großen Gegner ankündigte.

"Ich glaube, Tyson Fury erzählt keine Witze", sagte er: "Er ist ein guter Entertainer, aber jetzt meint er, was er sagt. Er kommt hierher, um Weltmeister zu werden." Der Fight werde "ein großer Abend für die Boxfans in aller Welt".

Dass Klitschko selbst noch lange nicht genug hat von großen Abenden, unterstreicht sein neuer TV-Vertrag über mindestens fünf weitere Kämpfe, den er am Dienstag bekannt.

Auch dazu fiel Fury übrigens etwas ein. "Eine Frage" habe er noch an Klitschko, sagte er: "Geht dieser TV-Deal nach deiner Niederlage dann an mich? Wenn Deutschland einen langweiligen Typen wie dich mag, dann werden sie mich lieben. Bastian Schweinsteiger ist gerade nach England gegangen, vielleicht sollte ich es in Deutschland versuchen."

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