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München und Düsseldorf - Wladimir Klitschko muss nach der Fury-Pleite seine Wunden Leckern. Bruder Vitali übt scharfe Kritik, blickt aber auch in die Zukunft. Ein Rücktritt ist unwahrscheinlich.

Es gibt Tage, an denen ein starker, großer Bruder verdammt wichtig sein kann. Solche, wie sie der entthronte Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko gerade durchlebt, zum Beispiel.

Schon in den ersten Stunden unmittelbar nach seiner ernüchternden Niederlage gegen den Briten Tyson Fury wurde deutlich, wie sehr der Ukrainer seinen knapp fünf Jahre älteren Bruder Vitali jetzt, in einer der schwärzesten Situationen seiner Karriere, braucht.

Während der geradezu paralysierte Wladimir auf der Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag noch nach den richtigen Worten und Erklärungen für die insgesamt vierte Pleite seiner Profilaufbahn suchte, setzte sich Vitali zwei Meter neben ihm aufs Podium, kritisierte seinen Bruder für dessen Auftritt zunächst scharf, richtete den Blick dann aber auch schon wieder ganz schnell nach vorne.

Kampfansage vom älteren Klitschko-Bruder

"Die Show geht weiter", sagte der ehemalige WBC- und WBO-Champion und fügte hinzu: "Wladimir wird stärker zurückkommen als je zuvor."

Eine Kampfansage wie sie im Boxsport gang und gäbe ist, doch in diesem Fall hat sie womöglich doch etwas mehr Gewicht.

Der ältere Klitschko-Bruder hat sich längst aus dem Ring zurückgezogen, kämpft als Bürgermeister von Kiew mit deutlich wichtigeren Problemen wie beispielsweise der Ukraine-Krise und steht im Gegensatz zu Wladimir und dessen - direkt ins boxerische Tagesgeschäft involvierten - übrigen Begleitern inzwischen ein Stück weit über den Dingen.

Quotenkönig ist vertraglich gebunden

Wladimirs Manager Bernd Bönte blieb angesichts des bestehenden Vertrages mit dem übertragenden Fernsehsender RTL, demzufolge sein Schützling noch mindestens vier weitere Vorstellungen abliefern muss, gar nichts anderes übrig, als ein Rematch gegen Fury anzukündigen.

"Davon ist auszugehen", antwortete Bönte auf die Frage, ob von der bereits im Vorfeld des ersten Duells mit dem Fury-Lager ausgehandelten Rückkampf-Klausel nun Gebrauch gemacht werde.

Immerhin ist der jüngere Klitschko-Bruder einer der absoluten Quotenkönige des Senders und mögliche Aufbaukämpfe des 39-Jährigen gegen mittelklassige Gegner will hierzulande vermutlich niemand sehen.

Vitali kritisiert Wladimir scharf

Vitali Klitschko indes dürfte ganz genau einschätzen können, ob der gefallene König tatsächlich noch mal aufsteht und für ein weiteres Duell mit Fury gewappnet ist. (Die Pressestimmen zum Kampf)

In der Form von Samstag ist er es sicherlich nicht. Das machte Vitali mit seiner scharfen Analyse überdeutlich. "Er hatte keine gute Kondition, er hatte keine gute Technik. Insgesamt war wenig von ihm zu sehen. Das war nicht mein Bruder", urteilte der Ex-Profi.

Brewster-Schock machte Klitschko stärker

Der 44-Jährige weiß aber auch, welche Kämpferqualitäten Wladimir stecken.

Die hatte dieser schon im Anschluss an seine bis dato letzte Niederlage gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster im April 2004 unter Beweis gestellt.

Eine Niederlage, an der Wladimir lange Zeit schwer zu knabbern hatte, der er dann aber einen fast schon unglaublichen Siegeszug über mehr als elfeinhalb Jahre folgen ließ.

Sofortiger Rücktritt unwahrscheinlich

Es ist also davon auszugehen, dass "Dr. Steelhammer" auch diesmal nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und womöglich vorzeitig vom aktiven Sport zurücktreten wird.

Die kommenden Wochen dürfte er dafür nutzen, seine Wunden zu lecken, den Kopf frei zu bekommen und mit seiner Verlobten, der US-Schauspielerin Hayden Panettiere, Weihnachten sowie den ersten Geburtstag des gemeinsamen Töchterchens Kaya zu feiern.

Spätestens im neuen Jahr ist dann aber mit einer Bekanntgabe von Austragungsort und Termin für den erwarteten Rückkampf gegen Fury zu rechnen. (ANALYSE: So entthronte Fury Klitschko)

Fury steht für Rückkampf bereit

Der stünde definitiv "bereit, wenn Wladimir ein Rematch möchte", wie er noch in der Nacht zum Sonntag gegenüber SPORT1 bestätigte.

Ob "in Usbekistan, Japan, Aserbaidschan oder Deutschland" gekämpft werde, sei ihm dabei egal, ließ der 27 Jahre alte Brite verlauten. Er werde "Wladimir jedenfalls wieder schlagen".

Vorausgesetzt natürlich nur, Klitschko gelingt es in den bevorstehenden Monaten nicht doch, sich irgendwie auf den unorthodoxen Boxstil seines Bezwingers einzustellen. Einen Plan zu entwerfen, wie er sich an ihm rächen - und seine verlorenen WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF zurückholen kann.

Das wird die Aufgabe des Ukrainers sein. Unterstützt von seinem Trainer Johnathon Banks. Und seinem älteren Bruder Vitali.

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