vergrößern verkleinern
Vincent Feigenbutz - Portrait Session
Vincent Feigenbutz kann gegen Giovanni De Carolis zum jüngsten deutschen Weltmeister aller Zeiten werden © Getty Images

München - Im Hinkampf gegen Giovanni De Carolis siegt Vincent Feigenbutz umstritten und verspielt viel Kredit. Jetzt hat der Badener eine kuriose WM-Chance und eine Mission.

Für Vincent Feigenbutz steht einiges auf dem Spiel.

Der Box-Rookie aus Karlsruhe kämpft im Rematch gegen den Italiener Giovanni De Carolis am Samstagabend in Offenburg nicht nur um eine WM, sondern auch um sein öffentliches Ansehen.

Neben dem Weltmeister-Gürtel der WBA will der Supermittelgewichtler auch wieder die zuletzt - zumindest teilweise - verloren gegangenen Herzen der nationalen Boxfans erobern.

WBA stuft Rückkampf zum WM-Fight hoch

"Ich verspreche, dass ich mein Bestes geben und den Titel nach Deutschland holen werde", sagte Feigenbutz mit Blick auf die Neuauflage gegen De Carolis, die durch die Verantwortlichen der World Boxing Association vor wenigen Tagen noch mal einen neuen, einigermaßen kuriosen Rahmen erhalten hat.

Da der bisherige Superchampion des Verbands, der US-Amerikaner Andre Ward, vom Supermittel- ins Halbschwergewicht und der Russe Fedor Chudinov im gleichen Zug vom Weltmeister zum Superchampion aufsteigt, boxen Feigenbutz und De Carolis bei ihrem Wiedersehen nicht mehr um die Interims-, sondern um die reguläre WM.

Die Wertigkeit sei dahingestellt, aber Feigenbutz könnte mit seinen gerade mal 20 Jahren also der jüngste deutsche Weltmeister aller Zeiten werden. Zum Vergleich: Der bisherige Rekordhalter Graciano Rocchigiani war bei seinem ersten WM-Erfolg im März 1988 bereits 24 Jahre alt.

Skandal-Urteil und Arroganz-Anfall beim Hinkampf

"Das ist eine große Sache, ein Lebenstraum. Mir fehlen die Worte", ließ Feigenbutz in einer ersten Reaktion verlauten. Das Fax mit der guten Nachricht hatte ihn und sein Management Anfang der Woche erreicht.

Vincent Feigenbutz - Portrait Session
Vincent Feigenbutz kam im ersten Duell mit Giovani De Carolis zu einem umstrittenen Punktsieg © Getty Images

Zugleich betonte er aber auch: "Bis zum Kampf muss ich das jetzt ausblenden, denn De Carolis wird mir alles abverlangen."

Klingt ganz so, als habe der junge Badener seine Lektion aus dem Hinkampf gelernt. Diesen hatte der "Iron Junior" Mitte Oktober nach einer weitgehend enttäuschenden Vorstellung nur äußerst umstritten nach Punkten gewonnen.

Seine ständigen Provokationen während des Fights sowie sein arrogantes Auftreten und die mitunter reichlich unqualifizierten Bemerkungen unmittelbar danach hatten ihm zudem harsche Kritik in der deutschen Boxszene eingehandelt, ob von Trainer-Urgestein Ulli Wegner, Ex-Profi Axel Schulz oder WBO-Champion Arthur Abraham.

Auch in den sozialen Netzwerken wurde der wegen seines offensiven und spektakulären Kampfstils bis dahin so gehypete Senkrechtstarter innerhalb kürzester Zeit zum Buhmann.

Einsichtig und doch kämpferisch

Mittlerweile hat sich Feigenbutz für seinen unglücklichen Auftritt von damals, der ein Stück weit auch der aufgepeitschten Kulisse in seiner Heimatstadt Karlsruhe und der für ihn noch neuen Rolle als Hauptkämpfer einer Fernseh-Liveübertragung geschuldet gewesen sein dürfte, bereits zigfach entschuldigt.

Dass er vor seinem insgesamt 23. Profikampf nun mehr in der Bringschuld steht als je zuvor, ist ihm durchaus bewusst.

"Ich wollte unbedingt ein zweites Duell gegen Giovanni, um meinen Fans, aber auch den Kritikern zu zeigen, dass ich besser boxen kann als am 17. Oktober", sagte er.

Feigenbutz hat es ganz offensichtlich satt, als Großmaul und Mann leerer Worte dazustehen. Bei seinem zweiten Duell mit De Carolis will und muss er überzeugen, um seinen Ruf wieder herzustellen.

Als brandgefährlicher Draufgänger. Als K.o.-Künstler. Als das Versprechen des deutschen Boxens für die Zukunft.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel