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Felix Sturm gewann gegen Fedor Tschudinow umstritten nach Punkten
Felix Sturm gewann gegen Fedor Tschudinow umstritten nach Punkten © Getty Images

München - Der Rekord-Triumph hätte ein idealer Karriere-Abschluss für Felix Sturm sein können. Bewegt ihn die Kritik zum Umdenken? SPORT1 beantwortet die Fragen.

Weltmeister, zum fünften Mal, als erster deutscher der Geschichte.

Der Sieg von Felix Sturm im Suppermittelgewichts-Rückkampf der WBA gegen den Russen Fedor Tschudinow hätte ein idealer Abschluss seiner Karriere sein können - wäre er nicht überschattet worden von der Debatte danach.

Tschudinow sah sich von den Kampfrichtern betrogen und forderte einen Rückkampf, Sturm verstrickte sich vor laufenden Kameras in einen Streit mit TV-Experte Axel Schulz, Fans und Fachwelt streiten, ob das knappe Urteil korrekt war.

Wer hat Recht und wie geht es mit Sturm nun weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

War das Urteil gerechtfertigt?

Zweifelsfrei zeigte Sturm eine Leistung, mit der nach seinen letzten Kämpfen wohl die wenigsten Beobachter gerechnet hätten. Auch Tschudinow erkannte das an: "Felix hat sehr gut, sehr hart gekämpft."

Felix Sturm v  Fedor Chudinov - WBA Super Middleweight World Championship
Fjodor Tschudinow konnte deutlich mehr Treffer verbuchen © Getty Images

Tschudinow meint nur, noch besser gekämpft zu haben, wofür die Zahlen durchaus Indizien liefern. Tschudinow war der aktivere Mann, versuchte insgesamt 1022 Schläge (Sturm: 605). Die Kehrseite: Tschudinow schlug auch viel häufiger als Sturm daneben, insgesamt traf er dennoch häufiger als Sturm (297:184), auch in der Kategorie der harten Power Shots (226:143).

Auch Runde für Runde betrachtet traf Sturm nur im Schlussdurchgang häufiger, die Punktrichter sahen aber dennoch den Routinier knapp vorn: Die beiden 115:113-Urteile kamen vom Franzosen Jean-Louis Leglande und dem Italiener Giuseppe Quartarone, Ignacio Robles aus Panama sah ein 114:114-Unentschieden.

Nun sind Treffer nicht alles: Der Gesamteindruck, was Strategie, Dominanz und Effizienz angeht, kann einen anderen Ausschlag gegeben haben. Oder eben - wie so oft im Boxen - der Heimvorteil.

Warum der Stunk mit Axel Schulz?

Der ehemalige Schwergewichts-Boxer hatte im Vorfeld eine Niederlage Sturms prophezeit, daran nahm Sturm vor den Sat1-Kameras Anstoß: "Immer gegen Leute feuern und seine Kommentare dazu abzugeben. Ich finde, man sollte sich unterstützen. Draufhacken kann jeder."

Schulz widersprach, dass das seine Absicht gewesen wäre ("Vielleicht habe ich dich auch ein bisschen angepiekst"), mühte sich aber im Nachhinein bei Bild, den Krach herunterzuspielen: "Alles gut, Felix. Zum Glück müssen wir ja keine Freunde werden. Die Punktrichter haben das Urteil gefällt, ich habe keine Bauchschmerzen und trete nicht nach."

Rückkampf, Abraham-Fight oder Karriere-Ende?

Auf der Pressekonferenz mochte Sturm Tschudinows Forderung keine direkte Abfuhr erteilen: "Ich habe kein Problem damit, nach Moskau zu kommen. Wenn ihr zahlt, kommen wir."

Aber auch der seit langer Zeit im Raum stehende Kampf gegen Arthur Abraham könnte nun Gestalt annehmen: Abraham ist Weltmeister der World Boxing Organisation (WBO) - vorausgesetzt er verteidigt seinen Titel gegen den Mexikaner Gilberto Ramirez am 9. April in Las Vegas. Da Sturm und Abraham denselben TV-Partner haben, liegt ein Vereinigungskampf nahe.

Sturm könnte aber eben auch beide Ideen in den Wind schießen: Er hatte bereits vor dem Kampf bei SPORT1 gesagt, dass seine Familie "inzwischen oberste Priorität" habe. Auch Sturms Zweitkarriere als Geschäftsmann und Verletzungsprobleme könnten ihn zum Aufhören bewegen: "Ich habe ein bisschen Probleme mit dem linken und rechten Ellenbogen, eigentlich bräuchte ich eine Operation."

Wann entscheidet sich Sturm?

Bei SPORT1 hat Sturm deutlich gemacht, dass er sich von niemandem unter Zeitdruck setzen lassen will: "Ich werde mit meiner Familie und meinen Freunden sprechen - und dann, wenn ich das entsprechende Gefühl dafür habe, werde ich verkünden, wie es weitergeht." Von der Linie wich er auch am Kampfabend trotz hartnäckiger Nachfragen der Reporter nicht ab.

Vor dem Kampf klang Sturm nach Karriere-Ende, möglich allerdings, dass die zahlreiche Kritik nach dem Kampf ihn ins Grübeln bringt.

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