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Die Handschuhe von Fedor Tschudinow (r.) waren offenbar beschädigt
Die Handschuhe von Fedor Tschudinow (r.) waren offenbar beschädigt © Getty Images

München - Fjodor Tschudinows Lager legt Protest gegen die Wertung des WM-Kampfes gegen Felix Sturm ein. Ein Grund sind kaputte Handschuhe. Sturms Manager weist die Vorwürfe zurück.

Nach dem umstrittenen Punktsieg von Felix Sturm im Kampf gegen Fjodor Tschudinow um den WM-Titel der WBA kehrt keine Ruhe ein.

So hat Wladimir Hrynow, Promoter des entthronten Titelträgers aus Russland, beim Weltverband offiziell Protest gegen die Wertung des Kampfes eingelegt. Demnach solle das Resultat des Fights in ein "no contest" geändert und zudem ein sofortiger Rückkampf in die Wege geleitet werden.

Die Punktrichter hatten den Kampf zweimal mit 115:113 für Sturm und einmal mit 114:114 gewertet.

Das Tschudinow-Lager zieht dieses Urteil jedoch in Zweifel und verweist auf die Schlagstatistiken, die klar für Tschudinow sprechen.

Außerdem sind die Handschuhe des 28-Jährigen Anstoß des Zorns.

Handschuhe sorgen für Protest

Tschudinows Handschuhe hatten während des Kampfes sichtbar abgefärbt und sollen zudem auseinandergefallen sein. Der Veranstalter, also der Bund Deutscher Berufsboxer und die WBA, hätten laut Hrynow deswegen ein Wechseln der Handschuhe veranlassen müssen. Taten sie aber nicht. Tschudinows Lager vermutet daher offenbar eine Manipulation.

Roland Bebak, Sturms Manager, bezieht bei SPORT1 Stellung und wehrt sich.

"Ich glaube nicht, dass der Protest große Erfolgsaussichten hat", meint Bebak: "Denn die Handschuhe werden bei einem Regelmeeting vor dem Kampf von beiden Parteien untersucht. Und wenn sie für gut befunden werden, bekommt sie der Supervisor. Und bis zum Kampfabend bleiben sie in dessen Obhut."

Bebak bezeichnet Tschudinows Handschuhe der Firma Grant als eigentlich "sehr, sehr gute Handschuhe", in denen auch Floyd Mayweather und Wladimir Klitschko häufig kämpfen würden.

Zwar hätte sich auch Bebak über das Abfärben der Handschuhe gewundert. "Aber es hat den Kampf nicht beeinflusst und war auch nicht kampfentscheidend", sagt der Manager. Es seien beispielsweise keine roten Stellen im Gesicht eines der Boxer zu sehen gewesen.

Bebak: "Das ist Quatsch"

Bebak wundert sich zudem über die Vorgehensweise von Tschudinow & Co. Denn diese hätten die Handschuhe nach dem Kampf einfach mitgenommen und sie nicht dem Supervisor übergeben, um sie von einem unabhängigen Institut prüfen zu lassen. "Das ist ja Quatsch, das macht gar keinen Sinn", echauffiert sich Bebak: "Das ist ja, als würde Sturm die eigene Dopingprobe machen und sie dann selber untersuchen lassen."

Mittlerweile wurden die Handschuhe laut Welt zwar in ein Labor in der Schweiz geschickt, nach Meinung von Bebak tendieren die Chancen auf einen erfolgreichen Protest des Tschudinow-Clans dennoch "gegen Null".

Auch von einem Skandalurteil will Bebak, der gegenüber der WBA noch kein offizielles Statement abgeben musste, nichts wissen. "Das Urteil hängt ja nicht unbedingt von der Anzahl der Treffer ab, sondern auch davon, wie aktiv jemand ist und wie klar die Treffer sind. Viele Faktoren sind entscheidend", sagt er.

Ein Rückkampf gegen Tschudinow sei dennoch eine Option - falls Sturm seine Karriere überhaupt fortsetzt. Das letzte Wort ist so oder so also noch nicht gesprochen.

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