München - Die Darts-WM elektrisiert Deutschland. SPORT1 nimmt die Stimmung auf - und erklärt das faszinierende Phänomen Darts.

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Von Adrian Geiler

Als Raymond van Barneveld 1998 Weltmeister des Darts-Verbandes BDO, dem Konkurrenzverband des Veranstalters der Darts-WM-PDC wird, entfachte er ein orangefarbenes Darts-Feuer.

Hatten sich zuvor noch viele in den Niederlanden gefragt, warum einer der ihren in einem britischen Sport zugegen ist, interessierten sich plötzlich Millionen für das Pfeilewerfen.

Die Ankunft in den Niederlanden wirkte surreal: "Ich habe mich gefühlt wie Michael Jackson", verrät "Barney", als er von 15.000 begeisterten Fans am Flughafen abgeholt wird. Sogar das Königshaus meldet sich beim ersten nicht-englischsprachigen Weltmeister der Darts-Geschichte.

Darts-Welle erfasst Deutschland

2006 folgt der nächste Meilenstein - wieder mit van Barneveld in einer entscheidenden Rolle. Bei der Final-Niederlage gegen Landsmann Jelle Klaasen (5:7) schauen bis zu sieben Millionen Niederländer zu. Bei einer Bevölkerungszahl von 14 Millionen entspricht das einem Marktanteil von 50%. Das sind Zahlen einer Fußball-WM.

So weit ist Deutschland noch nicht - sowohl in sportlicher Hinsicht als auch bei den Zuschauerzahlen.

Aber eines steht fest: Das Darts-Fieber, das im Mutterland Großbritannien zuerst aufkam, grassiert jetzt auch in Deutschland.

"Es ist wie eine Welle, die immer größer wird und ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat", sagt SPORT1-Kommentator Elmar Paulke.

Seit der ersten Übertragung 2004 aus London kommentiert er für SPORT1 die "PDC Darts World Championship" (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Seit Jahren bringt Darts SPORT1 Top-Einschaltquoten - Tendenz steigend.

Die Millionen-Marke in der Spitze bei dieser WM fiel bereits.

Als am Nachmittag des 29. Dezembers mit dem 18-jährigen Talent Max Hopp der letzte Deutsche ausscheidet, schalten 510.000 Menschen ein - das Dreifache des Senderschnittes.

In der Zielgruppe kratzte SPORT1 sogar an der Fünf-Prozent-Marke. Das gleiche Bild am Folgetag, als Phil Taylor das Aus abwendet und Adrian Lewis einen Neun-Darter wirft.

Auch in den sozialen und klassischen Medien nimmt der Darts-Zug Fahrt auf.

Der Twitter-Account der PDC ist vorbildlich geführt mit Vines der Match-Darts oder Statistiken.

Hashtags wie #DartsWM und #weitersagendassdartsgeilist halten vermehrt Einzug in Facebook und Twitter. Paulkes Posts auf Facebook erhalten stets dreistellige Likes - mindestens.

"Spiegel Online", "die Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt", "BILD" berichten alle auführlich über die Weltmeisterschaft der PDC:

Das früher als Kneipensport verspottete "Darten" ist in.

Der Vierschanzentournee-Effekt – nur ohne Wind

Vergleichbar ist das Phänomen Darts mit der Vierschanzentournee der Skispringer.

Beide Wettkämpfe finden um den Jahreswechsel statt und beide nisten oder haben sich in Familien-TV-Traditionen eingenistet.

Doch während man in Oberstdorf und Co. witterungsbedingt teilweise stundenlang auf eine Entscheidung wartet, kracht es beim Darts ungefähr alle zwei bis drei Minuten: 180er, High-Finish, Leg-Gewinn, Break, Satzgewinn, perfektes Spiel (SERVICE: Alles, was Sie zur Darts-WM wissen müssen).

Das reizt die deutschen Zuschauer - auch wenn noch kein Deutscher weltklasse ist.

Die Rezeptur eine Mega-Party

Der Veranstalter der WM, die PDC, hat das Turnier zu einem richtigen Event gemacht.

Die Zuschauer im Alexandra Palace werden zum Verkleiden aufgefordert. Attraktive Walk-On-Girls heizen die Stimmung auf. Einlaufsongs und martialische Kampfnamen der Spieler, die eben nicht Modellathleten sind, tun ihr Übriges.

Das Verbandslied "Chase The Sun" von Planet Funk könnte problemlos auch in Diskos für Party sorgen.

PDC krempelt Darts um

Ein Blick auf die Weltmeisterschaft der Konkurrenz BDO deckt die Erfolgsgeschichte der PDC auf.

In gediegenem Ambiente und deutlich ruhiger steht nur das Werfen der Darts im Fokus.

Barry Hearn, der PDC-Boss, hat mit seinen Innovationen die Bedenken und Widerstände des Darts-Establishment weggewischt.

Als der 66 Jahre alte Geschäftsmann das erste Mal Darts schaute, sagte er: "I smell money (dt.: Ich rieche Geld)". Mit einem Rekord-Preisgeld von 1,25 Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) gibt er sich inzwischen selbst Recht.

Mehr Vielfalt

Was der PDC noch fehlt, ist ein wenig Globalisierung in der absoluten Weltklasse

Mehr als die Hälfte der WM-Teilnehmer kommt aus dem Vereinigten Königsreich oder aus den Niederlanden ? unter den Top 32 sind nur drei nicht aus diesen beiden Ländern (Whitlock, Nicholson, Part). Auch der US-amerikanische Markt muss noch erschlossen werden. Dort dominiert die elektronische Variante, das E-Dart.

Aber an dieser Stellschraube wird bereits gedreht.

Mit Cristo Reyes stand ein spanischer Qualifikant in der 3. Runde und Max Hopp war kurz vor Weihnachten einer der gefragtesten Sportler in Deutschland, nachdem er Geheimfavorit Mervyn King aus dem Turnier warf.

Der Darts-Vulkan brodelt also. Deutschland ist einer der Hot Spots.

Deswegen gilt: Weitersagen, dass Darts geil ist. Game on.

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