München - Gary Anderson wirft den Titelverteidiger Michael van Gerwen aus dem Turnier. Im Finale wartet ein angriffslustiger Phil Taylor.

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Von Dominik Laska und Adrian Geiler

Der Herausforderer entzaubert den Weltmeister, der Rekordweltmeister ließ eine Demonstration der Stärke folgen - in Tat und Worten.

Im Finale der Darts-WM (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) treffen Gary Anderson und Rekordweltmeister Phil Taylor aufeinander.

Anderson bezwang den Titelverteidiger Michael van Gerwen im bisher besten Match dieser Titelkämpfe mit 6:3. Taylor dominierte seinen Rivale Raymond van Barneveld beim 6:2 klar.

Taylor lässt van Barneveld keine Chance

The Power ist zum 18. Mal ins Finale der PDC und ins 20. WM-Finale seiner Karriere eingezogen.

Der Rekordweltmeister besiegte im Halbfinale den Niederländer Raymond van Barneveld mit 6:2 und greift nun nach seinem 17. Titel (SERVICE: Alles, was Sie zur Darts-WM wissen müssen).

Dazu verkündete er im lockeren Interview nach der Partie: "Ich will im Finale einen Neun-Darter werfen. Ich glaube, ich werfe morgen einen oder zwei".

Blitzstart von The Power

The Power begann gegen van Barneveld wie von der Tarantel gestochen, sicherte sich sofort die ersten beiden Sätze. "Barney" schien noch nicht in der Partie, dennoch die Mienen der Kontrahenten waren wie versteinert.

Emotionale Regungen ließen beide zu diesem Zeitpunkt noch vermissen.

Dann plötzlich die Wende. Taylor zeigte Schwächen und die Laune des Mannes aus Stoke-on-Trent sank in den Keller. Immer wieder fluchte er über schwache Würfe und van Barneveld nutze den emotionalen Tiefpunkt seines Gegners aus. Schnell stellte der fünfmalige Weltmeister auf 2:2, verzog aber dennoch keine Miene.

"Es war irgendwie schleppend", teilte Taylor mit: "Irgendwann dachte ich: Hey, das ist hier doch ein WM-Halbfinale?"

Barney entnervt

Diese Gedanken nahm sich der Mann aus der Darts-Stadt Stoke-on-Trent wohl zu Herzen. Seine Schwächephase währte nur kurz, The Power zog die Zügel an.

Drei Sätze in Folge sicherte sich der Altmeister, immer häufiger zeigte Taylor die Faust. Van Barneveld schien beim Stand von 2:5 endgültig demotiviert.

Genervt von eigenen schlechten Aufnahmen kam der Niederländer nicht mehr zurück in die Partie und Taylor beendete das Match im achten Satz auf die Doppel 20.

Anderson will 2011 vergessen machen

The Flying Scotsman, so der Kampfname von Anderson, steht zum zweiten Mal im WM-Finale.

2011 verlor der Schotte noch gegen Doppelweltmeister Adrian Lewis. Anderson und van Gerwen spielten beide einen Average von über 100 Punkten, einzig die Doppel-Quote war beim "Flying Scotsman" besser.

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"Ich wollte Michael von Anfang an unter Druck setzen und das ist mir gelungen. Ich bin sehr glücklich und genieße jetzt den Moment", sagte Anderson direkt nach der Partie. Michael van Gerwen stellte im SPORT1-Interview fest: "Ich habe gut gespielt, aber nicht gut genug."

Van Gerwen fightet

Bereits beim Einlauf der beiden Kontrahenten war die knisternde Spannung im Alexandra Palace zu spüren ? auch einige Buhrufe gegen van Gerwen waren zu vernehmen.

Anderson startete besser in die Partie. Im dritten Leg des ersten Satzes gelang dem "Flying Scotsman" über die Doppel 20 das erste Break. Den Satz machte der Schotte bei eigenem Aufschlag perfekt.

Doch van Gerwen steckte nicht auf, steigerte sich in Satz zwei und stellte mit zwei High-Finishes von 130 Punkten auf 1:1 in den Sätzen.

Ein schottisches Lächeln vor Glocks Augen

Dann schlug die Stunde von Anderson. Immer mit einem kleinen Lächeln im Gesicht zeigte der Vize-Weltmeister von 2011 eine famose Leistung und holte im Eiltempo die Sätze drei und vier, obwohl van Gerwen zwischenzeitlich über 110 Punkte im Schnitt warf. Es war ein Niveau auf absolutem Weltklasse-Niveau.

Im Stile eines Weltmeisters schlug van Gerwen dann auch zurück. Unbeeindruckt von dem Rückstand sicherte sich der Mann aus dem niederländischen Boxtel die nächsten beiden Sätze, spielte erneut ein High-Finish von 118 Punkten.

Die Zuschauer, darunter auch Ex-Formel-1-Fahrer Timo Glock, verwandelten den Ally Pally in ein Tollhaus. Jetzt ging es Schlag auf Schlag.

Im fünften Satz schien es zunächst erneut für van Gerwen zu laufen, er ging erstmals in dieser Partie in Führung.

Doppelschwäche bei van Gerwen

Doch beim Stand von 2:2 in den Legs verpasste "Mighty Mike" drei Satz-Darts auf die Doppel 18. Anderson konterte mit einer 180 und checkte im Anschluss 55 Punkte zur 4:3-Führung aus.

Und auch im achten Satz behielt Anderson die Oberhand. Immer wieder stellte sich der Schotte die Doppel 20 und traf das zweihöchste Doppel auf dem Darts-Board fast fehlerfrei.

Van Gerwen verpasste den 2:2 Ausgleich in den Legs auf die Doppel Acht und Anderson nutzte die Break-Chance erneut auf die Doppel 20. Mit einer Checkout-Quote von über 50 Prozent stellte der "Flying Scotsman" auf 5:3 und benötigte nur noch einen Satz, um in das Finale einzuziehen.

Ein letztes Aufflimmern

Van Gerwen schien beeindruckt.

Bereits im ersten Leg des neunten Satzes bekam Anderson die Chance zum Break und nutzte sie erneut auf die Doppel 20. Aber "Mighty Mike" war erneut zur Stelle und glich mit einem Checkout von 149 Punkten aus.

Zum wiederholten Mal ging es in ein Entscheidungs-Leg. Van Gerwen zeigte Schwächen auf die Triple-Felder und Anderson nutze seine Chance. Der zweite Match-Darts auf die Doppel-16 fand den Weg ins Ziel und löste bei Anderson alle Emotionen.

Erstes Aufeinandertreffen bei einer WM

Zum ersten Mal stehen sich der Schotte und Phil Taylor bei einer WM gegenüber - und dann gleich im Finale.

Bislang spricht die Bilanz klar für die Legende: Von 37 Duellen gewann er 27.

Das letzte Duell gewann allerdings Anderson, beim letzten Major vor den Titelkämpfen. Im Viertelfinale der Players Championship Finals setzte er sich mit 10:6 Legs.

Ein gutes Omen?

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+++ Das Tableau ab dem Viertelfinale +++

+++ Das Tableau der ersten Runden +++

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