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München - Für Phil Taylor endet mit dem WM-Aus das Seuchenjahr 2015 unrühmlich. Der angeschlagene Altmeister stemmt sich weiter gegen den Absturz. Ein Weggefährte macht Mut.

Am Ende wirkte Phil Taylor vor allem eines: Ausgelaugt.

"Soll ich ehrlich sein? Ich bin nicht fit genug. Mir geht es mental nicht gut", sagte der geknickte Rekordweltmeister nach seinem 3:4-Achtelfinalaus gegen Jelle Klaasen zu Sky Sports.

Das frühe Scheitern bei der Darts-WM war der Schlussakt des "schlimmsten Jahres meines Lebens", wie es "The Power" schon vor der WM nannte.

Tod der Mutter bleibt unverarbeitet

Nur wenige Wochen nach seiner WM-Finalniederlage im Januar 2015 verstarb seine Mutter Elizabeth, während Taylor bei einem Turnier in Neuseeland am Oche stand.

In seiner Autobiographie erinnerte er sich an die schicksalhaften Telefongespräche mit seinen Kindern: "Es war die Art von Anrufen, die man fürchtet, die zum schlimmsten Tag meines Lebens führten. Den Tag, an dem ich meine Mutter beerdigen musste."

Bis heute konnte Taylor diesen Tag nicht verarbeiten. Auch nicht im Dartssport, den er jahrzehntelang dominierte.

"Ich will keine Ausreden suchen, aber es ist sehr schwierig, sich zu konzentrieren. Du realisierst, dass sich die Welt nicht nur um das Werfen von Darts dreht", so Taylor, dem zudem die Trennung von seiner Frau zusetzte.

Erstmals seit 21 Jahren ohne Major-Sieg

Die privaten Rückschläge warfen ihn auch sportlich zurück: Erstmals seit 21 Jahren blieb der 16-malige Weltmeister 2015 ohne einen einzigen Major-Titel.

Bei der WM verschaffte auch ein kurzzeitiger Wechsel hin zu leichteren Darts keine Abhilfe. Zum zweiten Mal in drei Jahren war für ihn schon vor dem Viertelfinale Schluss. Die Unkenrufe nach einem baldigen Abschied wurden lauter.

Doch ans Aufhören verschwendet der 55-Jährige keinen Gedanken. Im Gegenteil: "Nächstes Jahr greife ich wieder an", kündigte Taylor nach der Schlappe gegen Klaasen an. In der Tat sollte man den Altmeister aus Stoke on Trent trotz aller Abgesänge nicht abschreiben.

Denn auch ohne Major-Titel reichte es 2015 für Rang drei in der Weltrangliste. Gemeinsam mit Adrian Lewis gewann er den World Cup of Darts in Frankfurt, in der World Series of Darts reichte es zu Siegen in Australien und Japan und dem elften live im TV gezeigten Neundarter überhaupt. Zudem schraubte sich Taylor in den Turnieren vor der WM wieder auf ein Average von über 100.

Weggefährte als Mutmacher

So stemmte sich der Mann, der Darts erst zum Massenphänomen gemacht hat, gegen den Absturz aus der Weltspitze. Dass es zum großen Wurf 2015 dennoch nicht reichte, war vor allem dem ungewohnt wackeligen Finish geschuldet. Insbesondere seine einst geliebte Doppel-16 ließ Taylor in den wichtigen Legs immer wieder verzweifeln – so auch gegen Klaasen.

Ein Makel, den Taylor 2016 angehen will. Dann hat er auch den nächsten privaten Rückschlag endlich hinter sich gebracht: "Im Februar werde ich endlich geschieden. Also komme ich nächstes Jahr zurück, gebe Gas und werde sehen, was dabei herausspringt."

Mut machen könnte ihm dabei ausgerechnet ein alter Weggefährte: Der Großvater Raymond van Barneveld zeigte mit dem Sensationssieg gegen Michael van Gerwen, dass die alte Garde das Board der neuen Profigeneration nicht kampflos überlässt.

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