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London und München - Adrian Lewis kann mit dem WM-Titel in einen erlauchten Kreis eintreten. Die erfolgreiche Karriere hat er auch Phil Taylor zu verdanken, doch Lewis will davon nichts hören.

Adrian Lewis kann den Namen Phil Taylor schon nicht mehr hören.

Aber wenn man die Geschichte des WM-Finalisten erzählt, kommt man nicht um "The Power" herum. (Finale ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, ab 19.30 Uhr im TV auf SPORT1+, Livestream und im Liveticker)

Taylor war es, der 2003 das Talent des damals 18-jährigen Lewis bei einem Jugendturnier erkannte. Taylor war es, der Lewis' Miete  während dessen Anfangszeit auf der Profi-Tour größtenteils übernahm. Und Taylor war auch Lewis' Trainingspartner in dessen ersten vier Profi-Jahren. Bis zu 30 Stunden in der Woche standen beide zusammen am Board.

Den Besten aller Zeiten als Lehrmeister zu haben ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite konnte sich "Aidy" allerlei Kniffe abschauen. Auf der anderen Seite kamen immer wieder die Vergleiche. Große Stars machen große Schatten.

Nach seinem ersten WM-Triumph 2011 platzte Lewis der Kragen.

Taylor vor den Kopf gestoßen

"Hört auf, mich als Phils Zögling zu bezeichnen. Ich habe nur mit ihm trainiert, aber das habe ich auch mit meinem Vater. Keiner nennt meinen Vater als meinen Mentor", sprudelte es aus ihm heraus: "Wie viel Anteil hat Phil an meinem Erfolg? Naja, er hat mir ein paar Tipps gegeben wie: 'Geh früh ins Bett'. Aber ich habe mich auch für drei Profi-Turniere qualifiziert, bevor ich Phil kennengelernt habe."

Rumms - das saß. So sieht eine emotionale Emanzipation aus. Sowohl bei den Kritikern als auch bei Taylor, der danach wochenlang nicht mit Lewis redete.

2012 verteidigt "The Jackpot" souverän seinen Titel und wird der erste "Back-To-Back"-Weltmeister nach - na klar, Phil Taylor und dessen Mentor Eric Bristow.

Lewis mutiert zum "Faulen Ochsen"

Die Wachablösung schien perfekt.

Lewis ist ein riesiges Talent. Kaum jemand wirft so geschmeidig, so perfekt Darts. Unvergessen ist seine "No-Look"-180 2006. Nicht umsonst ist er einer der Kandidaten, die zuerst genannt werden, wenn es um den Neun-Darter geht.

Doch der Vater einer Tochter und eines Sohns wurde zum "Faulen Ochsen", wie er selber zugab: "Warum trainieren, wenn ich immer Turniere spiele?" Erst im Laufe dieser Saison erkannte Lewis, dass zu einem Champion mehr dazu gehört. "Es gibt keine andere Möglichkeit", sagt er.

"Die Experten sprechen nicht mehr über mich", teilte er vor der WM mit und gab ihnen recht: "Ich würde mich auch nicht zur Spitzenklasse zählen."

Eintritt in einen erlauchten Kreis

Dass er es doch ist, bewies er im Turnierverlauf.

Erst im Viertelfinale gab er die ersten beiden Sätze ab, im Halbfinale steuerte "Jackpot" auf einen Whitewash zu, ehe sein Gegner Raymond van Barneveld sich noch einmal aufbäumte und drei Sätze gewann.

Locker wie selten zuvor kann er nun Geschichte schreiben. "Ich bin sehr froh", teilte er SPORT1 mit. Nur Taylor und Bristow (vor der PDC-Zeit) gewannen drei oder mehr WM-Titel, er kann in diesen erlauchten Kreis eintreten.

Lewis hat Anderson 2011 unter anderem mit einem 9-Darter besiegt und damit übrigens das geschafft, was seinem Mentor bislang versagt blieb.

Und gelingt ihm sein dritter WM-Sieg, ist er der beste Spieler des Jahrzehnts, besser als "The Power" und endlich selber ein Mann mit großem Schatten.

Dann hören vielleicht auch diese nervigen Vergleiche auf.

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