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München - Michael van Gerwen krönt sein einmaliges Jahr mit dem WM-Titel. Doch zu Rekordweltmeister Phil Taylor ist es noch ein weiter Weg. Ein zu weiter?

Obwohl vertraut, hatte das Bild etwas Besonderes. Michael van Gerwen schrie seine unbändige Freude heraus und streckte den Pokal in die Höhe. Nach einem Jahr mit sagenhaften 25 Turniersiegen war der WM-Triumph bei weitem der wichtigste Moment für den Darts-Dominator.

Weshalb MvG beim Stemmen der knapp 25 Kilogramm schweren Sid Waddell Trophy die Tränen kamen.

"Es ist nicht nur heute, sondern das ganze Jahr. Jetzt kommt alles raus", sagte der Niederländer bewegt am SPORT1-Mikrofon: "Ich hatte ein sagenhaftes Jahr, das vom WM-Titel gekrönt wurde. Ich habe fast alles gewonnen, was möglich war."

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Van Gerwen: "Bin der Beste aller Zeiten"

"Mighty Mike" zeigte im Jahr 2016 eine einmalige Dominanz, die es nicht einmal in den Glanzzeiten Phil Taylors zu sehen gab. Van Gerwen, natürlich Weltranglistenerster, tönte jüngst mit Blick auf Altmeister Taylor: "Er ist der Größte aller Zeiten, aber ich bin der Beste aller Zeiten."

Tatsächlich ist es noch ein weiter Weg zu den 16 Titeln des Rekordweltmeisters. Doch der erste Schritt scheint zumindest gemacht. Der jüngste Champion der Geschichte (2014) hat mit seinen 27 Jahren noch viel Zeit, um in Taylors Sphären einzudringen.

Bereits im Alter von 13 - und damit deutlich früher als "The Power" - griff van Gerwen erfolgreich zu den Pfeilen und feierte erste Erfolge.

MvG läutet neue Ära ein

In den direkten Duellen hat Taylor mit 31 zu 23 Siegen zwar immer noch die Nase vorn, doch spätestens mit der Ablösung an der Spitze der Order of Merit Anfang 2014 läutete MvG eine neue Ära ein.

Taylor selbst bezeichnete van Gerwens Talent einst als das größte, das er je gesehen habe. Und "The Power" hat selbst reichlich davon. Von 1995 bis 2002 konnte ihn keiner bei der PDC-Weltmeisterschaft bezwingen. Sagenhafte 14 Mal in Folge stand der Engländer im Endspiel.

"Diese 16 WM-Titel sind schon ein Rekord für die Ewigkeit", meint auch SPORT1-Experte Elmar Paulke: "Taylor hat acht Dinger geholt, als er alleine Darts auf ein ganz neues Niveau gebracht hat. Ich glaube nicht, dass das so eine Dominanz wie bei Taylor wird. Nicht über diese Jahre."

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Die Konkurrenz ist groß

Denn während Taylor zu seiner Zeit "nur zwei, drei Gegner" hatte, ist die Konkurrenz so groß wie nie. "Jetzt hast du plötzlich Top-5-Spieler, die alle Weltmeister werden können. Und du hast inzwischen auch Top-16-Spieler, die jede Top Gun rausnehmen können", sagt Paulke und ergänzt in Bezug auf Cristo Reyes' Leistung gegen van Gerwen in der zweiten Runde: "Das gab es zu Taylors Zeit nicht, dass die Nummer 35 der Welt einen 106er-Average spielt und ein Match verliert."

Und die Konkurrenz will sich nicht in ihr Schicksal ergeben. Nach seiner Finalniederlage schickte Doppel-Weltmeister Anderson sogleich eine Kampfansage in Richtung des neuen Champions: "Er ist nicht unschlagbar. Es gibt so viele gute Darts-Spieler. Er muss in den kommenden zehn Jahren verdammt kämpfen, um alles zu behalten."

Doch wenn "Mighty Mike" weiter konstant solche Leistungen abrufen kann, könnte der Flitzer beim WM-Finale für eine Weile neben van Gerwen der Letzte gewesen sein, der seine Finger an die WM-Trophäe bekommt. 

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