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Bernhard Kohl war 2007 bis 2008 für das Gerolsteiner Team aktiv © imago

Nachdem der Österreicher die letztjährigen Top-Ten der Tour des Dopings bezichtigte, hat er nun vermutlich eine Klage am Hals.

Paris - Dem geständigen Dopingsünder Bernhard Kohl droht in Frankreich eine Verleumdungsklage.

Der frühere Profi vom Team Gerolsteiner hatte die Top-10-Fahrer der letztjährigen Tour de France als potenzielle Dopingsünder bezeichnet.

Nun kündigte Jean-Claude Cucherat, Generalsekretär der französischen Profifahrer-Union UNCP, rechtliche Schritte gegen Kohl und "jeden anderen, der den Ruf der Profi-Radfahrer schädigt", an.

"Wir verachten diese boshaften Aussagen von Kohl. In französischen Mannschaften hat der Beruf des Radrennfahrers nichts mit den Gangster-Methoden zu tun, die Kohl beschreibt", sagte Cucherat.

Kohl: Besten Zehn der letztjährigen Tour gedopt

Ihm stimmte Cedric Vasseur zu, der Präsident der internationalen Profifahrer-Vereinigung CPA: "Kohls Behauptungen können nicht ungestraft bleiben. Er mag ja denken, dass alle anderen so wie er gedopt haben, aber das muss er beweisen."

Kohl hatte behauptet, dass die besten zehn Fahrer der vergangenen Tour bei entsprechenden Kontrollen positiv getestet worden wären.

Bei seinen Rundumschlägen der vergangenen Wochen hatte der Österreicher auch den im letzten Jahr eingeführten Biologischen Pass des Radsport-Weltverbandes UCI kritisiert.

Seinen früheren Gerolsteiner Teamarzt Mark Schmidt, inzwischen Mannschaftsarzt beim Dortmunder Milram-Rennstall, hatte der inzwischen vom Profiradsport zurückgetretene Kohl ebenfalls in Misskredit gebracht.

Gegenwind für Boonen und Valverde

Starken Gegenwind bekommen derweil auch zwei weitere Skandal-Profis zu spüren:

Ex-Weltmeister Tom Boonen, der zum wiederholten Mal des Kokain-Konsums überführt wurde, und der in Italien wegen Dopings für zwei Jahre gesperrte Alejandro Valverde sind vom französischen Sportminister Bernard Laporte zu unerwünschten Personen bei der Tour de France erklärt worden.

Auch bei "Dauphine Libere" unerwünscht

"Der Kampf gegen Drogen und die führende Rolle Frankreichs auf diesem Gebiet haben erste Priorität. Deshalb ist klar, dass die Anwesenheit von Boonen und Valverde bei der Tour 2009 nicht willkommen ist", heißt es in dem Schreiben von Laporte.

Er wollte beide Profis auch nicht bei der momentan stattfindenden Rundfahrt "Dauphine Libere" in Südost-Frankreich sehen.

Dennoch sind sie bei dem wichtigen Tour-Vorbereitungsrennen am Start.

Prudhomme gibt grünes Licht für Boonen

Für die Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt hat zumindest Boonen ebenso wie der unter Doping-Verdacht stehende frühere deutsche Meister Andreas Klöden von Tour-Chef Christian Prudhomme Grünes Licht erhalten. (Zittern vor neuen Skandalen)

Auch Pat McQuaid, der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, konnte mangels Handlungsmöglichkeiten nichts gegen einen Start von Boonen und Klöden einwenden.

Valverde will gegen Sperre klagen

Dagegen hat sich Prudhomme strikt gegen eine Tour-Teilnahme von Valverde ausgesprochen.

Derzeit wartet die UCI auf die Unterlagen aus Italien, um über eine weltweite Sperre des Spaniers zu entscheiden.

Der zweimalige Vizeweltmeister hat eine Klage gegen das nationale olympische Komitees Italiens CONI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA eingereicht und will vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Sperre angehen.

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