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Phil Jackson (r.) beendete 1980 seine Karriere als Spieler bei den Knicks © getty

Der 63-Jährige wird zum erfolgreichsten Coach aller Zeiten. Bryant tritt aus dem Schatten seines einst kongenialen Partners heraus.

Von Nikolai Kube

München/Orlando - Kobe Bryant zog seinen Coach Phil Jackson nach der Schlusssirene mit einem kräftigen Ruck zu sich, umarmte ihn freudestrahlend und schaute ihm einige Sekunden tief in die Augen.

Es war der große Moment auf den beide so sehnsüchtig gewartet hatten. Die Los Angeles Lakers haben nach einer Saison mit Ups and Downs ihr großes Ziel erreicht und zum 15. Mal die Meisterschaft nach L.A. geholt (117761Die Bilder zu Spiel 5).

Für Jackson und Bryant ein ganz besonderer Augenblick:

Der Lakers-Coach steigt endgültig in den Trainer-Olymp auf und der Finals-MVP tritt endlich aus dem Schatten des großen Shaquille O'Neal heraus.

Jackson setzt neue Maßstäbe

Durch seinen zehnten Titel als Trainer (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum) hat der 63-jährige Jackson neue Maßstäbe gesetzt: Er überholt in der ewigen Bestenliste den bereits verstorbenen Red Auerbach, der in seiner Laufbahn von 1950 bis 1966 neun Titel mit den Boston Celtics gewann.

"Es ist etwas ganz Besonderes für uns, dass wir das Team sein durften, mit dem Phil seine historische zehnte Meisterschaft geholt hat", so der stolze Kobe Bryant.

Auch Jackson selbst konnte sein Glück kaum fassen: "Ich bin gerührt und stolz auf meine Jungs".

Gedanken bei Auerbach

Im gleichen Atemzug war er, ganz im Sinne eines Champions, in Gedanken bei Auerbach: "Ich werde heute Abend eine Zigarre rauchen und einen Moment innehalten. Denn Red war ein toller Mensch."

Doch obwohl Jackson jetzt der erfolgreichste Coach der Geschichte ist, gibt es immer wieder Stimmen, die seine Arbeit sehr kritisch beäugen.

Oft wird Jackson vorgeworfen, er habe all seine Titel nur mit Teams geholt, die die Meisterschaft auf Grund der starken Individualisten so oder so gewonnen hätten.

Van Gundy: "Bilanz ist einzigartig"

Magic-Coach Stan Van Gundy ist da anderer Meinung: "Vielleicht sagen jetzt wieder viele er hatte überragende Spieler ? ich kann mich an kein Team erinnern, dass den Titel jemals ohne gute Spieler gewonnen hat", so Van Gundy schmunzelnd.

Dann gerät er ins Schwärmen und stellt bestimmend fest: "Dieser Mann gewinnt immer und immer wieder. Schaut euch seine Bilanz an. Sie ist verdammt noch mal unumstritten einzigartig."

Aber was zeichnet die Arbeit Jacksons aus? Hat er ein Geheimrezept? Für Kobe Bryant ist seine Teamfähigkeit der Schlüssel zum Erfolg.

Teamgeist der Schlüssel zum Erfolg

"Er kann eine Mannschaft formen, ihr Teamgeist, Geschlossenheit und Zusammenhalt einimpfen." Dies zeigte sich auch in Spiel fünf (SPIELBERICHT:99:86! Lakers holen die Meisterschaft).

Angeführt von einem starken Bryant, überzeugten die Lakers durch eine starke Mannschaftsleistung. Mit Lamar Odom, Trevor Ariza, Derek Fisher (Ein Mann für gewisse Sekunden) und Pau Gasol punkteten weitere vier Akteure zweistellig und hatten großen Anteil am Titel.

Doch Jackson kann auch die Zügel anziehen, wenn es nötig ist:

"Ab und zu fährt er auch eine harte Linie, aber genau deshalb sind wir nach schweren Niederlagen auch immer wieder zurückgekommen. Das ist seine größte Stärke", so der Shooting Guard der Lakers.

Bryant ordnet sich unter

Von seiner harten Linie kann Bryant selbst ein Lied singen. Denn die beiden konnten sich nicht immer leiden und so flogen in der Vergangenheit des öfteren die Fetzen zwischen dem Trainer und seinem "Enfant terrible".

Jackson bezeichnete die "Black Mamba" einst als "eigensinnigen Spieler". Doch mittlerweile hat Kobe gelernt sich unterzuordnen ? auch dank seinem langjährigen Ziehvater.

"Er hat verstanden, wie man ein Anführer wird. Es war sehr wichtig für ihn, dass er versteht, dass er anderen Leuten auch etwas geben muss, als immer nur zu fordern. Es ist toll zu sehen, wie er sich entwickelt hat", so der 63-Jährige über den Finals-MVP, der in der Serie im Schnitt 32,4 Punkte erzielte.

Aus Shaqs Schatten herausgetreten

Für Bryant war es der vierte Titel seiner Karriere - der erste ohne seinen früheren kongenialen Partner Shaquille O'Neal (Shaq und die Cavs: Was läuft da?). Es hat lange gedauert, doch nun ist er aus seinem Schatten herausgetreten. Und er zeigte sich sichtlich froh darüber:

"Was auch immer ich gesagt habe. Immer wieder wurde ich darauf angesprochen. Ich musste es irgendwann akzeptieren, denn ich hatte keine Gegenargumente. Jetzt ist der Spuk endlich vorbei", so der 30-Jährige.

Sein Ex-Kollege O'Neal ließ sich nicht lange lumpen und brachte es auf den Punkt: "Kobe, du hast es dir wirklich verdient. Du hast überragend gespielt, genieß den Augenblick."

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