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Norbert Haug ist seit 1990 Motorsport-Chef bei Mercedes © imago

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug will den Budget-Streit nicht anheizen. Für das Rennen in Silverstone ist er skeptisch.

Von Marc Ellerich

München - Es ist ein trauriges Bild, welches die einst strahlende Königsklasse in diesen Tagen abliefert. Flapsig gesagt: In drei Tagen findet der Grand Prix in Silverstone - und kaum jemand guckt hin.

Nach wie vor werden nämlich sämtliche sportliche Fragen in der Formel 1 vom erbitterten Ringen zwischen dem Weltverband FIA und der Teamvereinigung FOTA über das Reglement der kommenden Saison überlagert.

Jüngster Beitrag im Machtgezerre: Am Montag ging ein Treffen zwischen Finanzexperten von FIA und FOTA ergebnislos zu Ende.

Verhärtete Fronten

Die Begründung seitens des Automobil-Weltverbands: Die FOTA-Vertreter hätten kein Mandat besessen. Die FIA erklärte, dass die Finanzpläne, Stichwort: Budget-Obergrenze, so bleiben "wie sie bereits verabschiedet wurden".

Der nächste Nadelstich, die Fronten bleiben verhärtet.

Aus gutem Grund also wollte Norbert Haug, mächtiger Motorsportchef des Weltmeister-Teams McLaren-Mercedes, am Dienstag öffentlich kein weiteres Öl in die lodernde Glut kippen.

Auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten wollte Haug auf Sport1.de-Nachfrage keine Bewertung der am vergangenen Freitag veröffentlichten FIA-Liste der WM-Starter für 2010 abgeben (Teamliste draußen: Riesenwirbel um Ferrari).

Vage Aussagen

Auch sonst blieben seine Aussagen zum Thema vage.

"Wir haben vier, fünf, sechs wesentliche Punkte, in denen eine Einigung möglich sein sollte, und wir arbeiten weiter konstruktiv daran", sagte der Schwabe.

Nachdem Teams und FIA am Rande des Monaco-GP verhandelt hatten, habe er ein "ganz positives" Gefühl gehabt. "Und ich hoffe, dass sich dieses Gefühl in den kommenden drei Tagen wieder einstellt. Ich hoffe, dass unter dem Zeitdruck des Sich-einigen-Müssens jetzt etwas passiert."

Und: "Es gibt noch offene Punkte, die aber nicht unüberbrückbar sind. Ich hoffe, dass die Vernunft siegt, und die Vorschläge der FOTA sind nicht unvernünftig."

Schwere Stunden

Bleibt also der Sport, der zunehmend bedeutungsloser wird.

Und auf diesem Terrain erlebt der silberne Rennstall seit Saisonbeginn alles andere als Freudentage (DATENCENTER: Formel-1-Ergebnisse) .

Auf Platz fünf der Teamwertung dümpelt das einst stolze Team vor dem britischen Grand Prix, dem vorerst letzten in Silverstone, herum. Der junge britische Weltmeister erlebt als Zehnter der Fahrer-WM eine schwere Stunde nach der anderen.

Dass es ausgerechnet beim Heimrennen, beim dem Hamilton noch im Vorjahr im Platzregen eine seiner besten Vorstellungen ablieferte, besser kommen könnte, davon geht sein Sportchef nicht aus.

"Da muss er durch"

Zwar bemüht Haug nach Kräften die Statistik, um Hamilton als einen der stärksten Piloten des Fahrerfeldes auszuweisen. Der Karriere-Punkteschnitt des jungen Shootingstars sei besser als bei jedem anderen Piloten.

Dennoch müsse sich der Champion, der "seine Frustmomente in diesem Jahr schon gehabt hat", damit abfinden, "dass im Moment keine Bäume auszureißen" seien. Haug auf Sport1.de-Nachfrage: "Da muss er durch. Er wird daran nicht zerbrechen, auf keinen Fall."

Achtung, schnelle Kurven!

Die Ausgangslage habe sich für den britisch-deutschen Rennstall vor dem Insel-Rennen nicht wesentlich verändert, berichtet Haug.

"Achtung, sehr viele schnelle Kurven", lautet sein Warnruf ans Team. Und wie stets in dieser Saison der Veränderungen gilt: Schnelle Kurven sind Gift für den silbernen Boliden, es fehlt an Abtrieb um derlei Passagen zügig genug meistern zu können.

Beispiel gefällig? Allein in Kurve acht des vorangegangenen Türkei-Grand-Prix sei der Silberpfeil Sieben-Zehntelsekunden zu langsam gewesen, rechnet Haug vor. Natürlich werde sich mancher fragen: "Haben die das Autobauen verlernt?"

"Im letzten Drittel"

Diese Ausgangslage werde in Silverstone kaum anders sein, "auch wenn wir sicherlich näher dran sind als in Barcelona. Aber eben noch nicht nah genug."

Das bittere Ergebnis sieht der Sportchef schon kommen: "Wir müssen realistisch einschätzen, dass wir im letzten Drittel des Feldes sein werden."

Norbert Haug hatte sicher schon erfreulichere Nachrichten zu verkünden.

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