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Der Italiener Pietro Caucchioli fuhr von 2005 bis 2008 für Credit Agricole © getty

Eine UCI-Spitzenkraft fordert harte Strafen. Der Bluttpass brächte wöchentlich Verdächtige und könne eine neue Ära einleiten.

Leipzig - Mehr Sanktionsgewalt für den Weltverband und vier Jahre Strafe für die Blutpass-Sünder: Die Verfahren gegen fünf Radprofis, die durch ihre Blutprofile in Dopingverdacht geraten sind, sollen den Anfang einer neuen Ära im Anti-Doping-Kampf bilden.

Drei Fahrer wurden sofort suspendiert, die Verfahren liegen bei den nationalen Verbänden in Spanien und Italien.

Der Weltverband UCI übt bereits Druck aus. "Wir glauben, dass in diesen Fällen willentliche Blutmanipulation vorliegt und deshalb ermutigen wir die nationalen Verbände, Sperren über vier Jahre zu verhängen", sagte Anne Gripper, Anti-Doping-Chefin der UCI, dem Internetdienst "Cyclingnews".

Weltverband folgt den Nationalverbänden

Nur wenn ein Fahrer seine Schuld zugebe, solle er eine kürzere Sperre erhalten.

Die nationalen Verbände entscheiden nun über das Straßmaß der bereits suspendierten Fahrer Francesco De Bonis (Diquigiovanni), Pietro Caucchioli (Lampre/beide Italien) und Ricardo Serrano (Fuji) sowie von Astarloa (Amica) und Ruben Lobato (alle Spanien).

Der Weltverband übernimmt die Sperren in der Regel.

Milram-Chef beklagt löchriges Regelwerk

Milram-Chef Gerry van Gerwen, der den durch die UCI-Analyse in Verdacht geratenen Ex-Weltmeister Igor Astarloa bereits im Mai 2008 wegen auffälliger Blutwerte entlassen hatte, forderte mehr Macht für den Weltverband.

"Die UCI müsste direkt sanktionieren können", sagte der Niederländer und verlangte juristische Änderungen im Regelwerk: "Wenn ich einen Fahrer wegen seiner Blutwerte entlasse, werde ich verklagt. Vom Reglement sind solche Fälle nicht gedeckt."

Gripper betonte, dass der Verband äußerst gewissenhaft gearbeitet habe. "Ich weiß, dass Leute die großen Namen erwartet haben, aber wir können uns ja keine Daten ausdenken. Wir überprüfen jeden nach den gleichen Maßstäben", sagte Gripper.

UCI achtet auf die Vorderen

Der Pass sei, was es brauche, um Doping aus dem Radsport zu eliminieren. Jede Woche bekämen die Experten Blutpässe mit auffälligen Werten zur Untersuchung: "Und dann werden wir die Namen weiterer Fahrer bekannt geben."

Die UCI habe eine Vereinbarung mit der ASO, dem Veranstalter der Tour de France, dass auf Fahrer, die im vorderen Gesamtklassement platziert sind, besonderes Augenmerk gelegt wird. Laut Gripper habe die UCI eine Liste von etwa 50 Fahrern vorliegen. (Zittern vor neuen Doping-Skandalen)

Die Anti-Doping-Expertin glaubt, dass im Peloton größtenteils mittels Transfusionen gedopt werde.

Zieht Astarloa Klage zurück?

Hinzu kommen Präparate wie Epo oder dessen Nachfolger Cera. "Durch die Profile können wir nur sehen, dass sie manipulieren. Nicht aber, mit was sie es tun", sagte Gripper.

Das bestätigte auch Gerry van Gerwen für den Fall Astarloa. "Wir haben intern getestet und die Werte dann noch von dem unabhängigen Experten Rasmus Damsgaard interpretieren lassen. Er hat unsere Zweifel bestätigt", sagte der Niederländer. (Ex-Weltmeister unter den suspekten Fünf)

Astarloa hatte acht Monate nach seiner Entlassung Klage gegen das Milram-Team beim Sportgerichtshof CAS eingelegt. "Jetzt ist es natürlich wirklich die Frage", meinte van Gerwen, "ob er nach der Veröffentlichung durch die UCI mit der Klage weiter macht."

CAS entscheidet gegen Rennstall

Astarloa dürfte durch eine CAS-Entscheidung vom Dienstag Rückenwind erhalten. Der Sportgerichtshof gab Wladimir Gussew in seiner Klage Recht, im Juli 2008 von seinem Team Astana zu Unrecht entlassen worden zu sein.

Astana hatte damals auffällige Blutwerte bei dem Russen geltend gemacht und sich dabei auf die Expertise des Dänen Damsgaard gestützt.

Laut CAS-Urteil muss der Rennstall nun Gehalt und Schadensersatz an Gussew zahlen und die Verfahrenskosten übernehmen.

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